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Operation Flashpoint: Dragon Rising

Ab an den Krisenherd!

ABER.

Nein, schlechter Einstieg. Mit dem großen ABER zu beginnen, das funktioniert nicht und wäre nicht fair. Also anders. Reboot.

Manchmal wünschte ich, die Welt wäre ein Ego-Shooter. Falls jemand von der CDU/CSU mitliest, bitte nicht hyperventilieren und die 110 wählen, es geht mir lediglich ums Thema Orientierung: Als klassischer Irrläufer fröne ich nämlich gern linearen Ballerfreuden ohne Pfadfinderproblematik. Actiontiteln, in denen sich links und rechts des Weges unüberwindbare Hindernisse wie 20 Zentimeter hohe Bürgersteige auftürmen und mir unmissverständlich mitteilen: Einfach dazwischen durchquetschen, Orientierungs-Autist! Vorausgesetzt, prächtig inszeniertes Drumherum-Gedöns lenkt mich von den Design-Unschönheiten ab. So wie in Call of Duty 4.

Ich mag das: Von A nach B latschen, Pixelfritzen umnieten, vielleicht ein bisschen vor ihnen rumhüpfen wie ein Karnickel auf Speed, um nicht zu oft getroffen zu werden. Kurz in Deckung gehen, Wunderheilung abwarten, weiterballern, Welt gerettet, aus die Maus. Dragon Rising fühlt sich komplett anders an. Gebe ich hier meinen Standard-Shooter-Trieben nach, spielt es sich wesentlich kurzlebiger, nämlich so: Losrennen, Kugeln pfeifen hören, tot, frustrierter Biss in die Maus und aus.

Eigene Bilder anzufertigen, war leider nicht erlaubt.

Eigentlich müsste ich diesen Titel abgrundtief hassen und auf gut Deutsch sagen: Open World go home! Ist aber nicht so. Ein Grund: Obwohl Dragon Rising komplette Bewegungsfreiheit bietet, fühlt der Spieler sich nicht allein gelassen. Das hat die zwei Missionen umfassende Vorabversion bewiesen, die ich kürzlich im Anschluss an eine Präsentation einsacken durfte.

Operation Flashpoint ist so eine Sache. Es mag Menschen geben, denen angesichts der realitätsnahen Infanteristen-Simulation die Füße ins Koma fallen. Verständlich, kriegt man während der Kämpfe das Feindgesindel doch kaum zu Gesicht: Feuergefechte spielen sich fast immer auf große Entfernung ab, wobei sich die böse Brut dann meistens noch irgendwo im Gebüsch verbirgt, hinter Sandsäcken verschanzt oder in Häusern lauert. Euer Alter Ego startet in einem schmucken Tal ins Abenteuer. Vor ihm breiten sich weitflächige Wiesen aus, hier und da durchwebt von Blumen. Kleinere Baumgruppen setzen kräftigere Akzente. Die Umgebung wirkt so idyllisch, man möchte fast glauben, dass gleich der Bärenmarke-Bär mit seiner Milchkanne von der sanften Anhöhe im Süden herunterschlappt. Ein ganz in der Nähe qualmendes Wrack, militärisch zackiger Funkverkehr, in der Ferne bellende Schüsse und mächtiger Artilleriedonner holen einen aber fix in die virtuelle Realität.

Operation Flashpoint: Dragon Rising – Waffensysteme

Der Protagonist und ein Trio Computerkumpels in US-Kampfklamotte – beim fertigen Spiel dürfen diesen dreien dank des kooperativen Modus auch Menschen Leben einhauchen – sollen eine fiktive Insel vor chinesischen Invasoren befreien, um einen globalen Konflikt zu verhindern. Natürlich! Das Motto lautet also wieder: Gestatten, bitte lassen Sie uns durch, wir sind die Welt-Polizei. Dieses Klischee achtlos links liegen lassend, geht es in der Ich-Perspektive, dem ersten Wegpunkt folgend, den südlichen Hügel hinauf. „Schütze, 300 Meter im Süden!“, tönt es plötzlich über Funk. Statt eines plüschigen Gute-Laune-Bären mimen zwei Asiaten das Begrüßungskomitee.

Alleine den Feind über Kimme und Korn zu erspähen, stellt eine Herausforderung dar. Aber gerade das machte schon den ersten Teil anno 2001 aus: Das gehetzte Umsehen und die Angst, aus dem Nichts getroffen zu werden. Ihr nehmt während eines Spurts zur nächstmöglichen Deckung oft nur noch die singenden Projektile wahr, das Rascheln des hohen Grases und euer schweres Atmen. Dann heißt es: Schnell Rübe einziehen, Lage sondieren, zurückschießen – zur Not auch aus der Horizontalen.

Habt ihr euch einen Treffer eingefangen, wird’s erst richtig hektisch. Es gilt, schnellstmöglich zum Verbandskasten zu greifen. Andernfalls blutet der Protagonist nämlich so lange lustig vor sich hin, bis er tot aus den Stiefeln kippt. Komplette Selbstheilung? Vergesst es! Echte Helden müssen in der Folgezeit eben mit weniger rotem Pixelsaft auskommen und damit leben, noch näher als ohnehin an der Schwelle des virtuellen Todes zu balancieren.

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