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NBA 2K23 – Test: Nostalgie versus Mikrotransaktionen

Bei so einer City bin ich lieber Landei.
Pay-to-win und doofe City verhindern wie immer die Empfehlung. Ansonsten aber schön nostalgisch und mit mehr Kontrolle über Würfe und Pässe.

Jedes Jahr das Gleiche, oder? Neues NBA 2K, neuer Aufreger über die frechsten Mikrotransaktionen im Business, Pay-to-win inklusive. Schnelle Tirade runtertippen, Gameplay loben, Geschäftsmodell schelten und am Ende doch wieder locker 30 Stunden reinstecken weil… nun ja, es ist halt guter Basketball. Dieses Jahr macht es mir NBA 2K23 sogar noch schwerer, die Art und Weise zu verurteilen, wie es zu seinen gar-nicht-so-mikro Transaktionen verleitet, denn es spielt gekonnt mit meiner Nostalgie für die Ära Jordan und Kobe. Außerdem habe ich das Gefühl, dass ich mit dem Fallobst, mit dem man im Normalfall in die Karriere startet, sofern man nicht noch einmal den Preis eines kompletten Spieles in die virtuelle Währung steckt, erfolgreicher spiele als zuletzt.

Ja, ich finde, NBA 2K23 ist leichter als der letzte Teil, bei dem ich meine Rookie-Saison hindurch hart zu knapsen hatte, schlecht spielte, noch mieser bewertet wurde und deshalb wiederum weniger VC zum Upgraden meines Ballers verdiente. Dieses Jahr hat Visual Concepts offensichtlich nicht so viel Lust, mir das Leben schwerer zu machen, als es unbedingt muss und lässt gerne fünfe gerade sein, solange ich mich nicht komplett dämlich anstelle. Ich bekomme regelmäßig ordentliche Bewertungen, treffe, rebounde und passe zuverlässiger. Will man aber zum tragenden Star seines Teams werden, muss man freilich immer noch ordentlich grinden – oder eben VC dazukaufen. Aber es war zumindest keine Qual. Hurra!

Wenn Vollpreisspiele plötzlich eigentlich 100 Euro kosten, spielt man NBA 2K

Klar ist, dass auch in diesem Vollpreisspiel wieder oft und viel die Hand aufgehalten wird (von dem MyTeam-Kartenmodus fange ich besser gar nicht erst an) und dass man das spätestens online zu spüren bekommt. Denn da trafen ehrliche Häute schon zwei Tage nach Release auf Spieler mit schön gekauften Werten jenseits der 90er, gegen die man mit einem “normal” entwickelten Baller keine Chance hat. Komplett spaßbefreites Pay-to-win, was auch diesmal wieder eine Empfehlung kategorisch verhindert. Zumal Pay-to-win hier sogar auf den Solo-Modus zutrifft, denn mit einem besseren Spieler gewinnt man definitiv häufiger. Außerdem halten einige andere Probleme vor allem den Karrieremodus davon ab, sein volles Potenzial zu entfalten.

In NBA 2K23 ins Stadion einzulaufen, versprüht eine ganz besondere Atmosphäre.

Abseits der coolen Spielererstellung und der aufrichtig sehr gelungenen und durchdachten Art, wie man seinen persönlichen “Build” entwickelt – sogar eigene Jump-Shots kann man erstellen, damit die Wurftechnik auch zur eigenen Spielweise passt – ist die Struktur der Karriere einfach ein Graus. Ich mag, dass ich auch diesmal wieder eine dünne, aber doch involvierende Geschichte erlebe, in der mein Spieler als ungeliebte Draft-Alternative die Fans seines Klubs auf seine Seite bekommen muss und das System mit den Abzeichen wäre in einem cleveren Rollenspiel auch nicht übel aufgehoben. Die City als Kreuzung aus geteiltem Online-Hub und begehbarem Hauptmenü ist aber einmal mehr ein unfassbar träger, steriler und langweiliger Dreh- und Angelpunkt für die Karriere.

