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Hellion: Mystery of the Inquisition

Geschnetzeltes, schön blutig

Wie das wohl aussieht, wenn eine neue polnische Spieleschmiede, die sich zur Hälfte aus The-Witcher- und Two-Worlds-Entwicklern rekrutiert, ein mittelalterliches, reichlich wildes Schwertschnetzel-Epos produziert? Auf keinen Fall nach Kindergeburtstag oder Friedensnobelpreis, wie mir eine Technikdemo zu Hellion bewies. In Mystery of the Inquisition, so der Untertitel, geht es um Godric von Glastonbury, einen Ritter, der Leiden schafft.

Und in meinem Kopf hat sich vor allem eine Szene festgefressen:

Zwei Männer hauen und stechen aufeinander ein. Sie atmen schwer, ihre Schwerter klirren. Godric, der Kämpfer mit der Narbe unter dem rechten Auge, hat seinen Kontrahenten unter harten Hieben mürbe gemacht. Die Entscheidung fällt binnen eines Wimpernschlags, jetzt wechselt die Kamera von der Ich-Perspektive in eine seitliche Ansicht.

Der Präsentator am Gamepad hat seine Spielfigur dazu gebracht, ihrem virtuellen Gegner einen Stoß zu versetzen. In Zeitlupe taumelt der in einen weißen Waffenrock gehüllte Kreuzritter nach vorn. Trotzdem geht alles fast zu schnell: Krass, habe ich das gerade richtig gesehen? Hat Godrics Klinge tatsächlich die Achillessehne seines Polygongegners durchschnitten, um ihn zu Fall zu bringen? Fest steht, dass ein zweiter und letzter Schwung den Kopf vom Rumpf trennt und Pixelblut regnen lässt, noch während das Opfer wie ein Baum gen Boden kippt. Exitus.

Solche Szenen direkt aus dem Spiel gab's nicht zu sehen. Der Screenshot soll aber bis aufs hinzugefügte Blut authentisch sein.

Nein, im Jahr 1219 des Herrn ging es nicht immer kuschelig zu. Martin Szymanski, der für die Firma Flying Fishworks die Öffentlichkeitsarbeit bestreitet und Hellion („Teufelsbraten“) während der Spielemesse gamescom in Köln präsentiert, lässt auch keine Zweifel aufkommen, dass dieser Titel die ganze Härte des Mittelalters widerspiegeln soll. Deshalb zeigt er zunächst weitere Finishing Moves, also aufwändige Tötungsanimationen. Davon wird es später rund 30 Varianten geben. Bei einer knallt Godric seinem Widersacher zunächst den Schwertknauf gegen Kopf und Nacken, sodass dieser benommen auf die Knie sinkt. Ein Stich ins Herz beendet die blutige Auseinandersetzung.

„Du kannst einen Finishing Move ansetzen, sobald dein Gegner geschwächt ist“, sagt Szymanski. Ausweichen, perfekt zeitlich abgestimmtes Blocken und Deckungslücken nutzen – so lautet die Marschroute zuvor. Und es scheint tatsächlich einiges an taktischer Finesse gefragt, schließlich geht auch Godric ein ums andere mal hops, obwohl sein Steuermann am Gamepad sicher Übung hat. „Wir machen keine Simulation, aber auch keinen One-Button-Masher“, erklärt der Pressesprecher. Gut, das bloße Malträtieren einer einzigen Taste soll also nicht zum Erfolg führen. Außerdem sind Quicktime-Events geplant, also Reaktionstest im Stil von God of War. Vor meinem geistigen Auge entsteht eine Mischung aus simpler Spaßklopperei à la Enclave und Severance, für das man am besten ein abgeschlossenes Fechtkampfstudium benötigte.

Tempelritter machen in einer Burganlage eine Pause. Im Hintergrund: Arbeiter.

Doch Hellion soll weit mehr bieten als brutale Duelle mit Dolch, Schwert, Bogen, Armbrust, realistischen Trefferzonen und abtrennbaren Gliedmaßen. Godric von Glastonbury, ein Engländer, der seine Familie verloren hat, ist nicht nur Ritter, sondern auch von Mönchen ausgebildeter Exorzist. Der Teufelsaustreiber und Dämonenjäger verfügt über übernatürliche Fähigkeiten. Stoßgebete ersetzen gewissermaßen die Magie, wie man sie aus Fantasy-Spielen kennt.

Godrics Glaube an Gott erhöht zum Beispiel kurzzeitig seine Defensive. „Oder er befreit Seelen von Toten und kann dabei sehen, was diesen in den letzten 15 Sekunden ihres Lebens widerfahren ist. Wer sie umgebracht hat, wo sie etwas versteckt haben und so weiter.“ Dadurch und wegen zahlreicher Storywendungen werde das Spiel zudem Qualitäten eines Thrillers entwickeln.

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