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No Man's Sky auf Nintendo Switch im Test: Jetzt fliege ich mal zum Zentrum der Galaxis auf einem 7" Screen

Es hat mich doch noch erwischt
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Erwartungsgemäß ist No Man's Sky auf der Switch nicht so hübsch wie andere Versionen. Nicht so erwartungsgemäß hatte ich das erste Mal lange Spaß mit dem Spiel.

Oh, No Man’s Sky, das Hingucker-Game von 2016 kommt auf die Switch. Yay… Okay, ein, zwei Stunden reinschauen, dass es läuft, ein wenig über das Inventar nörgeln, dann ist der Test am Samstag schnell in einer Stunde runtergetippt. Haken hinter, nächster Kandidat bitte.

Nun, das wurde mal nichts. Oh, es läuft. Und wie. Sicher, zwei Abstürze hatte ich - vor dem Update heute -, das ist nicht gut. Aber zum einen sind die automatischen Speicherpunkte oft und schnell für einen da, da ging nicht viel verloren. Vor allem aber waren es zwei Abstürze in über zwölf Stunden Spielzeit. Hat es mich also doch noch erwischt, dieses No Man’s Sky. Mit sechs Jahren Verspätung und in der definitiv schwächsten Version, aber anders, als man denkt, kommt halt öfters und stets unvermittelt.

No Man's Sky ist Elite in bunt. Kann ich gut mit leben.

Es hat sich auch einiges seit dem Launch damals getan. Vorsichtig gesagt. Hello Games haben ihr Prestige-Projekt nie wirklich zur Seite gelegt und es von einem prozeduralen Sightseeing-Crafting-Langweiler in ein beeindruckendes Open-World-Game mit etwas Sandbox hingebogen. Etwas mehr Story, Aufträge zwischen den Sternen und vor allem mehr Struktur im Universum. War es initial so, dass die Chancen auf einen Planeten zurückzukehren gleich null standen, baut ihr nun ein weites Netzwerk aus eigenen Basen auf, das von Schnellreisepunkten in Form von Raumstationen ergänzt wird. Recht zügig habt ihr ein grundlegendes Straßensystem zwischen den Sternen und das verändert unglaublich viel in dem Spiel.

Sicher, Stillstand ist immer noch nicht das Ziel. Es geht nach wie vor darum, das Zentrum der Galaxis zu finden und große Geheimnisse zu lüften. Das macht man nicht, indem man irgendwelche Basen in der letzten Ecke des Universums mit Zimmerpflanzen ausstaffiert. Aber zu der Zimmerpflanze zurückkehren zu können, erleichtert vor allem den Einstieg deutlich. Es geht am Ende immer noch ums Crafting und viel davon. Jeder Planet hat aber nicht alles vorrätig, sondern nur ein halbes Dutzend Grundbausteine. Auf gut Glück durch Universum zu hüpfen und vielleicht zu finden, was man sucht, nur um anderes wegzuwerfen, weil das Inventar zu klein war, war schnell frustig und bei mir seinerzeit der Todesstoß für das Spiel.

Deit 2016 hat sich bei der Fauna viel getan: So eine Art Sandwurm, um die hundert Meter lang, gab es früher nie. Jetzt auch nicht oft, aber so oft, dass man schon fündig wird und so selten, dass man sich freut, wenn ein Gigant auftaucht. Genau richtig also.

Sicher, dieses aufgeräumtere und in der Benutzerführung deutlich gestreamlinete Vergnügen hätte ich auch längst mit den weiter entwickelten und vor allem viel schöneren großen Versionen haben können. In 4K auf meiner Series X sieht das Universum so viel besser aus als auf dem kleinen Screen der Switch, aber die ist heute nun mal das Thema. Und kein unangenehmes, sonst hätte ich nicht freiwillig so viele Stunden damit zugebracht.

Sicher, insbesondere bei den Landeanflügen direkt vom Universum auf einen Planeten runter, merkt man deutlich, dass die Taschenrechner-Leistung der Switch ordentlich bremst und viel angepasst werden musste. Grundsätzlich durchfliegt ihr ein paar Sekunden lang eine Wolkendecke, durch die ihr nur schemenhaft die wahre Gestalt des Bodens unten erkennt. Und auch dann bleibt es erst einmal sehr undetailliert, während Daten verschoben und Geländeeigenschaften aufgebaut werden. Aber bis zu Zeitpunkt der Landung oder dem ruhigen Überflug hat sich das alles sortiert und ihr tretet auf einen fertigen Planeten. Auch hier geht es deutlich reduzierter bei den Texturen zu, aber gerade auf dem kleinen Bildschirm hat sich das alles trotzdem seinen ganz eigenen Charme bewahrt. Wasserwelten, Ascheplaneten oder veritable grüne Paradiese, alles hat diesen gewissen No Man’s Sky Look. Irgendwie jetzt ein wenig Lo-Fi, aber er ist da.