Bei so einer City bin ich lieber Landei

Ich habe mich letztes Jahr schon genug darüber ausgelassen, aber ich hasse einfach alles daran. Dass ich selbst für uninteressanteste Unterredungen hunderte Meter hin- und hergeschickt werde, zum Beispiel. Das steif zu steuernde Skateboard, das die Wege abkürzen soll, das ich wegen der Auf- und Absteigeanimationen aber oft lieber stecken lasse. Die endlosen Spielertrauben, die sich an den Triggerpunkten für die Handlung bilden und die allgegenwärtige Werbung sind mir ebenso ein Dorn im Auge. Und vor allem hasse ich, wie die Bildrate hier regelmäßig hart unter die 30fps fällt. Ich kann viele der “Quests” nicht überspringen, aber warum eigentlich nicht? Im Grunde will ich ja auch nicht die eigentliche Quest überspringen, sondern nur die Wege und die folgende, lange Dialogsequenz, in der mir mein Coach die Aufgaben fürs kommende Match mitteilt. Lasst mich das Gelatsche und die Filmchen einfach überspringen, denn ich bin hier, um Ball zu spielen!

Ashley muss mit mir reden? Klingt wie eine Drohung. Nicht wegen Ashley, sondern wegen des Hin-und-hers Die City ist mit Leichtigkeit der spielerisch schlechteste Aspekt an NBA 2K23.

Und dann ist da der permanente Online-Zwang, dem viele Modi unterliegen. Das gilt selbst für die Solo-Karriere – und nur, wer sein Spiel aktuell hält, darf auch online gehen. Das bedeutet, dass ihr oft gegängelt werdet, euch die sehr häufigen Updates zu ziehen. Seid ihr also mitten in einer Partie, unterrichtet euch das Spiel mit einem nicht gerade kleinen und nicht ausblendbaren Schild unten rechts, dass ihr bitte ins Hauptmenü zurückgeht, damit der Patch aufgespielt werden kann. Seid ihr gerade erst im Begriff, den Karrieremodus zu starten, müsst ihr ein etwaiges neues Update zuvor herunterladen und aufspielen. Vorher dürft ihr nicht loslegen. Das ist problematisch.

Nostalgie – mein Kryptonit

Das Dumme an der ganzen Sache ist, wie eingangs schon angedeutet, dass das Spiel exzellent mit meiner Nostalgie spielt. Ich kann die Ära Johnson/Bird, Jordan, Kobe, und eben die aktuelle mit allen möglichen Management-Aspekten spielen und mir dabei nicht so viele Gedanken über Mikrotransaktionen machen. Sogar (abschaltbare) Bildfilter emulieren, wie Basketball seinerzeit aussah und als Charlotte Hornets den Jordan-Bulls nachzujagen, war für mich als jemand, der dieses Team damals verfolgte, ein großer Spaß. Ich hoffe doch sehr, dass uns diese Art, den MyGM-Modus zu erleben, auch im nächsten Jahr erhalten bleibt – dann dürfen wir vielleicht sogar das Start-Jahr wählen? Auch die Jordan Challenge, in der man diverse Stationen der Legende, nachspielt und bestimmte Ziele erreichen muss, ist ein gelungener Modus für alle, die dabei waren – oder dieses Idol eben nur noch aus Erzählungen und von Youtube kennen. Eine schöne Art, eine Bildungslücke zu schließen.

Mit stilvollen Filtern versetzt euch NBA 2K23 überzeugend in die Vergangenheit.

Auf dem Court gefällt mir 2K23 ganz gut, auch das Ausdauermanagement hat man etwas verfeinert und die Ausdauerleiste in drei Adrenalinschübe pro Angriff unterteilt. Sind die aus, war es das. Schon letztes Jahr hatte man in dieser Richtung gute Ansätze, Dauerrennern entgegenzuwirken, aber das neue System funktioniert noch etwas besser. Neuerdings hat man noch mehr Möglichkeiten, mit dem rechten Stick die Art des Wurfes oder eines Dunks zu gestalten, was sogar recht intuitiv funktioniert (Stick nach unten ziehen und halten, um zum Beispiel am Korb hängenzubleiben). Und dass bei den Wurfanimationen nun Geschwindigkeit, Höhe des Releases, Immunität gegen Verteidigung und die Auswirkungen des Timings separat bewertet werden, ist eine smarte neue Facette, die dafür sorgt, dass sich Schützen nun noch mehr voneinander unterscheiden.

