Wenn du auf einen Link klickst und etwas kaufst, können wir eine kleine Provision erhalten. Zu unseren Richtlinien.

Racket Sports

Spiel, Satz und... naja

Erscheint eine neue Hardware, egal ob Konsole oder Add-On, dann gibt es meist ein paar richtig gute Titel, die zeigen, was sie drauf hat. Im Grunde die Spiele, die man martialisch als Killer-Application bezeichnet. Gleichzeitig gibt es dann aber auch einen großen Berg an Ich-Auch-Titeln, hastig und mit niedrigem Budget zusammengeschustert, die nur eine Aufgabe haben: Ein paar unbedarften Spielern die Kohle aus der Tasche zu ziehen, bevor sich allgemein herumspricht, dass es sich bei dem betreffenden Titel eigentlich um ziemlich billigen Software-Schrott handelt. Gehört Ubisofts Racket Sports jetzt aber zu ersten oder doch vielleicht eher zur letzteren der beiden Gruppen?

Leider stehen die Zeichen nicht sonderlich gut. Das beginnt schon, wenn man sich die Herkunft des Spiels ansieht: Im Grunde ist Racket Sports die aufgebohrte Umsetzung des bereits im Mai erschienenen Racket Sports Party für die Wii – nur eben ohne das Anhängsel "Party" am Namen. Und auch sonst ist Racket Sports nicht allzu eigenständig: Spielerisch orientiert sich der Titel vor allem am klassischen Wii-Sports-Tennis: Eure Figur läuft automatisch über den Platz, ihr seid allein für die korrekten Schläge und das richtige Timing zuständig.

Das Drumherum ist dabei gar nicht mal schlecht: Gut 30 verschiedene Szenarien und viele verschiedene vorgefertige Figuren erwarten euch. Die Grafik ist dabei durchweg recht hübsch anzusehen und ihr bekommt mit Tennis, Tischtennis, Squash, Badminton und Beach Tennis fünf Sportarten, die sich zwar schlägerbedingt natürlich alle ein gutes Stück ähneln, aber dennoch ein paar spielerische Unterschiede bieten. Dann ist da noch ein Party-Modus, der ein paar Random-Elemente ins Spiel bringt, ihr könnt gleichzeitig zu viert antreten und es stehen zwei Steuerungsvarianten – eine einfachere und eine komplexere – zur Auswahl.

Wo ist also das Problem? Kreisen wir es mal ein. Man kann sich zum Beispiel keine eigenen Avatare basteln und die vorhandenen, großkopferten Figuren können sich in Sachen Charme nicht annähernd mit Nintendos Miis messen. Und müssen sich denn alle vorgefertigten Figuren exakt gleich anfühlen? Warum keine verschiedenen Attribute? Aber damit kann man ja eigentlich noch leben. In erster Linie problematisch ist die eigentliche Spielbarkeit.

Schlagt ihr den Ball, ist es mit der freien Bewegung des Schlägers – und dafür ist Move ja schließlich da – nämlich vorbei. Ihr führt die Vorhand-Bewegung aus, aber erst einen kurzen Moment später tritt auch die Figur auf dem Bildschirm in Aktion. Und das wars dann mit der gewünschten Immersion. Anstatt eure Bewegungen auf den Schirm zu übertragen, werden lediglich eure Gesten in vorgefertigte Animationen umgesetzt. Naja, und das könnte man auch genauso gut mit einem normalen Controller haben.

Racket Sports - Gameplay-Video

Gut, so einfach ist es dann ja doch nicht. Es gibt tatsächlich ein paar Variationen. Mit gehaltenem T-Knopf haut ihr etwas saftiger zu, haltet ihr den Controller in Richtung des Balles, dann gibt euer Spieler etwas mehr Gas. Aber auch das birgt wieder einen Nachteil: Beherrscht ihr diese zwei Aktionen, kann praktisch jeder Ball gespielt werden – Matches laufen mit der Zeit nur noch darauf hinaus, dass ein Spieler auf einen Steuerungsfehler seines Gegners wartet anstatt zu versuchen, ihn gekonnt auszuspielen.

Auch die verschiedenen Spielmodi bieten nicht sonderlich viel Abwechslung. Ihr bestreitet Match um Match und verdient euch so im Karrieremodus vielleicht mal den ein- oder anderen Pokal, sonderlich spannend ist das allerdings ebenfalls nicht. Und damit haben wirs dann auch – Probleme mit der Steuerung, wenig abwechslungsreiche Spielmodi und fünf Sportarten, die sich alle sehr ähnlich anfühlen – hier können wir wirklich nicht zum Kauf raten.

Damit ist klar, in welche der beiden eingangs erwähnten Kategorien Racket Sports fällt. Ubisoft liefert eine wenig inspirierte und scheinbar hastig konvertierte Sportsammlung ab, die gerade in den Aspekten scheitert, auf die frischgebackene Move-Spieler den größten Wert legen. Da mag die HD-Grafik gut aussehen und der Online-Modus locken, wenn es an den spielerischen Grundlagen fehlt, dann reißt der Rest auch nichts mehr heraus.

Racket Sports ist ab sofort für die PS3 im Handel erhältlich und setzt den Move-Controller voraus.

4 / 10

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

Über den Autor

Thomas Nickel Avatar

Thomas Nickel

Autor

Fest in der 16Bit-Ära verwurzelt, lehrt der freie Autor Spielegeschichte an der Frankfurter Games Academy. Wird eher selten vor Ego-Shootern gesichtet.

Kommentare