Wenn du auf einen Link klickst und etwas kaufst, können wir eine kleine Provision erhalten. Zu unseren Richtlinien.

Lenovo Thinkpad X1 Extreme - Weil das Leben mehr als nur Arbeit ist

Lenovos Thinkpads haben einen fast schon legendären Ruf als die Arbeitstiere der Laptop-Welt. Verfügbar in allen Größen und Preislagen, ausgestattet mit den vielleicht besten Tastaturen, die je den Weg eines Laptops kreuzten, nach Militärstandards auf Haltbarkeit getestet, sind sie die Könige der PowerPoint-Präsentationen überall auf dem Globus. Speziell die X-Serie steht dabei für geringes Gewicht bei gleichzeitig maximaler Leistung, die idealen Begleiter, wenn es auf jedes Gramm ankommt und die Reisen auch so schon anstrengend genug sind. Nur in einem Bereich hatten die Thinkpads, ob nun als X oder anders, nichts zu melden: Gaming.

Logisch, wenn ein Laptop auf Desktop-Funktionalität ausgelegt ist, auf eine Tatstatur, auf der man Anschlag-Rekorde aufstellen kann, eine Architektur, die jedes bisschen Strom für lange Laufzeit konserviert, dann ist eine Gaming-Grafikkarte jetzt nicht das erste Accessoire, was einem bei den Bausteinen in den Sinn kommt. Aber was wäre wenn... dachte man sich bei Lenovo und baute das Thinkpad X1 Extreme.

Das Video zeigt zwar nicht, was genau die Technik zu bieten hat, aber die Idee hinter dem X1 Extreme wird schnell klar.

X1 Extreme - Ein echtes Thinkpad!

Das X1 Extreme ist in seinem Herzen ein echtes Thinkpad. Die schlichte Form, die matte, leicht raue Oberfläche in klassisch Schwarz, kein Leuchten außer dem vertrauten, roten Thinkpad-Pünktchen. Nichts an diesem Gerät sagt, dass es was anderes sei als eines der schönsten Arbeitstiere auf dem Markt.

Das ändert sich nicht grundlegend, sobald man den X1 Extreme aufklappt. Die Tastatur mit dem charakteristischen roten Knubbel zwischen G, H und B, das klassische Layout ohne numerischen Block, aber mit Cursor-Block und Positionierungs-Tasten, das große Touch-Pad mit seinen darüber liegenden physischen Tasten als Bonus. Ja, keine Frage, das hier ist ein Thinkpad, wie man es kennt. Aber dieses Video zeigt, was der Gedanke hinter der Schlichtheit ist:

Es ist praktisch ein Stealth-Gaming-Laptop.

Gaming-Wolf im Arbeiter-Schafspelz, wobei das dem X1 an sich schon ein wenig Unrecht tut: Die meisten Gaming-Geräte - und auch alle anderen Laptops - träumen davon, eine solche Tastatur zu haben. Es ist kein mechanisches Set, wie es die großen Gaming-Serien, auch zum Beispiel der Lenovo Legion Y920, verbaut haben, aber der Anschlagpunkt, der Hub, der Widerstand, all das ist perfekt, sofern ihr auf den langen Weg eines mechanischen Keys verzichten könnt. Zum Tippen wie auch zum Spielen gibt es nur wenige Keyboards, die hier mithalten können.


1,9 Kilo, mit alles, bitte!

Bevor es unter die Haube geht, erst noch einmal ein Blick um das Gerät herum. Keyboard und Touchpad sind abgehakt und für gut befunden, daneben gibt es einen sehr zuverlässigen Fingerabdrucksensor. Auf der linken Seite beginnt es bei den Anschlüssen mit einem Netzanschluss, dann geht es weiter mit gleich zwei USB-C-Thunderbolt-3-Anschlüssen und einem vollwertigen HDMI-2.0-Port. Darauf folgt ein neuer ix-Netzwerkanschluss mit 1 GB und ein 3,5mm-Audio-Ein- und Ausgang. Dank der Thunderbolts und dem HDMI-Port können inklusive des eigenen Monitors bis zu vier Monitore unabhängig voneinander gesteuert oder das Display entsprechend erweitert werden. Auf der rechten Seite gibt es zwei USB-3.0-Ports klassischer Art für alle Lebenslagen und je nach Ausstattung des Geräts einen SD- und Chipkartenleser.

Unter der Haube setzt das X1 Extreme auf die bewährte Intel-Nvidia-Kombo.

