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Obi-Wan Folge 3: Blöde Fehler, dämliche Verfolgungsjagden, unfähiges Imperium, die Drölfte

Wird das noch mal gut?

Hey, Folge drei, Halbzeit und bis jetzt ist es noch nicht so schlimm wie Boba Fett, auch wenn irgendwie noch nicht so richtig viel passiert ist. Obi-Wan rettet sich mit Leia in Episode drei auf einen ziemlich öden Planeten und soll mithilfe von Hajas Koordinaten einen Rebellen-Kontakt treffen. Dieser taucht allerdings zunächst nicht auf, woraufhin ein nicht unspannender Spießrutenlauf – ok … es ist überwiegend eine Fahrt – beginnt.

Auf dem Höhepunkt der Folge gibt es das Wiedersehen zwischen Vader und Kenobi, dem eine überraschend brutale Sequenz vorausgeht. Die macht erst einmal bestens klar, warum Vader so gefürchtet ist. In der ursprünglichen Trilogie übte er deutlich mehr Zurückhaltung, aber das lässt sich vielleicht mit seinem jüngeren Alter erklären und der Tatsache, dass das Imperium noch nicht ganz so gefestigt ist, wie eben in den älteren Filmen.

Insgesamt ging die Folge ein ordentliches Tempo, auch wenn das angesichts der Tatsache, dass wir am Ende wieder dort sind, wo wir zum Ende der zweiten waren, vielleicht nicht so ganz stimmt: Obi und Leia sind wieder getrennt, letztere in der Gewalt der Inquisitoren. Im Grunde diente Folge drei also nur als Macht-Inventur zwischen Darth Vader und seinem alten Meister – und um Indira Varmas hinter feindlichen Linien eingeschleuste Widerständlerin Tia vorzustellen. Mein Highlight war allerdings der neue Verlade-Droide Ned-B, der am Ende den Tag rettet. Ich schaue mittlerweile eigentlich ganz gerne zu. Und jetzt kommt das "Aber"…

Die Inquisition zerfleischt sich weiter selbst.

Aber das war abermals extrem holprig und bisweilen hanebüchen dämlich, was da passierte: Obi-Wan rutscht im Laster mit Sturmtruppen zufällig Leias echter Name raus, wodurch er ihre Tarnung gefährdet. Später, bei der Kontrolle an einem Checkpunkt des Imperiums, werden die beiden dann gestellt und Obi-Wan kann unter den vorgehaltenen Waffen mehrerer Sturmtrupplern einfach seinen Blaster ziehen und jeden einzelnen von ihnen erledigen. Das ist noch dümmer als bei Mandalorian am Ende von Season eins, als die Helden der Geschichte so gut wie unbeschadet aus der belagerten Bar stürmen und sich retten können. Ich nehme das zurück. Es ist beides gleich dumm, aber diese Szenen potenzieren einander.

Später dann ist der Zweikampf zwischen Vader und Obi-Wan ein Problem, weil ihr Dialog beim schicksalhaften Aufeinandertreffen in Episode IV den Ereignissen von Folge drei zuwiderläuft. Wenn Vader 1977 sagt, "Der Kreis schließt sich. Als ich euch verließ, war ich euer Schüler, jetzt bin ich der Meister …", passt das einfach nicht zu dem, was wir in dieser Serie zu sehen bekommen. Klar, weil die Verantwortlichen nie mit dieser Serie geplant hatten. Ich wünschte einfach, die Autoren dieser Show hätten den Kanon besser im Griff. Er droht ihnen zu entgleiten und auf den Fliesen der Disney-Studios zu zerschellen, falls er das nicht schon ist.

Auch der Kampf selbst war ziemlich ernüchternd. Es ist die zweite immens unlogische Verfolgungsjagd in drei Folgen. Nachdem sich in der Pilotfolge zwei Trottel und ein Bassist im Wald dabei in Grund und Boden blamiert hatten, ein zehnjähriges Mädchen zu fassen zu bekommen, läuft Obi-Wan nun vor Vader weg, der ihn im Schritttempo immer wieder einholt. Ihn teilweise sogar überrascht. Das war aufs Neue zum Kopfschütteln, was man auch über die letztliche Rettung unseres Helden sagen kann.

Indira Varma ist fast immer gut. Ich bin gespannt, ob sie wie so viele Star-Wars-Nebencharaktere auch einfach so verschwinden wird.

Man hört die Sturmtruppen noch sagen, sie kämen nicht am Feuer vorbei, allerdings gibt es eine Einstellung, die das Gegenteil beweist, dafür hätten sie aber ein paar Schritte einen schulterhohen Sandhügel hinauf joggen müssen. Und warum Vader auf die paar Meter Distanz nicht einfach wieder mit der Macht zugegriffen hat … das weiß wohl nur er selbst. Dass Obi-Wan, Ned-B und Tia im Anschluss dann so restlos aus dem Suchradius des Imperiums verschwunden sein sollen, wirkt auch über alle Maßen unglaubwürdig… Und ich merke, dass ich mich schon wieder aufrege.

Eigentlich ist Ewan McGregor der einzige echte Grund, warum ich das hier noch weiterschaue – und weil ich natürlich hoffe, dass sie es am Ende doch besser machen als die ganzen letzten Jahre. Nur noch drei Folgen, dann habe ich erst mal wieder Ruhe, bevor ich mir Andor dann schenken werde – denke ich zumindest. Vielleicht ist es mal wieder an der Zeit, mich mit der ursprünglichen Trilogie zu erden. Eventuell weiß ich danach auch sicher, ob es an mir liegt, dass der Zauber verflogen ist oder ob der neue Kram einfach nur schlecht geschrieben ist. Kleiner Scherz, eigentlich weiß ich die Antwort längst.

Über den Autor

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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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