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Prince of Persia Retro & Highborn

Rundentaktik meets Echtzeitfrust

Prince of Persia Retro

Ubisoft / 55,3 MB / 0,79 Euro

Retro? Ehrlich? Das Teil über 50 MB. So groß war nicht mal die Festplatte in dem PC, auf dem ich Prince of Persia spielte. Insoweit ist „retro“ natürlich ein klein wenig geschummelt. Ubisoft hat die Optik und den Sound ein wenig poliert. Dabei gab man sich netterweise Mühe, den minimalistischen Esprit trotz Entstaubung nicht über Gebühr zu strapazieren. Und auch wenn die kleinen Jingles jetzt akustisch reiner klingen, wird der Fan sie doch genauso wie die Originale ins Herz schließen können.

Mit der Steuerung hapert es aber leider mal wieder, wie es ja so häufig der Fall ist, wenn von Taste direkt auf Touch portiert wird. Prince of Persia ist unvergebend und das selbst bei kleinen Fehltritten. Spätestens ab Level 5 oder 6 muss jeder Schritt sitzen und eure Konzentration muss hier noch höher sein. Der Screen erkennt die Eingaben, aber ohne das beruhigende Gefühl des Gingers auf der Taste vor dem Anschlag kostet das mitunter deutlich mehr Nerven. Behaltet ihr sie, dann klappt das auch alles. Meistens.

Kennt ihr das Jingle noch, das gleich ertönt?

Das Spiel selbst hat nur wenig von seinem Charme verloren und es ist leicht erkennbar, warum die Serie heute immer noch unterwegs ist. Beinahe jeder Raum – gescrollt wird nicht, nur screenweise umgeschaltet – stellt ein kleines Rätsel oder eine Herausforderung an die Fingerfertigkeit in sich dar. Ihr müsst überlegen, euch einen Plan zurechtlegen und dann fehlerfrei loslegen, um weiterzukommen. Lediglich die Kämpfe, bis heute eine Schwäche des Prinzen, waren auch damals schon eher mau. Ein wenig vor und zurück, decken und bei den späteren Feinden das Beste hoffen. Eher lahm, vor allem im Vergleich zu den ausgetüftelten Sprüngen und Klettereien.

Prince of Persia galt damals als harte Nuss, die Touch-Steuerung macht es nicht leichter. Wer diesen Klassiker mag, sollte auf jeden Fall zugreifen, alle anderen seien allerdings gewarnt: Das ist ein Spiel, in das man sich hereinarbeiten muss. Angesichts dieses Preises will ich euch aber nicht davon abhalten, es zu versuchen.

Highborn

Jet Set Games / 61,8 MB / 0,79 Euro (nur das Wochenende zum 4. Juli, danach teurer)

Highborn versucht es mit Humor, Fantasy und rundenbasierter Taktik. Das ist gewagt. Der Humor, nicht der Rest. Wir haben eine neunmalkluge paladineske Lichtgestalt als Guten, einen Fürsten der Unterwelt als Bösen und von Zeit zu Zeit reißen die beiden einen Witz, der zwar platt, aber lustig ist. Zumindest halbwegs. Den Rest der Zeit geben sie sich Mühe und das ist doch auch was. Vor allem, wenn man es schnell wegdrücken und ignorieren kann.

Dass das Spiel dahinter weit besser, sogar richtig gut wurde, ist dann die eigentliche Überraschung. Statt sich auf den Kalauern auszuruhen, schraubte man einen richtig netten Warsong-Verschnitt zusammen und versah den sogar noch mit ein paar halbwegs eigenständigen Ideen. Auf einem Dutzend großen Karten – weitere folgen per Download, tendenziell gegen Bezahlung – startet ihr mit einer klitzekleinen Truppe und müsst erst einmal ein paar Dörfer und Klöster besetzen, um deren Truppen zu rekrutieren. Anschließend geht es auf die Suche nach dem Unhold des Levels in Form irgendwelcher Sagen-Monster.

Rundenbasiert. Fantasy. Ich liebe mein iPhone.

Kommt es zum Kampf, metzeln die jeweils zehn Einheiten pro Gruppe aufeinander ein. Abhängig vom Gelände, unterstützenden Fernangriffen von Magiertürmen und anderen Einflüssen geht das Ganze dann gut oder weniger optimal für euch aus. Steuern könnt ihr den Kampf nicht, als muss man sich vorher überlegen, wo man es zur Konfrontation kommen lässt. Dass die Feinde alle Örtlichkeiten und die damit verbundenen Einheiten zurückerobern können, sorgt für eine spezielle Note und gelegentlich für milde Panik. Wer will schon zusammen mit dem Kloster den dazugehörigen Heiler verlieren.

Wenn man dem Spiel etwas vorwerfen kann, dann sind es das mitunter recht behäbige Tempo des Ablaufs auf den großen Karten, mehr noch aber die sehr mäßige Touch-Steuerung. Man kann nach vielen, vielen Spielen ausschließen, dass das iPhone hier schwächelt. Es ist einfach schlecht programmiert und mitunter braucht es fünf Versuche, bis endlich die Eingabe erkannt wird. Da nichts unter Zeitdruck geschieht und jede Eingabe eine – erstaunlicherweise immer funktionierende – Bestätigung sucht, ist es letztlich mehr ein Ärgernis als alles andere, aber ein Update, das diesen Fehler behebt, würde das Spiel deutlich aufwerten.

Es bleibt trotzdem ein umfangreiches, über einen Facebook-Account sogar im Multiplayer zu betreibendes, komplexes Vergnügen für Fantasytaktiker mit einem nicht zu niedrigen Gedulds-Wert. Geradezu erfrischend tiefgründig und durchdacht wirkt das Ganze angesichts der unzähligen App-Quickies und Castle/Tower/Sonstwas-Defender. Wenn da der Humor oder einige Eingaben nicht immer ganz auf den Punkt sitzen, lässt sich leicht verschmerzen.

7 / 10

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

Über den Autor

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Martin Woger

Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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