Die Ausstattung variiert natürlich, je nachdem, was man in das eigene X1 Extreme investiert, aber erst einmal das, was alle Versionen miteinander vereint: Die praktisch perfekte Verarbeitung. Das mit 1,9 Kilo für ein Gerät dieser Ausstattung und Größe sehr leichte Gerät zeigt, dass es nicht immer Alu sein muss. Thinkpads waren schon auf dem Mount Everest, in Tiefsee-U-Booten und sogar in der Erdumlaufbahn unterwegs und es fällt beim Anfassen des X1 Extreme nicht schwer zu glauben, dass dieses Gerät das alles wegstecken kann. Es gibt kein Spiel bei dem um 180 Grad aufklappbaren Display, nicht bei der Tastatur, dieses Gerät wirkt wie für die Ewigkeit gemacht. Gut also, dass das Design zeitlos schlicht ausfiel.

Oben (rechts): Chipcard, SD, 2 mal USB. Unten (links): Strom, 2 mal USB-C / Thunderbolt, HDMI, Mini-LAN und Audio.
Die Kühlung ist effektiv und leise genug auch unter Last.

Das Display ist grundsätzlich 15,6 Zoll groß, deutlich größer also als das eines X1 Carbon zum Beispiel. Touch wird optional angeboten, so wie auch 4K-Auflösung mit einem IPS-LED-Backlit-Panel. Die normale Version ist ein 1080p-IPS-Panel. Während dieses auf 300 cd/m² Leuchtkraft mit 72% NTSC-Farbraumabdeckung kommt, liegt das 4K-Display bei 400 cd/m² und außerordentlichen 100%-Adobe-Farbraum mit 10-Bit-Farbtiefe.

Der Speicher geht bei 8 GB los, lässt sich aber bis auf 64 GB PC3-21300 2666MHz aufstocken. Da dies eine echte Photoshop- wie auch Gamer-Ausstattung in Sachen Speicher ist, darf der Massenspeicher dabei natürlich nicht schwächeln. Minimal ist eine 256-GB-SSD verbaut, das lässt sich aber auf bis zu zwei (!) 1-TB-SSD-Platten aufstocken. Wenn das nicht reicht, es gibt ja noch den SD-Karten-Port...

Das 4K-Touch-Display ist auch für die Stylus-Stifte geeignet.

Beim Prozessor setzen die X1 Extreme auf Intel-Chips, angefangen beim i5-8300H (8 MB Cache, bis 4,00 GHz) und dann geht es hoch bis zum i7-8850H (9 MB Cache, bis 4,30 GHz). Erneut, hier ist man an dem Punkt, wo High-Performance-Programme sich wohlfühlen und eigentlich auch Spiele auf ihre Kosten kommen, wenn da nicht noch eine Sache fehlen würde... richtig, die Grafikkarte! Die X1 Extreme haben grundsätzlich eine Nvidia GeForce GTX 1050 Ti Max-Q mit 4 GB GDDR5 verbaut. Alternativen dazu gibt es nicht.


X1 Extreme + GTX 1050 Ti = Leistung für modernes Gaming

Die GTX 1050 Ti Max-Q, da muss man ehrlich sein, ist jetzt nicht das, was des Gamers Herz vor Freude springen lässt. Und ja, Geräte wie der Lenovo Legion haben auch mehr verbaut, im Y920 steckt zum Beispiel eine GTX 1070. Aber die wiegen auch deutlich mehr, der Akku ist anders optimiert und am Ende des Tages ist der X1 Extreme eben kein Gaming-Rechner, sondern ein Workhorse mit Gaming-Möglichkeiten. Und diese sind nicht klein, denn auch wenn die 1050 Ti nicht das Ende der Fahnenstange ist, sie ist sicher kein Schwächling. Wie genau sie sich im X1 Extreme schlägt, dazu hier ein paar Versuche am lebenden Objekt.

Für diese Tests stand ein X1 Extreme mit 4K-Display, i7 8750H, 16 GB 2666er RAM und natürlich der 1050 Ti zur Verfügung, eine Kombination, die preislich bei etwa 2.800 Euro liegt. Dabei muss man gleich sagen, dass das 4K-Display hier nicht mit Gaming im Hinterkopf verbaut wurde. Es gibt Leute, die brauchen eine solche Pixeldichte bei der Arbeit oder ihr spielt einen 4K-Film ab, was bei der Hardware auch ohne die geringsten Probleme funktioniert. Aber 4K-Gaming? Sagen wir es mal so: 3DMarks Time Traveller Extreme machte mit etwa 6 Frames klar, was der X1 Extreme von solchen durch und durch unrealistischen Anforderungen hält.

Wenn ihr aber das echte Leben startet, dann zeigt sich, dass Nvidias 1050 Ti einen fantastischen Kompromiss aus Energieverwaltung und Leistung darstellt. Startet ihr zum Beispiel das neue Just Cause 4, ein Spiel, das von schnellen Bewegungen über weite Entfernungen in einer riesigen Welt lebt, dann zeigt sich schnell, was beim X1 Extreme unter der Haube steckt. 60 Frames sind auf mittleren Details mit ein paar Bonus-Schaltern auf höher zu halten. Auf Ultra mit ein paar kleinen Abstrichen in den Optionen sind es dann die 30 Frames, womit das Spiel so gut wie auf Konsolen läuft, aber das weit schöner.

