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Nintendo Gehirnjogging Workshop

Event mit Köpfchen

Wenn ein Hersteller zu einem Presseevent lädt, sind Journalisten je nach Thema mehr oder weniger begeisterungsfähig. Nun ist es nicht so, dass üppige Buffets und Cocktails bis zum Abwinken grundsätzlich abgelehnt werden, aber mitunter sind die Veranstaltungen dermaßen von plakativen Werbebotschaften durchzogen, dass am Ende des Abends auch der letzte Zweifler ein HD-Remake von Solitäre für den innovativen Gipfel der Spieleentwicklung hält. Am letzten Donnerstag ging das Ganze sogar noch einen Schritt weiter – da stand sozusagen Gehirnwäsche auf dem Programm.

Nintendo hatte in der chilligen Lounge 2 im Herzen Münchens geladen, um den geistigen Fähigkeiten der Journalisten mit Dr. Kawashima: Mehr Gehirnjogging und Big Brain Academy Wii auf die Sprünge zu helfen. Nicht umsonst wählte man als Überschrift für den stimmigen Abend den Titel Nintendo-Gehirnjogging-Workshop. „Mittendrin statt nur dabei“ war das simple aber treffende Motto, das so manchen Mitläufer an diesem Abend an den Rande seiner Leistungsfähigkeit brachte. Aber genau dafür war Nintendo ja schließlich da, mit Hilfe von simplen Denksportaufgaben die kleinen grauen Zellen wieder auf Trab zu bringen. Und das gelang dank prominenter Unterstützung auf eine erstaunlich witzige Art und Weise.

Klar, ich weiß, was Ihr jetzt denkt, der gute alte Jörg Pilawa (seines Zeichens offizieller Dr. Kawashima-Botschafter in der deutschen Öffentlichkeit und Möchtegern-Günther-Jauch bei der ARD) quälte das Publikum vor Ort. Doch hier fällt schon das erste Veto, denn der sympathische Blondschopf mit dem Kifferlächeln glänzte durch Abwesenheit.

Christiane Stenger (links!) spornte zu Höchstleistungen an – den Mnemotechniken sei Dank.

Die ganze Veranstaltung glich auch weniger einer Quiz-Sendung als mehr einem esoterischen Selbsterfahrungstrip mit chillig gedämpfter blauer Beleuchtung, jeder Menge Aquarium-Blubberblasen-Flair und drei Dutzend Journalisten, die wissbegierig auf eine Offenbarung warteten. Stattdessen erschien ein wie immer gut gelaunter Stefan Gundelach, Pressesprecher bei Nintendo of Europe, der mit einer kurzen, kleinen Anekdote über ein alterndes Ehepaar den Erfolg des DS in alternativen Zielgruppen skizzierte, bevor eine echte Weltmeisterin die kleine Runde betrat. Die sah tausendmal besser aus als Jörg Pilawa und war dazu noch erfrischend originell und witzig: Juniorengedächtnisweltmeisterin Christiane Stenger, die zwar noch nicht bei Pilawa in der Sendung war, wohl aber bei Jauch.

Die gerade zwanzigjährige Politwissenschaftsstudentin (im achten Semester!) joggte mit den Gästen durch die spannenden Möglichkeiten des Gedächtnistrainings und wollte ihnen beweisen, dass nahezu jeder Mensch in der Lage ist, sich 20 auch durchaus komplizierte Begriffe innerhalb kürzester Zeit merken kann.

Dr. Kawashima: Perfektes Training für Supermarkt-Verkäuferinnen: Passend rausgeben!

Diese Aussage sorgte für den einen oder anderen verängstigten Gesichtsausdruck, denn die meisten Anwesenden scheitern wie ein Großteil der Menschheit daran, sich die eigene Einkaufsliste zu merken. Große Töne spucken kann jeder, aber Christiane bewies umgehend, dass sie sich in der Tat 20 verschiedene Begriffe wie Urknall-Singularität, Transsibirische Eisenbahn oder Rotationsmaschine behalten kann. Dahinter steckt keine Zauberei, sondern eine Jahrtausende alte Mnemo-Technik, die schon die alten Griechen benutzten. Durch diese war plötzlich auch jeder geistig normal Fitte im Raum in der Lage, sich diese wenig geläufigen Begriffsketten zu merken.

Das Geheimnis sind skurrile Visualisierungen, welche die Urknall-Singularität plötzlich auf der eigenen Schulter mit den sieben Zwergen tanzen lassen, und sich dadurch ins Gedächtnis einbrennen. Eines ist damit klar: Keiner der Anwesenden wird beim nächsten Einkauf Probleme haben, wenn er die Gurken in die Ohren stopft und mit den Versen Tomaten jongliert.

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