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Ms. Marvel Folge 3: Warmherzig, ehrlich und deshalb urplötzlich wahnsinnig spannend

Vielfalt nicht nur im Cast, sondern auch in der Geschichte.

SPOILER zu Ms. Marvel Folge 3!

Die Serien im MCU waren bis hierhin ein holpriger Ritt. Zumindest, wenn es darum geht, das Universum nach Endgame in die Zukunft zu führen. Gleichzeitig sind auf Charakterebene einige extrem interessante Sachen passiert, deretwegen ich erzählerische Versäumnisse in Bezug auf das Gesamtbild gerne verzeihe. Denn was, wenn nicht die Charaktere, ist die zentrale Währung dieses Universums?

Ms. Marvel hat das verinnerlicht wie keine andere Produktion bisher und konzentriert sich deshalb ganz auf seinen Star. Die dritte Folge ist die erste, die überhaupt so etwas wie einen Antagonisten einbringt und sie profitierte enorm von diesem langsamen Aufbau und dem ausgiebigen Kennenlernen, das die ersten zweieinhalb Episoden dieser initialen Staffel waren. Mit Anlauf auf die Hochzeit ihres Bruders Aamir wird es für Kamala zunehmend komplizierter, als sie erfährt, dass sie von Dschinns abstammt, die in unserer Dimension gestrandet sind.

Natürlich ist der Helm aus Pappe. Woraus sonst?

Noch ein Fabelwesen, das im MCU Realität wird, und für das ich meine willentliche Ungläubigkeit strapazieren muss, aber okay! Wichtiger ist eh, dass die Fans jetzt nicht allzu lange Gesichter machen, weil Kamala anscheinend kein Inhuman mehr ist (aber auch da wäre ich mir angesichts der Person, von der wir die Information haben, und einer verdächtig blauen Hand am Anfang dieser Folge nicht so sicher). Nach der Änderung ihrer Kräfte wäre das die zweite größere Abweichung vom Comic. Dann wiederum sieht man sie in dieser Folge auch eine Riesenfaust schwingen, wenn auch aus Licht, was zumindest im Resultat das Gleiche ist, wie einst auf Papier.

Überhaupt sollten es nicht die Kräfte sein, die Kamala definieren. Sondern ihr Wesen und ihr Umfeld. Und das ist in dieser Folge so warmherzig und innig in Szene gesetzt, wie man es von einer Marvel-Produktion nicht erwarten konnte. Auch gibt es eine ausgedehnte muslimische Hochzeitsszene voller Musik, Tanz und Freude, entspannten Lebensrat vom Imam – "Good isn’t something that you are. It's something that you do" – und Erzählungen von den Schwierigkeiten, allein in ein fremdes Land einzuwandern. Man schließt diese Leute in sein Herz, freut sich mit ihnen und vergisst für eine ganze Weile, dass man gerade eine Superhelden-Show schaut und keine Serie über eine Einwandererfamilie.

Vellani gibt den Teenage-Marvel-Fan extrem authentisch. Ms. Marvel war ihr Schauspiel-Debüt, schon mit 15 verkleidete sie sich als Ms. Marvel, weil sie sich mit ihr identifizierte. Drei Jahre später hat sie die Rolle.

Als dann urplötzlich die geheime Bedrohung ihre Maske fallen lässt, ist man aufrichtig in Sorge um alle Beteiligten und traurig um das ruinierte Fest ihres Bruders. Das war plötzlich irrsinnig spannend, als es ernst wurde und sich der Ton drastisch verschob, ganz egal, wie laut Living on a Prayer dabei aus den Boxen schmettert. Auch, weil endlich mal wieder in einer Marvel-Serie ein Kräftegefälle gegeben war. Hier zwischen bösartigen Dschinn auf der einen und einer unerfahrenen Kamala und ihrer Freunde und Familie auf der anderen Seite.

Und auch die Gags waren mal wieder gut. Über die pakistanische Cover Band "Bröwn Jövi" muss ich immer noch lachen, ebenso wie über Kamalas von der Öffentlichkeit verliehenen Superheldennamen "Night Light" – weil der zwar vordergründig treffend erscheint, aber auch ein Steckdosenlicht für Kleinkinder beschreibt. Alle Akteure sind weiterhin mit viel Charme und guter Laune dabei, allen voran Hauptdarstellerin Iman Vellani, die ein echtes Naturtalent ist – Ms. Marvel scheint ihr Schauspieldebüt zu sein.

In Folge drei steht urplötzlich alles auf dem Spiel.

Nachdem es am Anfang ein wenig rumpelte, habe ich mittlerweile wirklich nichts Schlechtes mehr über diese Serie zu sagen. Auch die Repräsentation kommt zur Abwechslung mal nicht verkrampft rüber, weil sie der Lebensrealität der Serienverantwortlichen entstammt und nicht wie am Reißbrett entworfen wirkt. Wenn man offen ist für leichtherzige Stoffe, die sich an Jüngere richten und Coming-of-age-Kram und visuell einfallsreiche Serien liebt – mein Gott, diese Farben! –, sollte man sich diese Serie unbedingt anschauen. Ich bin hingerissen.

Über den Autor

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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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