Auch ein Battlefield V oder ein Rainbow Six Siege sind kein Problem und das sogar mit 60 Hz. Natürlich nicht in den höchsten Einstellungen, aber das sind halt die Kompromisse, die man dann machen muss. Aber ja, spielbar mit Freude und Zerstörung in Schönheit und ohne Lags und Stottern war keine Frage. Wie schön Witcher 3 auch nach Jahren noch ist, das weiß man immer erst, wenn man CD Projects Epos wieder mal startet und es selbst sieht. Dann sieht man auch, dass dieses Spiel modernste Hardware nach wie vor fordern kann. Auf 1080p und Ultra-Einstellungen waren die 30 Frames nur knapp zu halten und ein paar Dinge wie Hairworks mussten ein wenig runtergeschraubt werden. Die 60 Frames waren nur auf Mittel mit ein paar Extras on top zu erreichen, aber das Ziel der GTX 1050 Ti Max-Q, Spiele in 1080p besser als auf der Konsole aussehen zu lassen, wird erreicht.

Fortnite, Diablo, WoW, all diese Spiele laufen völlig problemlos in sinnvollen Auflösungen wie 1080p oder WQHD, aber selbst ältere Titel in 4K bringen die Grafikhardware dann doch an die Grenzen. Sogar ein Civilization 6, das in WQHD rennt, kommt hier deutlich ins Stottern. Ein Blick auf Shadow of the Tomb Raider zeigt dann wieder, dass 1080p eine Auflösung ist, in der sich diese GPU viel wohler fühlt und höchste Einstellungen und 30 Frames eine sehr hübsche Kombination in diesem Dschungel-Abenteuer sind.

Die Akkulaufzeit ist bei dem geringen Gewicht im Vergleich zu der Leistung natürlich nicht gerade beeindruckend: Bei aufwändigem 3D-Gaming wie diesen Titeln ist nach etwa einer Dreiviertelstunde Schluss, wenn das X1 Extreme nur auf seine Batterie angewiesen ist. Bei 2D-Indies sieht es besser aus, drei Stunden sollten schon gehen und im Desktop-Betrieb sind es sieben bis neun, je nachdem, wie rechenintensiv man es angehen lässt. Dann bleibt der Lüfter auch weitestgehend leise, weil das Gerät kühl bleibt, aber in 3D wird das X1 Extreme durchaus hörbar. Nicht zu schlimm, um die 50 dB und das mit einem recht tiefen Surren, keinem schrillen Pfeifen. Die soliden internen Lautsprecher können das leicht übertönen, sind jetzt nicht gerade HiFi-zertifiziert, aber für YouTube oder ein Spiel reicht es im Fall der Fälle allemal und mit Würde. Ansonsten lassen sich natürlich Headsets einstecken oder mit Bluetooth verbinden.

So viel Qualität schlägt sich natürlich im Preis wieder. Es geht bei etwa 1.900 Euro los, dafür bekommt man dann den i5 mit 1080p-Display, 256-GB-Platte und 8 GB RAM. Das andere Ende mit dem großen i7, den zwei 1-TB-SSD-Platten, 64 GB RAM und 4K-Touch-Display schlägt mit ungefähr 4.500 Euro zu Buche. Die "sinnvolle" Mitte mit einem i7-8750H, 16 GB DD4 2666, einer kleinen und einer 512er-Platte und dem 1080p-Display, da liegt man bei ungefähr 2.500 Euro, für 350 Euro mehr gibt es dann noch das 4K-Touch-Display dazu.


Lenovo Thinkpad X1 Extreme: Power! for a price...

Mehr zum Lenovo ThinkPad X1 Extreme (Website Lenovo)

Lenovo ThinkPad X1 Extreme bestellen (Amazon.de)

Damit ist das X1 Extreme sicher kein Schnäppchen, aber das ist auch nicht sein Ziel. Leistung und Verarbeitung sind die eines der besten Arbeitsgeräte, das man für Geld kaufen kann. Und dann kann man eben noch würdig ein wenig - viele, viele Stunden - ohne große Kompromisse spielen. Das macht das X1 Extreme zum Äquivalent eines AMG-E-Klasse-Kombi, bei dem auf die Spoiler und Aufkleber verzichtet wurde. Es ist ein perfektes Arbeitsauto für alle Lebenslagen und auch wenn man damit noch keinen Porsche abhängt: Man kann jede Menge Spaß haben. Wenn man bereit ist, den Preis für diesen Luxus zu bezahlen.

Ein Laptop, der eigentlich einen eigenen Boss-Key gebraucht hätte. Kennt das noch jemand? Boss-Key? Gibt es das heute noch? Wenn nicht, für den X1 Extreme sollte er wieder eingeführt werden.
Tags:
Über den Autor

Eurogamer-Team

Contributor

Kommentare