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Horizon: Forbidden West: Es sind längst nicht alle Geheimnisse gelüftet.

Im Gespräch mit Guerilla Games erforschen wir ein wenig tiefer die Handlung des kommenden PlayStation-Hits Horizon: Forbidden West, die Natur von Aloy und ob es noch Geheimnisse in dieser neuen Welt gibt.

Horizon: Forbidden West, die Fortsetzung zu dem 2017er-Hit Horizon: Zero Dawn, ist nicht mehr weit weg (Horizon: Forbidden West erscheint am 18. Februar 2022) und da ist es langsam, aber sicher Zeit, mal einen längeren Blick auf das Spiel zu werfen. Unter anderem die Story, ein Bereich, in dem Zero Dawn brillierte. Lest also ein wenig mehr über Aloy, ob es noch Geheimnisse nach dem großen Twist gibt und warum die Maschinen-Dinos in Horizon: Forbidden West immer spektakulärer werden müssen. Unsere Gesprächspartner bei Guerilla Games waren Benjamin McCaw (Narrative Director) und Annie Kitain (Senior Writer).

Eurogamer: Jetzt gerade sind wir mitten in einer Pandemie und für nicht so wenige Leute fühlt sich gerade alles ein wenig nach der Endzeit an. In der Welt von Horizon endete es bereits alles. Fühlt sich das befreiend an, um eine Geschichte der Hoffnung zwischen den Ruinen zu erzählen?

Benjamin McCaw: Ich denke, dass Hoffnung ein Teil dieses Franchise ist. Einer der Gründe, warum mich das Franchise von Beginn an interessierte, ist das post-apokalyptische Setting. Im Grunde können wir Horizon auf vier Grundpfeiler runterbrechen: die wunderschöne Natur, die Megafauna in Form von Robotern, das Leben als Stammes-Jägerin und die Stämme selbst. Es ist diese Mischung, die sich als einnehmend herausstellte und davon ist es die Natur, die mich hoffnungsvoll stimmt. Es fühlt sich nie nach einer Terminator-Apokalypse an. Und Aloys Geschichte ist immer eine hoffnungsvolle, ob es nun um Hades im ersten Teil geht oder die Blight in Forbidden West. Deswegen mögen Leute auch den Charakter, sie repräsentiert in gewisser Weise eine Hoffnung für die Zukunft.

Ein wenig kitschig darf so ein Artwork schon mal sein, aber diese zu Horizon: Forbidden West trägt schon dick auf.

Eurogamer: Das ist der Vorteil, nehme ich an, dass ihr kein Zombie-Spiel machen müsst, in dem ihr eine noch schwermütigere Stimmung verbreitet.

Benjamin McCaw: Nun, ein wenig muss ich Zombies in Schutz nehmen, dafür spiele ich Back 4 Blood gerade viel zu gern. Ich habe also kein Problem damit Zombies zu erledigen. Aber für Horizon wollen wir ein Setting in der fernen Zukunft haben, in dem die Welt aus einem einzigen Samen neu geschaffen wird. Ich denke, dass dieser Gedanke etwas Positives und Hoffnungsvolles hat und das gehört hier einfach dazu, selbst wenn es sich um die Apokalypse dreht. Ich denke da an die Journal-Einträge, die die man findet, Geschichten über Liebe und Mut. Meine Favoriten sind die emotionalen Momente, zum Beispiel, wenn sie merken, dass das Ende naht. Das sind viele Momente des Spiels aus der Vergangenheit, wir wollen seine Gegenwart also positiv und aufbauend gestalten.

Eurogamer: Aloy wird oft als ein Charakter gelobt, weil man zu ihr einen Bezug haben kann, dass sie nicht den üblichen Archetypen entspricht und dass ihre Geschichte hoffnungsvoll sein soll. Gibt es also die Möglichkeit auch einmal die dunkleren Seiten ihrer Persönlichkeit zu ergründen?

Annie Kitain: Das steht im Zusammenhang mit ihrer Geschichte. Sie möchte dem Vorbild Elizabeths nacheifern und die großen Erwartungen, die in sie gestellt werden, erfüllen. Das ist ein Aspekt, auf den wir eingehen wollen, denn bis jetzt ist sie vor allem als großartiger Maschinen-Jäger bekannt. Sie geht auf epische Abenteuer und wir wollen auch ein wenig sehen, welche emotionalen Auswirkungen das für sie hat. Auch, wie sich all das auf ihre Beziehungen zu den anderen Charakteren auswirkt.

