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Kolumne: Das Casual-Problem

Gibt es das überhaupt?

Haben wir ein Problem? Echte Gamer scheinen sich einig zu sein: Casual Games sind ein Großes; mit der Wii als trojanischem Pferd, mit all den Müttern und Omis, die wir jahrelang von unserem Hobby überzeugen wollten, und die nun mit Gehirntraining und Wii Fit die Konsolen blockieren. Verdummung, Verkürzung und Vereinfachung blühen überall. Jedes große Spielstudio gründet sein eigenes Casual-Label. PopCap ist bald größer als EA.

Die neue Lässigkeit führt bei Hardcore-Spielern zu Krämpfen. Casual Games sind schuld, dass keine Ego-Shooter auf der Wii landen, dass LIVE Arcade voller minderwertiger Spiele ist, und dass viele aktuelle Titel auch von fünfjährigen Kindern in wenigen Stunden durchgespielt werden können. Selbst Ninja Gaiden wird einsteigerfreundlicher.

Auf den ersten Blick ist die Misere leicht zu erkennen, und wir können uns alle darüber aufregen. Wenn das Geld in Zukunft Richtung Bejeweled fließt, werden weniger BioShocks, Final Fantasys und Virtua Fighters produziert. Die langen Singleplayerspiele von früher werden zu teuer und werfen zu wenig Profit ab. Außerdem soll ein möglichst hoher Prozentsatz der Spieler bis zum Abspann kommen. Also werden auch die klassischen Genres vom Casual-Trend erfasst. Beyond Good & Evil 2 soll zum Beispiel noch leichter werden als der erste Teil. Far Cry 2 kann man auf der leichtesten Schwierigkeit einhändig spielen.

Ist Far Cry 2 auch casual?

Aber gibt es das Problem wirklich? Je genauer ich hinschaue, desto weniger erkenne ich. Was soll „Casual“ überhaupt heißen?

Was ist Casual?

Mit wörtlichen Übersetzungen kommt man nicht weit: Entweder gelegentlich oder lässig, in jedem Fall aber zwanglos und entspannt, womöglich beiläufig (also während man telefoniert oder spült) sind entweder die Casual-Games, oder die Casual-Gamer. Dass oft als Gegenteil „Hardcore“ auftaucht, macht die Sache nicht leichter. „Hardcore“ ist wörtlich, wer zum harten oder festen Kern gehört. Ob man dabei nicht entspannt oder lässig sein darf, weiß ich nicht.

Auf der GDC '08 hat sich jemand die Casual-Frage gestellt, der sich damit auskennen sollte. John Welch ist Chef von PlayFirst und schlägt als Definition vor, Casual-Games seien einsteigerfreundlich, intuitiv zu verstehen und leicht zugänglich. Das klingt greifbar. Aber wenn Casual nur so wenig heißt, können wir den Begriff auch gleich abschaffen. Ist ein Point & Click-Adventure Casual? Diablo? Mario Galaxy? Viele Spiele, die nicht unter Casual-Verdacht stehen, erfüllen Welchs Kriterien.

Eine Sache hat Welch nicht erwähnt: Sobald jemand „Casual“ sagt, ist die Stimmung angespannt. Für viele Firmenbosse ist Casual der Heilige Gral, für die meisten Gamer ein Schimpfwort. Casual ist für den harten Kern nicht einfach einsteigerfreundlich, sondern bleibt ein Nichtschwimmerbecken, fordert nie besonders, ist nie ausgefeilt oder raffiniert.

Sobald ein Entwickler verkündet, sein nächstes Spiel sei einsteigerfreundlich, reagieren viele mit Skepsis. Und wer „Casual“ in den Mund nimmt, provoziert Stichflammen in jedem Forum und in jeder Kommentarspalte.

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