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Let´s roast Gran Turismo!

Eine kleine Laudatio. In gewisser Weise.

Wahrscheinlich habt ihr inzwischen euer Exemplar von Gran Turismo 5 in der Hand und schaut auf den Installations-Screen. Man, können 50 Minuten lang werden. Um euch nicht mit einer Aufzählung all der ebenso unbestreitbaren wie vielzähligen und vor allem wohlbekannten Vorzüge der Serie zu langweilen, greife ich einfach mal zur US-Tradition eines guten, alten „Roastings". Dieses eigenwillige Festbankett ist eine der höchsten Ehren, die man als Celebrity erfahren kann, was auf den ersten Blick ein wenig erstaunen mag, schließlich wird der so Geehrte nicht nur gepriesen, sondern teilweise wild beleidigt, verspottet und alle seine dunklen Seiten auf liebevolle Weise ans Licht gezerrt. Das Ganze passiert jedoch im Kreis von Freunden und so kann sich das „Opfer" trotz aller Häme der uneingeschränkten Bewunderung und Zuneigung sicher sein. Und anschließend genauso liebevoll den Spott zurückreichen. Was Gran Turismo 5 dann gerne durch Perfektion auch tun kann.

Also, lasst uns rösten. Einzeln. Aber nur die "richtigen" Spiele. Keine Prologues und Demos. Also, liebe Gran Turismos, ich mag euch alle auf die eine oder andere Weise. Und jetzt seid ihr dran!

Gran Turismo (PSone, 1997)

13 Jahre ist es her und es kommt mir vor wie gestern, als ich mit einem 28k-Modem in einer Wüste von Semi-BTX-Porn-Texten – einfachere Zeiten waren das, Kinder – einen suchte, der nicht japanischen Porn, sondern die japanischen Führerschein-Prüfungen von Gran Turismo beschrieb und das dazu noch mit dem Schlagwort „Play" im Kontext. So wie in Playstation.

Wow, ich sag euch, da machten einige wilde Fetische die Runde. Anscheinend gibt es für alles Uniformen und Begehrlichkeiten. Aber irgendwann kapierte ich endlich, dass ich in diesem offensichtlich einmaligen und großartigen Rennspiel erst wieder was tun kann, wenn mich durch die bockschweren Prüfungen kämpfte. Na super, damals war meine echte Prüfung gerade erst nach ein paar psychologischen Sitzungen verkraftet und jetzt wiederholt sich das Ganze virtuell. Wenigstens gab es in Gran Turismo keinen grünen Pfeil. Abzüge in der Realismus-Note, Aufschlag in der Sympathie-Note.

Das wahre Highlight dieses Games war jedoch, dass man – im Gegensatz zu späteren GTs – mit jedem Auto jedes Rennen fahren konnte. Noch dazu gab es keinerlei Schaden, egal wie sehr man wo gegendotzte. Nicht nur, dass man Autoscooter mit 200 km/h spielen konnte, die 200 km/h waren auch das untere Limit. Statt vernünftig fahren zu lernen, förderte das Spiel in unserer Runde ein Wettrüsten. Wer holt die meisten PS aus einer japanischen Reisflunder, ließen sich diese doch wunderbar tunen, ganz im Gegensatz zu den schon hochgezogenen europäischen Losern.

Klar, die konnte man lenken, aber das ist für Anfänger. Profis bauten etwas, das man als die japanische Antwort auf die Saturn-V-Rakete bezeichnen könnte. Genug Power, um der Erdatmosphäre zu entkommen, gepaart mit den Lenkeigenschaften der Titanic. Und dann mit Bande spielen. Soll heißen: Einfach wie ein Bekloppter beschleunigen, vier Sekunden Abstand auf einer simplen Gerade rausholen, in die Mauer schronzen, neu ausrichten und wieder durchstarten. Gran Turismo, nicht nur Real Driving Simulator, sondern der Beweis, dass Drag-Racer nicht zu schlecht steuerbar, sondern einfach nicht stabil genug gebaut sind, um echte Rennen gewinnen zu können.

Um aber neben dieser oft unterschätzten Leistung auch noch etwas anders zu würdigen: Es dauerte zwar fünf Jahre und praktisch seit dem Erscheinen des ersten Developer-Kits für die PSone, aber das ist keine lange Zeit, wenn man bedenkt, dass Yamauchi das Ganze mit einem Kernteam von sieben Leuten stemmte. Applaus, diese Zeiten sind in der Branche vorbei, solche Leistungen sieht man nur noch selten.

Gran Turismo 2 (PSone, 1999)

Das Team wurde größer und Manpower verkürzt die Entwicklungszeit wohl doch drastisch. Gerade mal zwei Jahre später ging es wieder auf die Strecke. Sah erstmal aus wie gehabt. Karriere mit Lizenzen, Autos zum Freischalten, Autos zum Kaufen, Autos zum Freischalten, Autos zum Kaufen, Autos zum Freischalten, Autos zum Kaufen, Autos zum Freischalten, Autos zum Kaufen, Autos zum Freischalten, Autos zum Kaufen, Autos zum Freischalten, Autos zum Kaufen, Autos zum Freischalten, Autos zum Kaufen, Autos zum Freischalten, Autos zum Kaufen, Autos zum Freischalten, Autos zum Kaufen, Autos zum Freischalten, Autos zum Kaufen... HÖRT DAS MAL AUF?

Nicht so schnell. 650 Fahrzeuge auf fast 30 Strecken. 650!! FAHRZEUGE! Wer soll das alles fahren, wer hat so viel Zeit? Wer hat vor allem so viel Geld? Und sei es nur Virtuelles. Dazu kommt noch die aberwitzigste Interpretation der Marktwirtschaft, die die Spielewelt so nie brauchte. Jeder weiß, dass ein Neuwagen ein Drittel weniger wert ist, rollt er erstmal vom Hof. Aber das hier ist lächerlich. Bestenfalls zehn Prozent oder so vom Kaufpreis gab es noch, wenn man sich mal „ver"kauft hat. Einbauten? Tuning? Keinen Cent! Ist doch dem Nachbesitzer egal, was ihr da in die Karre investiert habt. In Zukunft braucht ihr bei Mobile.de auch nicht mehr „Vollausstattung" reinzuschreiben. Interessiert keinen Japaner da draußen!

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Martin Woger

Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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