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Ninja Gaiden Dragon Sword

Ninjas, kindgerecht

An was denkt Ihr zuerst bei Ninja Gaiden, vor allem bei denen der letzten Jahre? Massen von Pixelblut? Hammerharter Schwierigkeitsgrad? Beides richtig. Und jetzt denkt um, denn Ninja Gaiden Dragon Sword auf dem DS macht einiges ein wenig anders.

Zunächst einmal fließt kein einziger Tropfen pixeligen Blutes. Es ist ein Handheld von Nintendo, viele Kinder haben eines und es ist offensichtlich, dass Team Ninja dieser Tatsache Rechnung trug.

Aus selbigem Grund dürfte man sich wohl auch von der auf Xbox und PS3 beinahe schon perversen Freude verabschiedet haben, den Spieler in regelmäßigen, kurzen Abständen für Unachtsam- oder Unfähigkeit zu bestrafen und abzumurksen. Dragon Sword ist definitiv ein Spiel, vor dem sich niemand fürchten muss. Das geht sogar so weit, dass es dank der „Ultimate Technique“ ab einem gewissen Punkt geradezu lächerlich einfach wird, sich durch die Massen an Ninjas, Monstern und riesigen Dämonen zu schnetzeln.

Ein Gutteil der neuen Einfachheit geht auf das Konto der interessantesten Idee, mit der Team Ninja in dieser eigentlich von Start weg unwahrscheinlichen Portierung aufwartet. Statt Ryu direkt und mittels des Steuerkreuzes über den Screen zu lenken, dreht Ihr den DS 90 Grad gegen den Uhrzeigersinn, habt so links das Touchpad und mittels Tippen und Ziehen folgt der Ninja nun Euren Anweisungen. Kurze Linie nach oben reicht für den Sprung, eine beliebige Taste blockt gegnerische Attacken.

Noch einfacher ist das Angehen eines Feindes. Eine horizontale oder vertikale Linie über ihn ziehen, veranlasst Ryu zu einem Standardangriff. Ein kurzes Antippen reicht für den Shuriken, oder ein paar Linien über den Feind gescribbelt und die Ultimate Technique lädt sich auf. Das System spielt sich erstaunlich frisch und mit flinken Handbewegungen einen Screen voller Feinde ausschließlich mit dem Stylus zu leeren, bringt erstaunlich viel Spaß.

Hochkant und Actiongame passen perfekt zusammen

Dieser hält auch eine Weile an und das trotz der mageren Ausbeute von gerade mal acht Angriffstechniken. Und hier zähle ich die Ultimate schon dazu, um auf die Zahl zu kommen. Dieser Mangel an Vielfalt lässt die eigentlich eindrucksvollen Bosskämpfe dann auch zu einem Spaziergang im Park werden, ganz im Gegensatz zu den schmerzhaften und beinahe schon erniedrigenden Erfahrungen, die ein solcher Endboss auf den großen Gaidens bedeutet. Es gibt einfach nicht so viel, was Ihr überhaupt tun könntet. Die Abfolge des Kampfes erschließt sich schnell, im Zweifelsfalle mal alle acht Angriffe ausgetestet, und schon seid Ihr wieder einen Level weiter.

Nach einem Kampf geht es wieder zurück in ein als Hub dienendes Ninja-Dorf, in dem Ihr ein Schwätzchen mit Serienbekannten halten dürft oder nützlichen Krams vom obligatorischen alten, weisen Mann kauft. Lebensenergie oder Waffen-Upgrades machen Euch das Leben noch leichter als es sowieso schon ist und die ebenfalls im Angebot befindliche Ninja-Magie sorgt für den Rest. Einmal ausgelöst, müsst Ihr ein kleines Symbol nachzeichnen, was meist wie alles ein wenig zu schnell von der Hand geht, bevor dann ein mächtiger Angriff den Feinden den Rest gibt.

So werdet Ihr Euch recht schnell durch die 13 Stages schnetzeln. Zwei Abende sollten reichen, am zweiten könnt Ihr dann schon den extra-hohen, aber eigentlich immer noch moderaten Schwierigkeitsgrad antesten. Ninja Gaiden–Profis alter Schule werden auch hier nur müde abwinken. Seht Ihr aber von der neu entdeckten Leichtigkeit des Ninja-Lebens ab, werdet Ihr viel erleben, was einfach richtig viel Laune bringt. Die Levels variieren kleine Hüpfeinlagen mit exzessiven Metzeleien, die Bosskämpfe sind zwar nicht schwer, aber jeder bietet doch zumindest ein paar Besonderheiten.

Blut gibt’s keines, dafür nette Comiceinlagen

Für Freude sorgt auch die vielleicht blutleere, aber dennoch nicht zu kindliche Präsentation. Große Epik lässt sich auf dem kleinen Screen nur schwer vermitteln, jedoch gab man sich alle Mühe. Und gehört Ihr zu den Fans der Reihe, werden Euch Dinge wie die wahre Herkunft von Ryus Dragon Sword bestimmt reizen. Alle anderen erfreuen sich an einem handelsüblichen Plot um Ninjas und dunkle Mächte, nicht zu tiefgehend, aber für einen sowieso schon eher kurz geratenen Action-Trip absolut ausreichend.

Ein Markenzeichen der Reihe hat man aber erstaunlich gut und im Rahmen der Möglichkeiten beinahe perfekt portiert: Die Gaiden-typische, recht opulente Optik. Sicher, ein DS ist keine 360, das hohe Tempo der Kämpfe, schön gezeichnete Umgebungen und die stylischen Comiceinlagen zwischendurch machen Ninja Gaiden Dragon Sword dennoch zu einem der hübschesten Titel für Nintendos Kleinen. Dazu noch ein gefälliger, wenn auch leicht stereotyper Soundtrack und fertig ist die technisch in jeder Hinsicht würdige Adaption.

Aber gute Looks sind nun mal leider nicht alles im Leben. Der Spielspaß muss auch stimmen und das tut er hier. Ein Hit? In den ersten Stunden sicher. Ihr schnetzelt Euch durch, freut Euch des Ninja Lebens und genießt die innovative Steuerung. Dann seid Ihr durch und habt alles gesehen und getötet. Ein paar mehr Level, ein oder zwei Moves, ein Schwierigkeitsgrad, der zumindest ein wenig eine aufsteigende Kurve beschreibt und Ninja Gaiden wäre statt einer kleinen Action-Perle mit einem ungünstigen Euro-Pro-Stunde-Verhältnis ein ausgewachsener Hit geworden. Schade, aber immer noch gut.

Ninja Gaiden Dragon Sword (Dragon Sword > DS, wie subtil) ist ab sofort erhältlich und natürlich nur für Nintendo DS.

7 / 10

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Martin Woger

Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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