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Millionen für Retro-Spiele? Grading-Firma Wata wegen Preismanipulation verklagt

Interessenkonflikt?

Erinnert ihr euch noch an die horrenden Preise, die letztes Jahr einige in ihrer Qualität seltenen Retro-Spiele beim Auktionshaus Heritage Auctions einfuhren? Die 660.000 Dollar für ein ungeöffnetes Super Mario Bros., die 1,5 Millionen Dollar für Mario 64 oder die 430.000 Dollar für Sonic?

Schon länger wird bei Wata und Heritage Auctions unlauteres Gebaren vermutet, doch jetzt trifft Wata, das Einstufungs-Unternehmen, das diese Spiele nach ihrem Zustand bewertet, eine konkrete Sammelklage.

Geschätzte 10.000 Individuen, die einst Geld für die Einstufung von Spielen an Wata bezahlt hatten, (danke, VGC) beschuldigen seit dem 10. Mai Wata, "gezielter Maßnahmen zur Manipulation des Retro-Videospielemarktes" und "unfairer Geschäftspraktiken". Vor allem Wata-Chef Deniz Kahn wird dort genannt.

Die Kläger beschuldigen Kahn und den Mitgründer von Heritage Auctions, Jim Halperin – der einst in Wata investiert hatte und in dessen Beirat sitzt –, der Zusammenarbeit, um den Retrospiele-Markt zu manipulieren. Dies sei durch Werbemaßnahmen und Medien-Interviews geschehen, in denen die beiden angeblich behauptet hätten, die Preise für Spiele würden steigen.

Der Traum vom Videospiele-Schatz auf dem Dachboden...

Und nun ja, ihr wisst ja noch, wie das letztes Jahr war, siehe oben.

Bevor Wata 2018 in diesen Markt einstieg, waren die Retrospielepreise noch … ich will nicht "bescheidener" sagen, aber 2017 lag das teuerste Super Mario Bros. noch bei 30.000 Dollar. Im Jahr darauf kam eine Version, die von Wata eingestuft und von Heritage Auctions verkauft wurde, für mehr als das Dreifache unter den Hammer. Bei dieser Auktion wird Halperin zur Last gelegt, es selbst gewesen zu sein, der das Spiel kaufte – zusammen mit zwei anderen Männern.

Die Klage betont, dass Wata und Heritage Auctions von diesem Verhältnis profitierten und deshalb ein Interesse an der Manipulation der Preise hätten. Wata lässt sich für die Einstufung eines Spiels etwa eine prozentuale Beteiligung zusichern. Heritage Auctions nimmt 20 Prozent Kaufprämie vom Käufer und 5 Prozent vom Verkäufer.

"Heritage Auctions profitierte durch höhere Kommissionen von Verkäufern und Käufern", so die Dokumente. "Halperin profitierte davon, dass der Wert seines Spiels sich erhöhte. Wata profitierte von der höheren Bekanntheit und einer erhöhten Nachfrage nach Grading-Diensten", so die Klage. Das Verhältnis zwischen Wata und Heritage sei den Sammlern nicht bewusst gewesen.

Das sei so weit gegangen, dass Wata nicht mehr mit dem Grading von Spielen hinterhergekommen sei, obwohl man auf der Website immer noch schnelle Bearbeitung versprach.

Außerdem spricht die Klage erneut davon, dass Wata-Angestellte von ihrer Firma bewertete Spiele verkauft hätten, was gegen Watas eigene Regeln sei. Unter anderem wurde Watas Chief Advisor Mark Haspel letztes Jahr dieser Praxis bezichtigt. Wäre schon interessant, zu hören, was einige der Käufer dieser horrend teuren Retrospiele von den Anschuldigungen der Preistreiberei halten.

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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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