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Hotel Dusk: Room 215

From Dusk till Dawn

Nach dem Boom der 90iger Jahre sind Detektivgeschichten mit Mysteryeinschlag immer seltener geworden, uUnd mittlerweile in der Masse der CSI & CIS-Klone völlig untergegangen. Um so schöner, dass sich ein Vertreter des Genres zumindest auf das Nintendo DS retten konnte. Das Adventure Hotel Dusk: Room 215 stammt vom selben Team wie Another Code. Aber statt der farbig-bunten Hatz auf den eigenen Vater gibt’s diesmal eine düstere Schnüfflerstory, die allerdings vom Spieler einiges an Geduld verlangt. Da ich von Natur aus stoisch bin, kann mich das nicht schrecken, weshalb ich ins Hotel Dusk eingecheckt und eine als Lohn ganz besondere Nacht erlebt habe.

Virtueller Roman

Dass Hotel Dusk anders ist als die meisten anderen Spiele, merkt man schon direkt nach dem Einschalten. Denn das DS wird (wie bei Doktor Kawashima) senkrecht wie ein Buch gehalten, wobei die Steuerung für Links- und Rechtshänder frei konfigurierbar ist. Der Vergleich mit dem Buch kommt nicht von ungefähr: Wer einen Faible für Schmöker besitzt, wird wahrscheinlich auch das Spiel mögen.

Finden wir uns erstmal in die Rolle ein: Mein Name ist Kyle Hyde. Ich habe vor drei Jahren meinen Partner Bradley im Dienst erschossen, glaube aber trotzdem noch, dass er lebt und arbeite heute, das heißt 1979, als Handelsvertreter. Ins Hotel Dusk bin ich gekommen, um für einen Kunden zwei spezielle Gegenstände zu besorgen. Doch schon beim Einchecken merke ich schnell, dass etwas nicht stimmt: Der Hotelbesitzer ist sich sicher, dass ich vor einem halben Jahr schon mal da war. Der Hotelboy ist ein Kleinkrimineller aus meiner Vergangenheit, der mehr über meinen Ex-Partner weiß, als er zugeben will. Und dann ist da noch dieses hübsche Mädchen Mila, das hilflos auf der Straße aufgefunden wurde. Ach ja, als Mystery-Sahnehäubchen obendrauf: Im Hotel soll es spuken und der Raum, in dem ich übernachte (eben besagte Nummer 215) erfüllt angeblich Wünsche. Mehr als genug Stoff, um die erste Neugierde zu wecken, den seltsamen Vorkommnissen im Hotel Dusk auf die Schliche zu kommen.

Stil mit Stylus

Per Stylus bewegt man den roten Pfeil, gleichzeitig ändert sich die 3D-Sicht links.

Nach einer etwas langatmigen Einleitung kann ich endlich selbst die Kontrolle übernehmen. Per Stylus bewege ich mein Alter Ego über eine 2D-Karte auf dem rechten Bildschirm, während ich die Bewegung in 3D auf dem linken Screen beobachte. Lohnt etwas der näheren Betrachtung, reicht ein Klick auf das blinkende Icon und die 2D-Karte weicht der herangezoomten 3D-Ansicht. Ähnlich funktioniert es, wenn ich einem der rund ein Dutzend verschiedenen Charaktere begegne, die ebenfalls im Hotel abgestiegen sind oder hier arbeiten. Die sind quasi das Salz in der Hotel Dusk-Suppe. Beim ersten Mal erschrickt man noch, wenn plötzlich ein schwarz-weiß in 2D gezeichnetes Gesicht auftaucht. Doch schnell entpuppen sich die Gespräche mit den sehr schön animierten Bleistiftzeichnungen als treibendes Element im Adventure.

Jeder besitzt eine eigene Geschichte, jeder hat etwas zu verbergen. Sei es die alte Dame mit Augenklappe, die unbedingt mein Zimmer haben wollte oder der Vater, der selbst seiner eigenen Tochter unheimlich ist. Und was will der geschwätzige Schriftsteller? Mitunter dauern diese Gespräche jedoch locker schon mal ein gutes Viertelstündchen, in denen man manchmal auch nur Banalitäten erfährt. Ab und an kann man per Multiple-Choice Fragen auswählen, die man den Leuten stellt. Wird man dabei zu ruppig, blitzt es rot über den Bildschirm. Verägert man gar eine der wichtigen Personen zu stark, kann es das Aus bedeuten. Dann muss man die letzte vermasselte Szene noch einmal spielen.

