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Nostradamus: Die letzte Prophezeiung

Von Wahrsagern und Weiblichkeit

Scheinbar waren Horoskope niemals zuvor so populär wie heute. Jedes größere Tagesblatt besitzt eine „Schau in die Sterne“-Rubrik und mein Receiver verrät mir, dass mindestens 6 Astrologie-Kanäle durch den Äther schwirren. Wer hat mit dem ganzen Hokus-Pokus angefangen? Naja, ihn zumindest massentauglich gemacht? Ein französischer Provinzapotheker namens Michel de Notredame – besser bekannt als Nostradamus. Und seines Zeichens auch Namensgeber für ein neues Adventure.

Im hohen Alter lebt besagter Apotheker mit seinen beiden Kindern zurückgezogen in seinem Anwesen. Eines Abends hallt ein lautes Klopfen durch die Hallen. Niemand geringeres als die geheime Regentin Katharina von Medici steht vor der Tür. Durchlaucht haben ein Problem: Eine Serie von Todesfällen erschüttert den Hochadel. Da er all dies bereits prophezeit hat, beauftragt ihre Majestät den Hellseher, sich dem Problem anzunehmen.

Dieser hat, geplagt von der Gicht, jedoch schon zu viele Sommer gesehen, und versichert deshalb, dass Sohnemann César die Aufgabe erfüllen wird. Dumm nur, dass dieser nicht im Lande ist. Damit liegt es nun an Töchterchen Madeleine, das Rätsel zu lösen. Kleiner Stolperstein: Wir schreiben das 16. Jahrhundert und Emanzipation gilt unter Gelehrten noch als gesellschaftliche Krankheit. Folglich bleibt ihr nichts anderes übrig, als die weiblichen Vorzüge gut zu verschnüren.

Während Madeleine in die Kleider ihres Bruders schlüpft, schlüpft der Spieler gleich mit, und zwar in ihre Haut. Das gesamte Spiel steuert sich fortan aus der Ego-Perspektive. Frei bewegen kann man sich nicht, man springt in groben Schritten von einem festen Schauplatz zum nächsten. Dort angekommen, können diese vollkommen frei, also in 360ーPanoramen, eingesehen werden. Was dabei geboten wird, ist in seiner Detailverliebtheit durchaus als aufwendig zu bezeichnen.

Darf ich vorstellen – Katharina von Medici, die erste Dame des Landes.

Da brechen Lichtstrahlen warm und sanft durch die Fenster auf eine Decke, deren einzelne Maschen detaillierte Schatten werfen, während im Hintergrund ... naja; nicht wirklich viel passiert. Leider sind die Räume selbst bis auf wenige Animationen ziemlich statisch gestaltet. Auch wirken sie hin und wieder etwas zu klinisch sauber für das 16. Jahrhundert. Unter uns: Das 16. Jahrhundert habe ich mir irgendwie etwas rauer und verbrauchter vorgestellt.

In punkto NPC's haben die Kheops Studios ebenfalls kräftig gespart. Nur wenige von ihnen laufen dem Spieler über den Weg. Aber es herrscht nun einmal die Pest, wer stürzt sich da schon gerne Getümmel? Gerade aus diesem Mangel an Action macht Nostradamus eine Stärke. Durch den sparsamen Einsatz von Charakteren und Effekten strahlt das Spiel eine beinahe friedliche Ruhe aus, die durchaus angenehm auffällt.

Emanzipation ist noch ein Fremdwort, daher verbringt Madeleine viel Zeit vor dem Kochtopf.

Nur ab und zu wird der Effekt durch die musikalische Untermalung gestört. Die meisten Stücke sind nicht zu aufdringlich und an sich hübsch anzuhören, allerdings passen sie nicht immer in das Renaissance-Ambiente. Wo wir auch schon beim Hauptaugenmerk des Titels sind. Dank der authentischen Möblierung und Verzierung der Schauplätze, und nicht zuletzt auch durch die Ego-Perspektive, wird eine gewisse Tiefe geschaffen, die einen in das Spiel eintauchen lässt.

Die Synchronisation trägt ihren Teil dazu bei. Zugegeben: Bei aller sprachlichen Tiefe wirken manche Dialoge für heutige Verhältnisse etwas hölzern. Jedoch schaffen die Sprecher den meisten Figuren eine ordentliche Portion Leben durch die Venen zu spülen. So reagieren sie beispielsweise zurückhaltend, spricht man sie in verkleideter Gestalt als César an, während sie gegenüber der hübschen Madeleine eher respektlos auftreten.

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

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