Mehr Kontrolle – und eine Technik im Zwiespalt

Schön auch, dass man schon zu Beginn aus fünf Wurfanzeigen wählen kann (15 weitere sollen im Verlauf der Saison folgen) und wenn es schon im letzten Jahr eine persönliche Einstellung fürs Wurf-Timing gab, so war mir das nicht bewusst. Hier habe ich sie sehr gerne gesehen und direkt auf “Spät” gestellt. In Sachen Spielgestaltung freue ich mich über Mitspieler, die sich besser auf dem Platz verteilen und gegeneinander bewegen. Auch darf ich Mitspieler mit meinem Pass direkt zum Korb ziehen (Dreieck halten) oder sich für einen schnellen Schuss freimachen (Kreis halten) lassen. Ich mag, was hier passiert und werde sicher noch eine Weile dabeibleiben.

'Hey, wie steht's?' 'Keine Ahnung, ich sehe nichts, weil Update erforderlich!'

Technisch gesehen sieht das Spiel in Bewegung auf dem Platz sehr gut aus. Allerdings gibt es immer wieder auch mal Animationen, die nicht zur Spielsituation passen und wie immer kann es bis zum Pass oder Wurf schon mal etwas dauern, bis eine Animation bis zum Ende durchgelaufen ist. Das ist in Sportsimulationen – dieser hier vor allem – so üblich, sorgt aber für himmelschreiend seltsame Situationen und Ballverluste bisweilen. Auch die Gesichter weniger gut bekannter Spieler sind oft gruslig schlecht. Die der Stars dafür jedoch umso besser. Dennoch ein gut aussehendes Spiel, sofern man sich nicht in der City herumtreibt. Ich kann die Uhr für diese Engine allerdings schon ticken hören. Sie ist nicht mehr ganz das Aushängeschild, mit dem man neue Hardware präsentiert, wie sie es damals war.

NBA 2K3 Test – Fazit

Ihr wisst am Ende selbst, wie ihr das hier handhaben wollt. Es ist einmal mehr eine gute Simulation, die seit dem letzten Mal durchaus an sich gearbeitet hat, aber immer noch gewohnheitsmäßig ein paar schlechte Entscheidungen trifft. Allen voran, was Mikrotransaktionen, Struktur und Online-Zwang angeht. Davor ist – wie jedes Jahr – zu warnen. Wer auf den Grind und den City-Quatsch der Karriere verzichten kann, findet hier in MyNBA Era und der Jordan Challenge aber eine ganze Menge schöner Basketball-Erinnerungen, die mit Liebe aufbereitet wurden.

Habt ihr ein paar Jahre ausgesetzt und hättet trotz allem mal wieder Lust auf ein NBA 2K, ist Nummer 23 wohl eine gute Gelegenheit zum Wiedereinstieg. Wer weiß, ob die Ären und die Jordan Challenge nicht nächstes Jahr wieder eingemottet werden. 2K könnte sich unterdessen bis dahin mal Gedanken machen, ob es nicht ein wenig zynisch ist, diesen Sport bis hinunter auf die Geldgier der Ausrichter durchzusimulieren.

Pro NBA 2K23

  • Nach wie vor gute Simulation des Sports
  • Großer Umfang an Modi und Funktionen
  • Jordan Challenge und Ären machen Spaß
  • Einfacher als letztes Jahr
  • Schön individuelle Spielerentwicklung in der Karriere…

Contra

  • … aber leider auch die schlimmsten Pay-to-win-Mikrotransaktionen
  • Viel Werbung
  • Technisch wechselhaft
  • Online-Zwang auch für Solo-Modi
  • The City bremst den Karrieremodus unnötig aus

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

Über den Autor

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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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