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New Play Control! Pikmin

Immer noch spaßig

Wenn ich manchmal nachmittags aus meinem Fenster auf den darunter liegenden Garten schaue, frage ich mich, was sich zwischen den Gräsern wohl abspielen mag. Versammelt sich die Ameisenkolonne gerade, um meinen eben erst fallen gelassenen Schokoriegel zu untersuchen? Vielleicht müssen die kleinen Viecher derzeit aber auch unter den benachbarten Tannen ihr Heim gegen einen fiesen Eindringling versteigen. Oder geschehen während meinen Überlegungen ganz andere Dinge? Welch unbekannte Abenteuer und Kreaturen mögen zwischen Grünwuchs, Insekten und Abfall lauern?

So oder so ähnlich müssen wohl Shigeru Miyamotos anfängliche Fragen ausgesehen haben, die ihn zu der Entwicklung von Pikmin führten. Das einzigartige Spiel erschien vor knapp sieben für den GameCube und brachte uns das Leben im Unterholz auf Miyamoto-Art ein wenig näher. Und da ein gutes Konzept nicht schlechter wird, bugsiert Nintendo diesen und weitere Klassiker unter dem Label „New Play Control!“ auf den Markt.

In dem cleveren Strategiespiel übernehmt Ihr die Rolle von Raumschiffkapitän Olimar, der nach einer Kollision mit einem Asteroiden auf der Erde landet und dabei 30 Teile seiner Rakete verliert. Obwohl die Situation nicht schon schlecht genug wäre, ist die Atmosphäre des Planeten giftig für das 2cm kleine Kerlchen und die Lebenserhaltungsmaßnahmen seines Anzuges reichen bloß mickrige 30 Tage. Olimar muss sich also beeilen, da insgesamt 25 Teile notwendig sind, um die Blechbüchse in den Orbit zu befördern.

Immer schön auf die Zeit achten!

Zum Glück entdeckt er kurz nach seinem Aufprall die Pikmin, blumenartige Wesen, die all seinen Befehlen sogar bis in den Tod blind Folge leisten. Olimar kann die Pikmin auf Feinde werfen, wichtige Gegenstände tragen lassen und Mauern einreißen. Aus besiegten Feinden und besonderen Steinen erzeugt die Zwiebel – das Raumschiff der Pikmin – neue Helfer. Insgesamt kann Eure Armee aus bis zu 100 treuen Anhängern bestehen.

Um Euren Grips ein wenig auf Vordermann zu bringen, gibt es drei verschiedene Arten der Pikmin mit jeweils eigenen Fähigkeiten. Rote Pikmin sind im Angriff stärker, blaue können auch unter der Wasseroberfläche agieren und gelbe lassen sich höher werfen oder zum Transport explosiver Steine abrichten. Die verschiedenen Eigenschaften sollten bei jeder Erkundungstour bedacht werden. Liegen im nächsten Gebiet Gegner und schwere Felswände, nehmt neben ein paar gelben nur rote Pikmin mit und lasst die blauen lieber in ihrer Zwiebel. Vor allem die vereinzelten Bosskämpfen erfordern ein hohes Maß an Geschick, denn wenn Ihr einfach Euren Trupp auf den Feind hetzt, ohne zuvor groß nachzudenken, kann sich Olimar die Heimfahrt abschminken.

Kenner merken schon, am Gameplay hat sich nichts verändert. Auch sonst hat Nintendo neben der Wii-Steuerung bloß einen 16:9 Modus und die Möglichkeit, an einem früheren Tag zu starten, spendiert. Dafür ist die neue Bedienung hervorragend gelungen. Mit dem Nunchuck lenkt Ihr Olimar und dreht die Kamera beziehungsweise wechselt die Perspektive. Die Wiimote übernimmt die Steuerung des Zielcursors und übt alle Aktionen bezüglich der Pikmin aus. Auf Knopfdruck werft Ihr einen der Wichte, ruft die Meute wieder zu Euch zurück oder lasst sie an bestimmten Stellen warten. Das hört sich zunächst etwas ungewöhnlich an, nach ein paar Minuten Spielzeit sind jedoch alle Kommandos fest im Hirn verankert. Ich persönlich ziehe die neue Variante sogar dem GameCube Pad vor.

Leider hört es hier auch schon mit den Neuerungen auf. Lediglich drei neue Obenansichten wurden integriert, bei denen die Bodentexturen unglücklicherweise ungemein matschig wirken. Neue Spielinhalte sind Fehlanzeige, von Extras ist ebenfalls keine Spur zu sehen und auch die Grafik wurde keiner Frischzellenkultur unterzogen. Zwar ist das Spiel für Wii-Verhältnisse immer noch weit über Mittelmaß, es zeigt sich aber ein wenig Lieblosigkeit durch die geringe Bearbeitung.

Ordnung ist das halbe Leben. Ohne die nötige Koordination werdet Ihr nicht weit kommen.

Ein weiteres Manko bleibt die durchschnittliche KI Eurer Pikmin. So bleiben sie hinter Euch an Wänden hängen oder greifen sich des Öfteren den falschen Gegenstand. Hier hätte man eindeutig noch einmal nachbessern müssen. Auch das 30 Tage-Limit reduziert Pikmin auf eine eher kurze Spielzeit und wird durch nerviges Wiederholen misslungener Tage künstlich in die Länge gezogen. Einzig der Sound ist weiterhin über jeden Zweifel erhaben. Die ruhigen Töne passen in den gemütlichen Gartenabschnitten perfekt zum Spieltempo und wechseln bei haarigen Kämpfen zu schnelleren Melodien.

Man kann die New Play Control! Serie sehen, wie man mag. Viele werden Nintendo wohl den Geiz auf den schnellen Euro hinterher rufen und andere freuen sich darüber, nicht mehr bei ebay oder anderen Händlern nach dem GameCube Original suchen zu müssen. Wobei wir uns aber alle einig sein sollten ist, dass es ein guter Weg ist, Casual Spieler an den Hardcore Markt heranzuführen. Je großer die Masse der Leute ist, die solche Titel spielen können, desto besser!

Pikmin ist auch aus heutiger Sicht ein gutes Spiel und jeder, der es zu Cube-Zeiten verpasst hat, sollte unbedingt einen Blick riskieren. Besonders die für Strategiespiele ausgezeichnete Steuerung und das Konzept selbst sind ein Probespiel wert. Leider besteht ein großes Problem: Pikmin 2, das ebenfalls noch in diesem Jahr neu aufgelegt wird für die Wii. Und dieses ist in allen Belangen das bessere Spiel. Das nervige 30 Tage Zeitlimit entfällt, es gibt mit zwei weiteren Pikmin-Arten strategische Neuerungen, man darf gemeinsam oder gegeneinander antreten und die zufallsgenerierten Dungeons sorgen für mehr Abwechslung. Ob Ihr also jetzt zugreifen oder die 30 Euro lieber später investieren wollt, ist ganz Euch überlassen. Ein Fehler verbirgt sich hinter keiner Entscheidung, solange Ihr einem Pikmin-Klassiker wenigstens eine Chance gebt.

Alle Strategie-Fans und Leute, die seit langem wieder ein „richtiges“ Spiel für ihre Wii brauchen, können die Pikmin Neuauflage ab sofort in den Händlerregalen für 30 Euro erstehen.

7 / 10

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

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Björn Balg

Redakteur

Freier Autor und wahrscheinlich der letzte Mensch ohne einen Facebook-Account. Liebt Trash und verbringt zu viel Zeit mit dem Ansehen von Katzenvideos.

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