Benjamin McCaw: Wir werden Aloys dunkle Seite auch dann sehen, wenn sie auf Charaktere trifft, die ihre Macht in dieser Welt missbrauchen. Für diese Leute empfindet sie kein Mitgefühl. Auch reagiert sie nicht gut auf die, die sich hinter Traditionen und solchen Machtstrukturen verstecken, auch weil sie immer ein Außenseiter war. Das ist ein wichtiger Aspekt des Charakters.

Eurogamer: Nachdem im letzten Spiel sich bei der Erkundung viel darum gedreht hatte, wie diese Welt zustande kam und das auch aufgelöst wurde: Gibt es noch Geheimnisse aus der fernen Vergangenheit der Welt, die zu lüften sind? Solche Twists wie das Ende des ersten Teils blieben lange bei den Leuten hängen. Wie baut man darauf auf?

Benjamin McCaw: Ich erwähnte vorhin die Säulen des Franchise, habe aber eigentlich eine fünfte Säule vergessen: die Geheimnisse aus der alten Zeit. Uns war klar, dass wir hier in einer Fortsetzung da noch tiefer graben müssen und sicherstellen, dass es für den Spieler spannende Aspekte zu erkunden gibt. Es ist mitnichten so, dass in diesem Punkt bereits alles gesagt wurde und wir glauben, dass wir die Spieler, fast egal, was sie erwarten, erneut überraschen können.

Ihr werdet in Horizon: Forbidden West nicht alle fertigkeiten aus dem Vorgänger direkt parat haben, aber ekine Sorge, Aloy muss nicht alles neu lernen.

Annie Kitain: Im neuen Trailer hat man mehr von den Rebellen, von Aloys Freunden und der Blight erfahren, aber wir kratzen da nur ganz kurz an der Oberfläche dessen, was Forbidden West zu bieten hat.

Eurogamer: Was diese Geheimnisse angeht, war ich von den Bunkern im ersten Teil ein wenig enttäuscht und hatte mir mehr inhaltliche Substanz erwartet, mehr Einblicke in die alte Welt. Wie wird Forbidden West diesen Aspekt handhaben?

Benjamin McCaw: Nun, es ist ein Open World Spiel und wir wollen dem Spieler so viel Erkundungsmöglichkeiten geben, wie es geht. Es soll die Natur betonen, Bäume, Flüsse, Strände und dieses Mal auch viel unter Wasser. Der Spieler soll die Oberfläche der Welt erforschen und in Forbidden West wird er eigentlich nur dann in den Untergrund geschickt, wenn es inhaltlich einen triftigen Grund gibt, das zu tun.

Auch nach dem Twist des Vorgängers hat die Welt in Horizon: Forbidden West noch viele Geheimnisse parat.

Eurogamer: Die Handlung aus Zero Dawn wird fast direkt fortgesetzt, aber zum Ende dieses Spiels war Aloy ziemlich übermächtig. Wie geht ihr damit um? Verliert sie alle ihre Fertigkeiten? Wie sieht der Fortschritte im Spiel dann aus?

Benjamin McCaw: Nun, wir wollten ein Spiel für alle machen, nicht nur die Spieler, die Zero Dawn als Mega-Maschinen-Killer verlassen haben. Sicher, so möchten vielleicht viele in das nächste Spiel einsteigen und sie können, wenn sie Pros sind, gern den Schwierigkeitsgrad ganz nach oben schrauben, um einige der besten Kämpfe auf der PS zu erleben, die man aktuell haben kann. Man kann aber auch ganz entspann durchgehen, den Foto-Modus genießen und sich auf die Story konzentrieren. Spieler sollen dabei von null anfangen und neu überlegen, wie sie ihren Charakter aufbauen. Ja, wir haben ein wenig an Story, warum das im Spiel so ist, aber uns ging es hauptsächlich darum, den Spieler die Progression neu erleben zu lassen.

Annie Kitain: Aloy wird einige der Overrides aus dem ersten Spiel nach Forbidden West mitnehmen, aber insgesamt haben wir einen ganz neuen Fertigkeitenbaum, neue Outfits, Waffen und so weiter. Es ist nicht alles komplett neu, aber so viel, dass es sich auch für Veteranen frisch anfühlt und Spieler sich durch das Erlangen dieser Fertigkeiten neu belohnt fühlen.