Ab und an lohnt es sich im Inventar zu stöbern.

Es wird aber nicht nur viel geredet, natürlich fehlen auch klassische Adventureelemente nicht. Wie bei Another Code sind die Rätsel sehr auf die Eigenheiten des Nintendo DS ausgelegt, vor allem auf den Sylus. So bastle ich Puzzles zusammen und überlege mir, wie ich sie umdrehen kann, ohne sie zu zerstören. Oder ich entschlüssle einen Code, indem ich die richtigen Punkte auf dem Bildschirm per Stift verbinde. Dabei ist ab und an auch Geschick nötig. Etwa, wenn ich ein Brecheisen unter einen Aktenschrank schiebe und ich beim Anheben aufpassen muss, dass der Schrank von zu viel Schwung nicht umkippt und so den Hotelbesitzer alarmiert. Allerdings zeigen sich gerade im Rätselteil ein paar Unschönheiten. So lassen sich manche Gegenstände erst aufnehmen, wenn ich zuvor eine bestimmte andere Aktion ausgeführt habe. Das gehört zu den Kardinalfehlern im Adventurebereich und sollte heute nirgendwo mehr auftauchen. Darüber hinaus gibt es nur sehr wenig echte Rätsel. Meist läuft man nur durchs Hotel (wunderbar hilfreich dabei: die einblendbare Karte), redet mit Gott und der Welt und erschließe so nach und nach die sehr vielschichtige Story.

2D mit Tiefe

Optisch finden sich jede Menge verwaschene, aber eben DS-typische Texturen, die gegenüber der hohen Qualität der gezeichneten Gesichter deutlich abfallen. Letztere sind zudem sehr gut animiert und verleihen den Charakteren Tiefe und Leben. Sprachausgabe gibt es nicht, dafür wurden die Texte fehlerfrei eingedeutscht. Das geschriebene Wort erreicht aber bei weitem nicht das Niveau von Dialogen aus Film und Fernsehen. Hier hätte ein Profi mit TV-Erfahrung noch einiges optimieren können. Speichern darf man außerhalb der langen Gespräche fast immer, was allerdings auch dringend nötig ist. Denn manchmal führt eine einzige falsche Frage zum verfrühten Game over. Wer aber oft den Spielstand sichert, lässt sich davon nicht abschrecken.

Hotel Dusk ist eins der wenigen Spiele fürs DS, das sich ausschließlich an Erwachsene wendet. Deshalb sind lange Dialoge an sich auch nichts Böses. Allerdings hätte man einige Szenen problemlos um die Hälfte kürzen können, ohne irgendetwas von Inhalt oder Stil einbüßen zu müssen. Zudem kommt die Story nur sehr langsam in Fahrt. Geduldige Menschen wie ich werden den Entwicklern diesen Schnitzer verzeihen, betrachte ich es eher als interaktiven Roman, denn als echtes Spiel. Aber auch hier hätte ein Blick auf die ehernen Regeln der Erzählkunst Hollywoods gereicht, um zu erkennen, dass jede Story einen guten und frühen Aufhänger braucht. Wer sich da durchwurschtelt, bekommt ein sehr atmosphärisches Adventure, das man mehr liest und genießt, als es wirklich zu „spielen“. Denn dazu ist die Zahl der Rätsel und Aufgaben viel zu gering. Trotzdem würde ich mich freuen, mehr Spiele aus diesem Genre demnächst auf meinem Touchscreen zu finden – mit ein bisschen mehr Spiel und gestrafften Dialogen. Dennoch: Derzeit ist Hotel Dusk praktisch konkurrenzlos. Wer also eine gute Story zu schätzen weiß, sollte unbedingt zugreifen.

Das Hotel Dusk hat seine Pforten bereits geöffnet.

7 / 10

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