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Lord Winklebottom: Herrliche Point-and-Click-Nostalgie trifft Hörverstehen der 8. Klasse

Was hat er gesagt? War sicher lustig!

Lord Winklebottom Investigates- dieser "knackige" Spieletitel alleine füllt schon wieder die halbe Überschrift und ist als neues Krimi-Point-and-Click frisch bei Steam.

Schon lange hatte ich das schräge Abenteuer auf der Wunschliste, jetzt ist es da und ich habe es natürlich sofort ausprobiert - Adventure UND Detektivspiel muss bei mir einfach sein. Warum schräg? Bei diesem Fall sollte man keinen bierernsten Kriminal-Thriller erwarten, darin wird es nämlich tierisch-absurd voller herrlich schlechter Wortspiele.

Eine Giraffe, ein Nilpferd und eine Tasse Schwarztee gehen in eine Villa

In Lord Winklebottom spielt ihr eine besonders edle, hochintelligente Gentleman-Giraffe in einem 20er-Jahre-Setting, die zusammen mit ihrem grummeligen Nielpferd-Assistenten Frumple einen Fall lösen muss: Das befreundete Axolotl schwimmt plötzlich mit dem Bauch nach oben.

Natürlich gibt es dann noch ein Herrenhaus, in dem kurz vor dem rettenden Polizei-Anruf die Kabel gekappt werden und zahlreiche zwielichtige bis seltsame hohe Tiere von der befiederten Tochter über die hysterische Ziege (keine Beleidigung, sie ist wirklich eine!) und das Wahrsage-Lama bis hin zum quakenden Familienanwalt.

In Lord Winklebottom Investigates müssen Axolotl-Fans leider ganz stark sein, denn ein Krimi braucht natürlich auch noch einen Mordfall.

Als Anlehnung an gutes, altes Closed-Room-Whodunit im Stil von Agatha Christie oder Sherlock Holmes trifft dieses Setting einfach richtig in das Olschool-Krimi-Herz, denn sein wir ehrlich: Eine solche Konstellation von lauter verschlagenen Gestalten in einer Villa und irgendeiner davon ist der Mörder - das hat man bestimmt schon 100 Mal irgendwo gesehen, aber es ist eben einfach ein zeitloser Klassiker, der irgendwie immer wieder funktioniert (man denke an neue, großartige Filme wie Knives Out)

Also: Das Setting hatte mich schon einmal und die bunten, handgemachten Hintergründe sehen wirklich nach liebevoller Detailarbeit aus. Die Rätsel im Spiel sind bisher zugegebenermaßen nicht wirklich schwierig, vor allem für alte Point-and-Click-Hasen nicht und bedienen sich nicht unbedingt ganz neuen Ideen - viele Klischees nimmt Winklebottom dabei aber auch herrlich auf den Arm.

Denkt man zum Beispiel im ersten Moment, man müsse, wie gefühlt in jedem Detektiv-Point-and-Click an einer Stelle den Notizblock mit einem Bleistift übermalen, um die vorherige Nachricht sichtbar zu machen, erntet Dr. Frumple mit dem Ergebnis dieser Idee eher Spott und Hohn vom cleveren Detektiv.

In Lord Winklebottom geht es für Giraffe und Nilpferd in tiefster Nacht bei stürmischer See auf einer abgelegene Insel - was soll schon schief gehen?

Außerdem kam ich bisher in einen recht guten Rätsel-"Flow", sodass sie mir zwar nicht schwer, aber auch nicht unangenehm einfach oder langweilig vorkamen, denn die nächste puzzelige Aufgabe bietet sich sofort. Das sorgte bei mir sogar für ein richtig gutes Gefühl, eine Art "Rätselhoch", denn aus dem einen ergibt sich das nächste und obwohl die einzelnen Schritte nicht so schwer sind, kommt man der Lösung immer ein wenig näher.

Synchronisation vom britischen Till Schweiger?

Humor kommt in der Ermittlung auch absolut nicht zu kurz, denn insgesamt haut das Adventure in den Dialogen freche Anspielungen, Wortspiele und Co. im Minutentakt raus... das glaube ich zumindest anhand dessen, was ich verstehe.

Da zeigt sich nämlich ein größerer Nachteil für nicht englischsprachige Krimi-Fans, denn Winklebottom hat zwar eine vollständige Vertonung, die ist aber ungefähr so gut zu verstehen wie das Hörverstehen im Englisch-Unterricht.

Kennt ihr das, wenn einem ein Native-Speaker mit heftigem Provinz-Dialekt und undeutlich wie mit einer Fluppe im Mund neben einem voll befahrenen Bahngleis die Story vom Pferd erzählt? So war Hörverstehen. Und so ähnlich ist am Anfang auch die Winklebottom-Synchro.

Lord Winklebottoms langer Giraffen-Hals ist immer wieder praktisch bei zahlreichen Rätseln.

Die Dialekte und Einfärbungen der Stimmen und die lustig-theatralischen Betonungen sind spaßig und schön schräg, keine Frage, aber sie sind auch unendlich schwer zu verstehen. Ich bin nicht schlecht in Englisch und ich habe am Anfang überhaupt nichts verstanden, ich kann aber sagen: Es wird mit jeder Spielminute besser! Ich hätte es nicht erwartet, aber man gewöhnt sich doch langsam an das Dialekt-Genuschel.

Deutsche Untertitel gibt es natürlich auch, aber gerade für diejenigen, die ungern lesen ist die Synchronisation schon echt wild. Wenn man sich da aber ein wenig "eingehört" hat, fängt man auch langsam an, zu realisieren, dass die Tiere doch keine Fantasie-Sprache sprechen und man findet immer besser ins Spiel.

Ich bin jedenfalls gespannt, wer nun den feigen Mord am Axolotl begangen hat, wie viele Tier-Wortspiele in ein Abenteuer passen und ob das Synchro-Genuschel irgendwann ganz in Fleisch und Blut übergeht - langsam bin ich warm mit dem kaltblütigen Mord an dem adeligen Reptil.


Den brandneuen Lord Winklebottom gibt es aktuell noch im Angebot bei Steam.

Über den Autor

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Judith Carl

News-Redakteurin

Judith Carl ist Volontärin für News und Social Media bei Eurogamer.de. Judith hat Medienwissenschaften studiert. Sie streamt begeistert am liebsten Rollenspiele und Adventure Games auf Twitch. Ihre weiteren Leidenschaften sind LARP, Pen and Paper, und Trash-Filme.

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