Eurogamer: In Forbidden West wird es eine Vielzahl neuer Maschinen geben. Was ist der Grund für ihre Existenz, bedenkt man, dass sie alle von der gleichen KI stammen, die die Maschinenwesen baut?

Annie Kitain: Das Konzept dahinter begannen wir in Frozen Wilds tiefer zu erkunden. Die KI hinter dem Zero Dawn System möchte diese Wesen beschützen, damit sie ihre Funktion erfüllen können. Die Jäger auf der anderen Seite lernen diese Maschinen zu zerstören und so baut die KI neue Wesen, um sie besser zu schützen. Es ist ein eskalierendes Wettrüsten und so wird Aloy in Forbidden West auf viele neue Bedrohungen stoßen.

Natürlich müssen die Maschinen besser werden. Aloy wird es schließlich auch.

Eurogamer: Wie es mit der Haupthandlungslinie aus? Gibt es Momente, in denen die Entscheidungen des Spielers diese grundlegend verändern?

Benjamin McCaw: Nun, erst einmal ist es ein Open World Spiel, das heißt man ist grundsätzlich recht frei in dem, was man tut. Ihr könnt entscheiden, was ihr erkundet, welche Nebenquests ihr macht und so weiter. Wir schauen aber auch welche Art von moralischem Kompasse der Charakter von Aloy folgt und wir wollen im Rahmen dessen bleiben. Das hielt uns auch davon ab so weit zu gehen, wie man das bei Fallout und in einem gewissen Rahmen zum Beispiel bei Witcher tun kann. Es wird keine Entscheidungen geben, die sich komplett außerhalb von Aloys Natur bewegen.

Annie Kitain: Aber es gibt eine Reihe von netten Momenten, in denen sich die Handlungen verzweigen wird. Es sind auch große Entscheidungen und ich denke, dass sie den Spielern gefallen werden. Diese gehen auch über den Level der Entscheidungen im ersten Teil hinaus, allerdings nicht auf dem Level, dass man ein anderes Ende bekommt. Es gibt eine zugrundeliegende Geschichte, die zu einem sehr spezifischen, emotionalen Ende kommt und das sollen alle Spieler auch so erleben können.

Eurogamer: Was an Zero Dawn wirklich beeindruckte, war die Welt und die große Story-Linie, aber die NPCs drumherum fühlten sich nicht immer besonders tiefgründig entwickelt an und dienten vorrangig dazu, diese Welt vorzustellen und weniger, um persönliche Geschichten einzubringen. Werden sich die neuen Quest-Reihen in Forbidden West dem annahmen?

Annie Kitain: Absolut, das ist ein wichtiger Aspekt in dieser Fortsetzung. Wir nehmen uns mehr Zeit für Aloys Begleiter und die emotionalen Verbindungen zu ihnen. Im Laufe der Reise sollte ihr mit diesen Charakteren mehr Zeit verbringen, etwas über sie erfahren und ihre Geschichten kennenlernen. Ihr sollt ihr Leben, ihre Stämme und ihre Ideen kennenlernen und so eine Verbindung zu ihnen aufbauen können.

Aloy und ihren Freunden steht in Horizon: Forbidden West eine hoffentlich wirklich denkwürdige Reie bevor.

Eurogamer: Um noch einmal auf Aloy zurückzukommen, im ersten Teil fand die komplette Entwicklung des Charakters entweder ganz zum Anfang in ihrer Kindheit statt oder dann ganz zum Schluss, wenn sie erfährt, wer sie ist. Dazwischen passierte nicht viel. Ausgehend davon, gibt es neue Facetten an Aloy, die im Lauf der Reise erkundet werden?

Annie Kitain: Ja, denn zum einen will sie nun dem Vorbild ihrer genetischen Mutter folgen und ist gleichzeitig mit der Bedrohung durch die Blight konfrontiert, die die ganze Welt verschlingen könnte. All das setzt Aloy unter unglaublichen Druck, der sich auch auf die Beziehungen zu den anderen Charakteren auswirkt. Es ist definitiv eines der Schlüsselmotive in dem Spiel und diese Entwicklung, wie sie mit diesem Druck und den Erwartungen umgeht, wird den Spieler den Weg durch Forbidden West hindurch begleiten.


Weitere Gedanken zu Aloy und ihrer Entwicklung seit Zero Dawn findet ihr hier: So stark entwickelt sich Aloy in Horizon Forbidden West weiter - äußerlich und innerlich!

Über den Autor

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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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