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Ninja Blade

Non Stop Ninja

Ich kann mich noch gut an das erste Mal The Matrix erinnern. Es war eine audio-visuelle Erfahrung, nach der man das Kino verließ und endlich wieder einmal sagen konnte, dass man heute etwas gesehen hat, das es in dieser Form noch nicht gab. Dabei lassen wir jetzt mal den zumindest zu Beginn der Saga noch netten Stroryansatz komplett außen vor. Ich beziehe mich hier nur auf die optische Freude beim Erstkontakt mit Bullet-Time. Neo, der Kugeln duckt, die Hubschrauberszene, und Carrie-Anne Moss´ latexbespannter Hintern, der sich keine zehn Minuten in den Film bereits in bis dahin unmöglichen Zeitlupen dreht. Es war einfach etwas Neues, was einen richtig von den Socken haute. Und mit einem solchen Flash überrennt Euch auch Ninja Blade.

In den ersten ein oder zwei Stunden werdet Ihr nicht genau wissen, wie Euch geschieht. Erst danach beginnt sich das Hirn langsam an das Tempo zu gewöhnen. Ein von der ersten Minute an wilder Ritt lässt keine Euch Verschnaufpausen zu, während Ihr drei Bossbattles ausfechtet, ein Hochhaus vertikal herunter stürzt, dabei fliegende Mutanten zerschnetzelt und das Haus praktisch entzwei bricht. Das alles noch, bevor der Titelscreen seine Aufwartung macht und in optischer Brillanz, die man so von From Software seit dem Xbox-Dämonenschnetzler Otogi nicht mehr kannte. Offenbar las man in den letzten zwei Jahren noch mal das Entwicklerhandbuch der 360 und brennt nun ein in feste Frameraten zementiertes Feuerwerk im nächtlichen Tokio ab, das keine Vergleiche scheuen muss.

Dem kommt sicher entgegen, dass Euch Ninja Blade nur wenige Momente lässt, in denen Ihr Gelegenheit haben werdet, alles bis zum letzten Detail aufzunehmen, bevor sich der Held erneut irgendwo hinunter stürzt, entlang schwingt oder einen epischen, auf die richtige kitschige Übergröße gezogenen Kampf besteht. Vergleiche mit den Autobahnszenen aus dem zweiten Matrix bieten sich an, nur halt schneller, wilder und sehr viel durchgeknallter.

Ninja Blade – Extended Trailer

Immer wenn man denkt, dass einen nichts mehr überraschen kann, kämpft man einen halben Kilometer über einem Riesenwurm, der dem Ninja brennende Busse und ein Motorrad entgegen spukt. Dieses schnappt Ihr Euch aus der Luft und in einer Serie aus wilden Sprüngen und Stunts, die Evel Knievel das Herz unter die Hose rutschen lassen würden, geht es im Sturzflug dem turmhohen Biest entgegen. Und hier sind wir gerade mal in Level zwei.

In diesem Feuerwerk geht aber noch mehr unter als nur die Tatsache, dass trotz aller Schönheit der Bewegung sicher nicht alle modernen optischen Tricks und Lichtspiele genutzt wurden. Die Handlung muss recht früh explodiert oder von einem Supermutanten verspiesen worden sein. Anfangs werden noch ein paar Versprechungen gemacht, diese reduzieren sich dann im Laufe des Geschehens auf kurze Andeutungen zwischen dem urbanen Chaos und werden erst ganz zum Schluss kurz wieder halbwegs ernsthaft aufgegriffen.

Es ergibt sich ein Plot um Superninjas im 2015er Tokio, eine Variation des T-Virus, zumindest wenn man einen Blick auf das Ergebnis wirft, die die Welt beherrschen möchte , und eine ganze Menge totalen Action-Stuss, der aber auf seine Korea-Movie Art perfekt passt. Es fällt nicht weiter auf, dass dieses Macho-Festival harter Kerle praktisch ohne weibliche Besetzung auskommt. Wozu auch, Frauen würden nur versuchen, hier einen Sinn hinein zu interpretieren. Uns Kerlen reicht es völlig, dass Tokio von Monstern überrannt wird. Gehirn aus, Action an und einfach mit dem Flow gehen.

Ninja Blade – Gameplay Trailer

Neben dem ersten Wunder, uns aus der optischen Lethargie üblicher aktueller Technikschlachten zu reißen, gelingt Ninja Blade noch ein zweites. Es fand einen Weg, Quicktime-Events in Spielspaß zu verwandeln. Und damit ist nicht das nur sehr seltene Drücken von zwei Tasten beim Bosskampf gemeint. Ninja Blade erklärt die Anwendung der richtigen Taste im richtigen Moment zu einer seiner drei tragenden Säulen und liegt damit gegen alle Wahrscheinlichkeiten absolut richtig.

Euch bleibt genug Zeit zum Reagieren. Sobald eine Quicktime-Sequenz beginnt, werdet Ihr durch ein dramatisches Zoom auf das Auge des Ninja gewarnt, bevor es zur Action übergeht. Die folgenden Zeitfenster zum Ausführen der Aktionen hielt man großzügig. Nicht so sehr, dass Ihr schlafen dürft, aber doch ausreichend, um auch Spielern eine Chance zu geben, bei denen der Anblick einer der vier Farben nicht sofort ein pawlowsches Zucken im Finger auslöst. Je besser Ihr das Drücken abpasst, desto höher fällt das Rating zum Ende des Levels aus, so dass alle, die nicht den Beinnamen Blitzfinger tragen, auch eine faire Chance und lediglich weniger Punkte bekommen.

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

Über den Autor

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Martin Woger

Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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