Natürlich wird immer noch jede Menge Zeugs in jede Menge anderes Zeugs gewandelt, aber mit besserem Zugang zu allem Zeugs stört mich das Zeugs nicht mehr so sehr.

Echte Sorgen hatte ich bei der Schrift, denn es gibt eine Menge davon, gerade in den Menüs. Aber entweder haben sich meine Augen mit meinem Stromspar-Experiment aktuell alles auf der Switch zu spielen arrangiert oder die Schriftart kommt dem kleinen Screen entgegen. Wahrscheinlich beides. Bei den Ladezeiten wurde ganze Arbeit geleistet. Eine knappe Minute zum Start, dann etwa 30 Sekunden beim Wechsel des Sonnensystems, manchmal etwas weniger. Sonst wird nicht geladen - okay, technisch gesehen wird dauernd geladen, aber das kriegt die Switch irgendwie gewuppt. Gute Programmierleistung, kann man nicht anders sagen.

Nach wie vor ist natürlich nicht alles in Butter. Ich denke immer noch, dass das Inventar zu klein ist. Zu viel wird hin- und hergeschoben. Es wird durch das bessere Vernetzen der Welten und Basen entschärft, weil ich Grundlegendes nicht horten muss, aber trotzdem, dieser Aspekt ist immer noch die größte Spaßbremse für mich. Der zuvor ungelenke Raumkampf wurde durch einen halbautomatischen Dogfight entschärft, was ihn nicht besser, nur erträglicher macht. Die blöden Sentinels, die euch auf vielen Planeten in Scharen belästigen, sind immer noch eine eher mäßige Story- und Gameplay-Idee. Und die Sternenkarte und -navigation… Sie ist nicht unbenutzbar. Das denkt ihr in den ersten Stunden nur. Nach und nach findet ihr aber heraus, dass sie grausig gelöst, aber mit gutem Willen eben doch benutzbar ist. Gerade so und sie bleibt immer unübersichtlich, aber immerhin. Also nein, auch nach sechs Jahren ist No Man’s Sky noch nicht alles, was es sein könnte.

No Man's Sky sieht auf der Switch schon wirklich okay aus. Aber auf den großen Konsolen wäre es so viel schöner. Aber von vorn fange ich jetzt nicht noch mal an.

Trotzdem, auf der untermotorisierten Switch diesen bunten Elite-Verschnitt mit all seinen Facetten zu haben ist erstaunlich. Im Grunde ist es eine technische Meisterleistung und spielerisch ausgereift: No Man's Sky für die Switch kann begeistern. Vor allem, weil es sich eben nicht nach einer zwangsportierten Notlösung anfühlt, sondern technisch so gut ist, wie man es erhoffen kann und sich einfach gut spielt. Dass mich nun endlich No Man’s Sky ausgerechnet auf der objektiv schlechtesten Version des Games so erwischte, mein Pech. Aber wer nur eine Switch hat, muss sich diese Gedanken nicht machen, sondern kann ohne Sorge endlich auch das erkunden, was wir einmal für das Spiel hielten, das uns alle geheimen Wünsche erfüllen würde. Nun, das hat No Man’s Sky ganz knapp nicht geschafft, aber als Fun-Space-Crafting-Sim-Action-Explorer leistet es ganze Arbeit und ich werde mich sicher noch viele Stunden auf dem kleinen Bildschirm in Richtung Zentrum des Universums vorarbeiten.

No Man's Sky Switch - Pro und Contra

Pro

  • Fast unendliches Universum mit noch mehr Planeten
  • Große Vielfalt an Welten, Vegatation und Fauna
  • Besser strukturierter Ablauf als zum Launch damals
  • Viele Raumschiffe, Upgrades und mehr motivieren immer
  • Für Switch kurze Ladezeiten, gut lesbare Schrift und solide Performance

Contra

  • Technisch mit Abstand schwächste Version und deutliche Abstriche bei der Optik
  • Das kleine Inventar bremst immer noch etwas zu sehr aus
  • Raumkämpfe sehr oberflächlich
  • Sternenkarte eine Katastrophe

Entwickler: Hello Games - Publisher: Hello Games - Plattformen: Nintendo Switch (ab jetzt), PlayStation 5, PlayStation 4, Xbox One, Xbox Series, Microsoft Windows - Release: 7.10.2022 (Switch), 2016 (Ersterscheinung) - Genre: Space-Sim - Preis (UVP): ca. 40 Euro

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

Über den Autor
Martin Woger Avatar

Martin Woger

Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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