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Moon Knight Folge 5: Trauma, Abschied und ich muss wohl was ins Auge bekommen haben...

Oder: wie Marc Spector und ich doch noch Freunde wurden

SPOILER! Vor der Lektüre dieses Artikels sollte man Moon Knight Episode fünf gesehen haben.

Chapeau, Marvel! Folge fünf mag zwar zwei meiner zentralen Probleme mit dieser Serie nicht ausräumen – der A-Plot mit einem Ethan Hawke, der eine böse Göttin erwecken will, ist nicht eben interessant, und ägyptische Gottheiten sind mir im MCU ein Pantheon zu viel. Aber der vorletzte Teil dieser kurzen Serie hat dem Charakter des Marc Spector eine Menge Profil verliehen und eines der großen Rätsel auf extrem befriedigende Weise gelöst. Der Mondritter hat mich ab sofort auf seiner Seite. Ich denke, damit hat die Serie das geschafft, was sie sich vorgenommen hatte und ist somit als Erfolg zu verbuchen.

Das war alles schon sehr elegant, und ja, sogar ziemlich emotional aufgezogen. Das surreale Zwischenspiel in einer vielleicht, vielleicht auch nicht imaginierten Psychiatrie war eine fast schon meisterhaft quer gedachte Aufdröselung typischer Superheldentraumata und war ein Erfolg auf jeder Ebene. Verdammt, wir haben jetzt sogar eine gute Erklärung für Steven Grants fürchterlichen englischen Akzent! Der war tatsächlich so beabsichtigt oder zumindest geflissentlich in Kauf genommen. Das war beinahe ein Hodor-Moment.

MVP dieser Folge (abgesehen von Steven natürlich): Göttin Tawaret, die den Ernst dieser Episode mit der Kraft eines Dickhäuters brach.

Diese Episode schlägt zudem die üblichen gefälligen Kapriolen einer vorletzten Marvel-Folge. Ein großer Reveal, ein emotionaler Pay-off, ein paar Tropfen aus der gut trainierten Tränendrüse – es ist die finale Aussprache zwischen Held und Publikum, bevor “die Welt” gerettet wird, welche persönlichen oder auch kosmische Ausmaße die in der jeweiligen Serie auch haben mag. Das funktioniert auch diesmal wieder sehr gut, vor allem, weil Moon Knight ungewöhnliche Mittel einsetzt, die so wohl nur diesem gebrochenen Helden zur Verfügung stehen. Immerhin etwas, nachdem seine eigentlichen Superheldentalente eher langweiliger Natur sind.

Das waren schon tolle 50 Minuten gestern, im Orbit um einen glänzenden Oscar Isaac gefangen zu sein. Der plötzliche und harte Abschied von Steven war nicht einfach zu schlucken und das, obwohl der komplette Charakter nur vorgestellt war. Aber er war auch Marcs Schutz und Bewältigungsmechanismus, quasi eine Moon-Knight-Rüstung für seine Seele, und die ist jetzt erst einmal weg. Das traf mich härter als Scarlet Witches vier Tage alte, eingebildete Kinder.

Schön, dass Marvel diesen Raum genutzt hat, um die interessantesten Ecken dieser Figur gehörig auszuleuchten.

Jetzt gibt es nur noch ein Geheimnis zu lüften. Taucht doch noch Jake Lockley als dritte Persönlichkeit auf? Ein Sarkophag rappelte da ja noch in der Anstalt und einen Blackout in einer der vergangenen Folgen konnten sich ja weder Marc noch Steven erklären. Und wenn ja, weshalb waren die Waagschalen am Schluss bereits ausgeglichen, das wäre meines Erachtens nicht gerechtfertigt, sollte sich noch irgendwo in Marc noch jemand anderes verstecken.

Und überhaupt frage ich mich, ob und wie der letzte Kampf gegen Harrow letztlich aussehen soll? Vor der Rückkehr zur Hauptebene dieser Erzählung graut mir ehrlich gesagt ein wenig. Wir haben nur noch eine Folge vor uns und mir fehlt ein bisschen die Fantasie, mir mit dieser Art von Standardbedrohung und diesem konventionellen Rächer-Helden ein spannendes Finale auszumalen. Aber nach dieser Folge hat Moon Knight bei mir einigen Kredit. Wir werden sehen, was er damit anstellt.

Über den Autor

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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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