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Pool Party

Poor Party

"Eine Party, die ist lustig, eine Party die ist schön!", heißt es gemeinhin und in erster Linie soll eine gesellige Zusammenkunft ja Spaß machen. Wer seine Feier jedoch mit Pool Party für Nintendos Wii aufwerten möchte, begeht einen folgenschweren Fehler, denn das Gegenteil wird damit erreicht. Abgesehen von einigen rudimentär funktionierenden Gameplay-Aspekten hinterlässt die Billard-Simulation einen mehr als halbgaren Eindruck.

Zum Test lag uns die "limitierte Auflage" samt Wonderstick vor, doch dieser Plastikqueue, in den man die Wiimote hineinklemmt, erwies sich für das Spielgefühl als völlig nutzlos. Weder entsteht durch seine Verwendung das Gefühl wirklich Billard zu spielen, noch bringt er irgendwelche Vorteile - etwa im Gegensatz dazu, wenn man diesen Aufsatz nicht benutzt. In der Praxis erweist sich dieser Controller-Aufsatz vielmehr eher als störend, keiner wird lange mit diesem Ding vor dem Fernseher rumfuchteln wollen.

Egal, für welchen der 13 Spielmodi Ihr Euch entscheidet (Pool, Snooker, Blackjack etc.), Pool Party macht spielerisch nur sehr wenig richtig, azu gehören gerade einmal die rudimentärsten Abläufe des Billard-Spiels. Nach kurzer Einspielzeit gelingt Euch sicher der eine oder andere Stoß und die Kugeln landen sogar in den angepeilten Taschen. Doch das ganze Spielgefühl ist mehr als unbefriedigend und an allen Ecken und Enden zeigen sich die gravierenden Mängel.

Auf den ersten Blick stößt bereits die fast schon archaisch anmutende Optik ab. Den negativen Höhepunkt bilden riesige, superhässliche Icons (Spielerkopf, Kugel), die die ohnehin eingeschränkte Sicht auf das Spielgeschehen noch zusätzlich behindern. Wer sich im Web bei kostenlosen Minigames umsieht, wird dort bereits deutlich hübschere und viel detailliertere Spielflächen finden.

Warum nur muss ich mir ständig diese Visage ansehen?

Viel schlimmer als das grafische Debakel ist aber natürlich, dass Pool Party spielerisch versagt. Zum einen steht Euch ständig die Kameraperspektive im Weg. Ihr habt zwar die Wahl zwischen insgesamt sechs verschiedenen Ansichten auf den Spieltisch, davon sind aber nur zwei halbwegs vernünftig verwendbar. Die anderen sind so sinnvoll wie eine Blinddarmentzündung, zumal sich die Perspektiven nicht vernünftig anpassen lassen. Das führt im Umkehrschluss jedoch dazu, dass man oft gezwungen ist, die weiße Kugel selbst dann zu stoßen, wenn man eigentlich gar nicht optimale Sicht auf das Geschehen hat.

Auf der anderen Seite haben die Entwickler das Spiel nur mit einfachsten Mitteln an die Wii angepasst. Besonderer Einsatz der Wiimote beschränkt sich daher nur auf das Auslösen des Stoßes per Bewegungssensorik. Wer davon träumt, zumindest die Stärke des Stoßes selbst per Feingefühl steuern zu können, darf weiterträumen. Bei Pool Party beeinflusst Ihr die Stärke lediglich durch das Steuerkreuz - vor dem eigentlichen Stoß. Dummerweise läuft auch die Aktivierung des Stoßes häufig schief. Entweder wird die Bewegung (Drücken von B und nach vorne führen der Wiimote) nicht erkannt, dann wieder genügt die kleinste Bewegung des Handgelenks, beziehungsweise sogar Zurückziehen der Fernbedienung entgegen der Stoßrichtung. Das ist nicht nur nervig und störend, es widerspricht auch dem eigentlichen Bewegungsablauf beim Billard und zerstört damit auch noch das kleinste bisschen Atmosphäre. Von Interaktivität kann hier leider gar keine Rede sein.

Ach egal, einfach mal draufhalten!

Wer sich davon noch nicht abschrecken lässt, wird garantiert vom schrecklichen Sound in die Flucht geschlagen. Schon die generischen "Songs" sind an Billig-Attitüde kaum noch zu unterbieten. Was man uns jedoch als "Geräusche" andrehen will, ist vollkommen hanebüchen. Knistergeräusche, die schon nach Sekunden jeden geneigten Fan zur Verzweiflung bringen, sind wohl kaum das geeignete Ambiente für eine entspannte Partie Billard - vom restlichen Soundwahnsinn ganz zu schweigen.

Pool Party vermag es auch abseits dieser vielen Baustellen keinerlei Motivation aufzubauen. Es gibt weder einen Turniermodus noch eine Kampagne, die Euch länger als 30 Minuten bei der Stange halten würden. Abgesehen davon haben die freischaltbaren Inhalte, wie etwa neue Queues, keinerlei Einfluss auf den Spielablauf. Die KI-Gegner überraschen dagegen mal mit geglückten Stößen über 3-4 Banden, dann wieder versagen sie bei simpelsten Einloch-Übungen. Bei RPGs nennt man das Chaotic Evil, hier ist alles andere als lustig.

Es ist schon ein Ding, was uns hier mit Pool Party vorgesetzt wird. Die Spielmechanik ist so rudimentär wie irgend möglich, selbst das bei Wii Play integrierte Billard funktioniert intuitiver und besser. Von den Fähigkeiten der Wii wird dagegen nur ansatzweise Gebrauch gemacht, was schon mal sehr enttäuschend ist. Zu allem Überfluss funktioniert die Gestensteuerung dann aber nur unzureichend und ist so ungenau, dass man sehr rasch die Lust verliert. Von Party-Spaß kann hier also überhaupt keine Rede sein - im Gegenteil. Wer eine Runde Billard an der Wii spielen möchte, sollte auf Wii Play zurückgreifen und hat damit unter Strich deutlich mehr Spaß (für weniger Geld), als mit diesem höchst ärgerlichen Machwerk. Schade, dass unsere Wertung keiner 0er zulässt – Pool Party hätte sie verdient.

Pool Party ist bereits im Handel erhältlich.

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