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Legos Skywalker Saga gibt mir beinahe den Glauben an Star Wars zurück

Eine doppelte Zeitreise.

Bevor ihr direkt runter zu den Kommentaren scrollt und mich darauf hinweist: Ich weiß! Hemmungslos glattgebügelte Lizenzprodukte wie dieses hier sind Teil des Problems, das Star Wars gerade plagt wie wenige andere Popkultur-Juwelen. Sie sind nur ein weiterer Weg, der Community mit Fan-Service so viel Geld wie möglich aus den Taschen zu ziehen und damit einer der Gründe, warum die meisten neuen Beiträge zu diesem Filmuniversum sich so Checklisten-mäßig und leblos anfühlen. Wisst ihr noch, wie das mit Boba war? Ich weiß noch, wie das mit Boba war war…

Das Problem ist, dass Lego Star Wars – aller bedenklichen Meldungen über das Arbeitsklima bei TT Games zum Trotz – ein wahnsinnig unschuldig wirkendes und charmantes Spiel geworden ist, das mich gleich auf mehrere Arten in meine Kindheit zurückversetzt. Zugegebenermaßen hilft es, dass ich seit acht Jahren keines dieser Spiele mehr angefasst habe. Aber ich hatte seit buchstäblichen Jahrzehnten nicht mehr so viel Spaß mit Star Wars wie hiermit. Das schöne Star Wars Squadron mal ausgenommen, stimmte für mich an jedem Film, jeder Serie oder jedem Spiel irgendetwas nicht. Ich degradierte alles zu zweitklassiger Fan-Fiction, denn so kam es mir vor. Und während ich The Force Awakens als Ritt seinerzeit sehr mochte, hasste ich, wohin die Reise letztlich ging.

Fast noch ikonischer als das Original.

Lego Star Wars - Die Skywalker Saga erinnert mich hingegen mühelos daran, was ich an den ersten Filmen so liebte und ich hatte nicht zu hoffen geahnt, dass das noch möglich ist. Es blickt aus seiner gewohnten, parodistischen Ecke auf liebgewonnene – und ja auch auf doofe – Szenen und bricht mit seinem Slapstick und unerwarteten Randgags regelmäßig mit meinen Erwartungen. Es spielt mit dem Material, erinnert sich daran, dass Lucas und Konsorten mal Spaß an diesem Universum hatten, es nicht zu ernst nahmen. TT Games’ geht mit derselben hoffnungsvollen Blauäugigkeit an den Stoff heran, wie die Macher der ersten Trilogie, bevor es dann mit der Zweiten ins Wichtigtuerisch-Einfältige umschlug.

Bei allen minutiös eingebetteten Referenzen an die alten Filme schöpften die neueren Streifen und TV-Produktionen meine Nostalgie nie so erfolgreich ab, wie das nun dieser putzigen Spielzeugkistenversion von Star Wars gelingt. Ich sollte TT Games nicht dafür dankbar sein, dass sie einen Weg gefunden haben, an mir doch noch potenziell Geld mit Star Wars zu verdienen, bin es aber trotzdem. Diesen Welten habe ich viel zu verdanken, und freue mich, ohne “Ja, aber” im Hinterkopf zu ihnen zurückzukehren.

Und ja, ich weiß, dass ich auch noch durch die Prequels durchmuss, aber wenn einer die bleierne Schwere dieser Filme abstreifen kann, dann sind es TT Games.

Aber ich sprach ja von “mehreren Arten”, auf die mich Lego Star Wars in meine Jugend zurücktransportiert und das war jetzt erst eine. Das andere Ding, was der Skywalker-Saga so richtig gut gelingt, ist der Transport zurück zur Zeit der Videospiele meiner Kindheit. Spiele zu Filmen, die sich drumherum drückten, eine Erklärung dafür zu liefern, warum Luke in Level eins mit dem Blaster auf Riesenskorpione und Flugechsen ballert. Solche Sachen. Games mit Lizenzrahmen, die entschieden anders verliefen als im Kino oder TV gesehen. Wir liebten sie auch, weil sie uns überraschten, weil von einem Moment auf den anderen alles Mögliche (und Unmögliche) passieren konnte.

Auch die Skywalker Saga ist so unverfroren froh darüber, ein Videospiel uns nichts anderes zu sein, wie man es heute bei Großproduktionen mit mehreren “A” noch selten erlebt. Es ist ihm wichtiger, das Interesse an seinen einfachen Systemen durch eine stete Rotation von Figuren, Schauplätzen und Interaktionen konstant hochzuhalten, während man ebenso absurde wie sinnlose Highscores anhäuft (okay, in der Skywalker Saga ist's Währung, erinnert in der Präsentation aber an den Punktestand alter Games). In der Form habe ich das schon lange nicht mehr erlebt. So angestaubt und “Neunziger” dieser Ansatz doch ist: Er funktioniert auch heute noch und wie es aussieht, habe ich ihn vermisst.

Ich werde die ersten drei 'Filme' in der Skywalker Saga dennoch so weit wie möglich auskosten.

Da wären wir also – mit der dezent verstörenden Erkenntnis, dass ich gegen gut gemachte Nostalgie eben doch nicht komplett immun bin. Ich würde nicht so weit gehen, wegen dieses Spiels die Rettung dieses speziellen Sci-Fantasy-Universums auszurufen. Aber es ist schön, zu spüren, dass da noch etwas ist, zwischen mir und Star Wars, das noch nicht komplett zynisch verknöchert ist.

Über den Autor

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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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