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Pro Evolution Soccer 2009

Die Evolution der Evolution

Vor fast einem Jahr bezeichnete Kollege Fabian das erste Wii-Pro Evo als „Einblick in das, was mit der Wii-Steuerung alles möglich wäre und ist“, aber auch nur als „netten Versuch“. Und er hatte Recht damit. Dies war eine vollkommen neue und sehr gut funktionierende Art und Weise, Fußball zu spielen. Noch dazu eine, die EAs direktem Wii-Konkurrenzkick zeigte, wie man es besser machen konnte. Aber sie war auch noch nicht ganz fertig.

Elf Monate später soll nun der Nachfolger erscheinen und die letzten Ecken und Kanten auswetzen, die das innovative Taktik-Fussballspiel dann letzten Endes doch noch auf die 7 von 10 Punkte herunterzogen, die wir am Ende vergaben. Konami hat sich anscheinend die Kritik zu Herzen genommen und das zweite Wii-Pro Evo in Sachen Handhabung und Umfang massiv aufgewertet. Wo sollen wir nur anfangen?

Eventuell beim Wichtigsten: Das Grundkonzept ist immer noch das gleiche. Per Nunchuck bewegt Ihr immer nur den ballführenden Spieler direkt, während Ihr mithilfe eines Fernbedienungscursors soviele Mitspieler wie Ihr wollt in den freien Raum zieht und die exakte Bahn eines tödlichen Zuspieles festlegt. Das stellt anfangs gehobene Ansprüche an Eure Multitasking-Fähigkeiten, sorgt aber schon nach kurzer Eingewöhnungszeit für einen deutlich strategischeren Spielablauf, der sich weitaus flexibler und freier anfühlt, als bei der konventionellen PES-Variante.

Schließlich scheucht hier die etwas starrsinnige KI die Teamkollegen immer etwas wie auf Schienen über das Grün. Auf der Wii muss die künstliche Intelligenz hingegen nicht mehr Eure Gedanken lesen. Zumindest nicht mehr Vollzeit. Wann und wie immer Ihr wollt, erzeugt Ihr aussichtsreiche Überzahlsituationen - etwa für zermürbendes Pressing oder um in letzter Minute noch auf den Ausgleich zu drängen -, oder überrascht Euren Derby-Gegner mit unkonventionellen Laufwegen.

In Sachen Flexibilität ist die Wii-Variante ungeschlagen.

In der letzten Ausgabe gab es allerdings einige Probleme in der Verteidigung und im Abschluss. Vor dem Tor des Gegners geriet die Suche nach dem perfekten Schuss immer zum hektischen und unkontrollierten Gestocher. Für den Torschuss war nämlich eine Wackelbewegung des Nunchucks vonnöten, während die CPU es den Spielerwerten überließ, Treffgenauigkeit und Wucht des Leders zu bestimmen. Man hatte nicht einmal Einfluss darauf, ob man das kurze oder lange Eck anvisierte, was mir schon vor elf Monaten ein echtes Rätsel war.

Warum hatte man das so befriedigend funktionierende Point ‘n‘ Pass-Konzept nicht auch auf die Schüsse übertragen? Jetzt ist es jedenfalls drin. Und wie wir uns auf einem Lokaltermin bei Konami überzeugen konnten, fühlt es sich auch ganz ausgezeichnet und vollkommen natürlich an, per Wii-Remote und B-Taste die Bahn des Schusses festzulegen und dann in der gewünschten Stärke abzuziehen.

Ein weiteres Problem war das verflixt passive Abwehrverhalten der eigenen Teamkollegen, das regelmäßig für astronomische Torverhältnisse auf den Anzeigetafeln sorgte. Hier war man viel zu sehr dem Wohlwollen und dem Talent seiner Verteidiger ausgeliefert, was angesichts des enormen Kontrollgewinns in der Offensive fast schon befremdliche wirkte. Nicht „Werder Bremen kickt jetzt in der unteren Tabellenhälfte“-befremdlich, aber nah dran.

In 2009 bekommt der Spieler wieder mehr Kontrolle zurück. Die Spieler rücken dem ballführenden Gegner nun besser auf die Pelle, während man mithilfe des Sticks Einfluss darauf hat, aus welchem Winkel man die Schienbeinschoner des Eindringlings auf die Tribüne treten will.

Man weiss die neuen Möglichkeiten schon sehr bald zu schätzen.

PES 2008 hatte noch ein Problem vieler Serien-Testballons auf neuen Konsolen: Es war vom Umfang her ziemlich mager. Neben dem Champions Road-Modus des letzten Jahres bietet die 2009er Ausgabe nun immerhin auch das Champions League-Turnier und den sehr umfangreichen Meisterliga-Modus, in dem man einen Verein wie gehabt über theoretisch unendlich viele Saisons leitet und dabei Talente entwickelt und die Pokal-Vitrine füllt. Die Meisterliga ist seit Ewigkeiten der Modus, in dem ein Großteil der PES-Aficionados seine Freizeit verbrennt.

Zwar sind hier auch keine großartigen Neuerungen zu erwarten, dass ich die ML aber in der PS3-Version schon wieder wochenlang und regelmäßig spiele, zeigt auch, dass an diesem Modus immer noch irgendwas dran ist. Trotz aller Unverwüstlichkeit der Spielerzucht und Aufstellungsfeilerei wird man vermutlich auch auf dem Wii spätestens aber der dritten Saison wieder mehr Geld verdienen, als selbst Manchester City jemals ausgeben könnte. Vielleicht darf man ja im nächsten Jahr endlich mal seine Spielwährung ins Stadionumfeld und dergleichen stecken?

Die lobenswerte Ausdehnung des Spielumfanges reicht jedenfalls glücklicherweise auch bis in den Multiplayer-Bereich hinein. Diesmal sollen an zwei online verbundenen Konsolen bis zu acht Spieler gegeneinander kicken können. An jeder Konsole ist dabei ein Teilnehmer mit der Point and Drag-Kontrolle sozusagen der Chef auf dem Platz, während die menschlichen Mitspieler entweder die Wii-Remote quer halten oder den Classic Controller benutzen, um einzelne Athleten direkt zu steuern.

Auch wenn das Spiel optisch immer noch den Eindruck erweckt, man kicke auf der PlayStation 2, hat Pro Evolution Soccer Wii mit dieser Ausgabe das Potential, der unangefochtene König seiner Disziplin zu werden – und das ist etwas, was man auf PC, Xbox 360 und PS3 nicht mehr von sich behaupten kann. Nahezu jeder Kritikpunkt wurde von den PES Productions ziemlich konsequent angegangen und der Umfang stimmt auch endlich wieder. PES 08 mag ein „Einblick“ in die Möglichkeiten der Wii-Steuerung gewesen sein, PES 2009 ist jedenfalls auf dem besten Wege, sich das Prädikat „Musterbeispiel“ an‘s Rever zu heften.

Die Wii-Version von Pro Evolution Soccer 2009 erscheint, rechtzeitig zur Fortsetzung der WM-Quali, am 26. März.

Über den Autor

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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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