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Razer Leviathan V2 PC-Soundbar Test – Endlich frei…

Es geht also auch ohne Kopfhörer. War mir neu...
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Gute Features und Bedienung machen diese kompakte Soundbar zum wohlklingenden Befreiungsschlag vom Kopfhörerdiktat am Spiele-PC.

Interessant, wie aktuell gerade zwei Geräte, die ich zum Testen hier habe, meine Arbeitsweise doch ziemlich umkrempeln. Und zwar zum Guten. Von einem berichte ich euch nächste Woche, das andere ist Razers Leviathan V2, eine PC-Soundbar mit Subwoofer.

Gut, das ist jetzt eher was Persönliches, aber ich muss zugeben, dass ich in den letzten zehn Jahren ein ziemliches Kopfhörerkind geworden bin. Es ging damit los, dass mir gute Lautsprecher lange zu teuer und unpraktisch waren (die Nachbarn!). Schnell fand ich heraus: Für das Geld nur einer anständigen Box bekommt man richtig tolle Kannen auf die Ohren. Als ich dann auch noch hochgradig Podcast-abhängig wurde, waren meine Lauscher irgendwann unrettbar mit meinen Kopfhörern verschmolzen (hat nicht wehgetan). Ich muss zum Schluss gut zehn Stunden des Tages welche getragen haben.

Da war es dann ein Leichtes, vor mir selbst die Anschaffung eines Paares Beyerdynamic Amiron plus entsprechendem Kopfhörerverstärker zu rechtfertigen. Ich war sehr zufrieden damit. Und jetzt kommt da diese kleine 250-Euro Lautsprecher-Kombination für den PC und ich muss sagen, das fühlt sich … befreiend an. Und das nicht erst, seit das Thermometer 29 Grad im Mai anzeigt und man am liebsten gar nichts am Körper tragen will.

Das ist sie. Die eine Hälfte jedenfalls. Hübsch eigentlich. Und ich will keine Klagen über den Kabelsalat hören. Ich ziehe um. Was ist eure Entschuldigung?

Vorweg: Natürlich erreicht die Leviathan V2 nicht die gleiche Präzision, Brillanz und Bühne wie die gut 1000 Euro Sound-Hardware an meinem Spiele-PC. Aber das will und muss sie auch gar nicht. Hier geht es um den Komfort, auch ohne schwitzende Muscheln, plattgedrückte Tolle und das latente Gewicht auf dem Kopf ordentlich mit spieletauglichem Klang versorgt zu werden. Und das macht Razers neuer Lautsprecher wirklich gut.

Lieferumfang und Verarbeitung Razer Leviathan V2

Aber fangen wir vorne an: Aus der Umverpackung, die Razer mal wieder komplett in Pappe hielt – danke dafür! – fallen die 40 cm breite und nicht ganz sieben Zentimeter hohe Soundbar (mit den höheren der beiden Satz Füße sind es keine zehn Zentimeter) und ein würfeliger Subwoofer mit einer Seitenlänge von gut 22 cm, exklusive Füße. Zusätzlich gibt es ein zweites Paar Ansteckfüße für die Soundbar. Vom Sub führt ein Kabel zum Lautsprecher, diese wird mit einem Stromkabel an die Steckdose gehängt und per USB-C auf A an den Computer. Windows erkannte die Leviathan sofort. Als primäres Audiogerät ausgewählt und es kann auch direkt losgehen.

Ab Werk stecken in der Leviathan Gummifüße, die den Lautsprecher horizontal ausrichten, was für die Arbeit am Schreibtisch eigentlich nicht richtig ist. Das separate Set angeschrägter Füße ist aber mit nur zwei Handriffen eingewechselt. Nun zeigt die Soundbar beim Sitzen direkt auf mein Gesicht. Beim Aufstellen fällt auf, dass die zwar nicht luxuriös wirken (mit nicht ganz eineinhalb Kilogramm wirkt die Soundbar sogar eher leicht), aber doch wie aus einem Guss. Der nach unten feuernde Sub hat auch nach gut zweieinhalb Wochen und gelegentlichen Kontaktes mit den Schnallen meiner Sandalen noch keine bleibenden Kratzer oder Abplatzungen der Laminierung. Macht alles einen soliden, unaufgeregten Eindruck.

Macht (bisher) alles mit: Der nach unten feuernde Subwoofer.

Razer Leviathan V2 Features und Bedienung

Die Leviathan kommt mit nur fünf Buttons an der Oberseite aus, diese klicken recht satt, man drückt sie nicht aus Versehen. Der An-Schalter ist in der Mitte und auch im Dunkeln dank einer Erhebung direkt zu erfühlen. Rechts davon sind Knöpfe für lauter und leiser, die den Windows Ausgangs-Master um zwei Prozent pro Klick runterregeln (an dieser Stelle vielleicht ein erster Punkt auf meiner Wunschliste für kommende Software-Updates: Ich hätte gerne eine Möglichkeit, dieses Intervall zu erhöhen. Sollte eigentlich nicht so schwierig sein. So lässt sich die Lautstärke schneller und komfortabler regulieren). Links des Einschalters eine Bluetooth-Taste. Es handelt sich um Version 5.2 mit einer recht niedrigen Latenz von 60ms, was zum Zocken etwa an der Switch noch ausreicht. SBC und AAC sind als Protokolle für Musikwiedergabe nicht der neueste Stand, aber in dieser Preisklasse dürfte der Unterschied nicht wahnsinnig deutlich herausstechen.

Zu guter Letzt findet sich ganz links noch eine Taste zur Quellenwahl, die man in der Synapse Software auch definieren darf. So fällt das Umschalten zwischen Soundkarte mit Kopfhörer und Soundbar leicht. Das verschafft auch ein wenig Flexibilität, wenn ich für ein Meeting auf den Kopfhörer wechseln will, oder zum Beispiel auf einem Ohr Ressourcen in V Rising grinde, während aus der Leviathan V2 ein Podcast in meine Richtung plappert.

Ach, und dann ist da noch der RGB-Streifen an der vorderen Unterseite, dessen Beleuchtung man individuell einstellen darf, die ich aber nie nutze. Sie verleiht der Leviathan einen leicht schwebenden Effekt. Brauche ich nicht, aber da muss ich irgendwie eine seltene Art sein. Gesteuert wird das Ganze über die Synapse Software. Die machte leider im ersten Anlauf zunächst Probleme.

Fünf Buttons. Mehr braucht es nicht. Ok, ein USB-Hub wäre nett gewesen und Besitzer des Vorgängermodells werden den Wegfall des optischen und des Klinkenanschlusses beklagen. Ich brauche sie nicht.

Der eingebaute Equalizer mit den naheliegenden Voreinstellungen für THX, Spiel, Film und Musik sowie einer angemessenen Individualisierungsoption funktionierte schlichtweg nicht. Eine Neuinstallation des Programms behob das Problem allerdings restlos. Davon abgesehen finde ich die Software mittlerweile recht gut. Allerdings kann ich nicht sagen, ob das daran liegt, dass sich die Razer-Geräte in meinem Haushalt häufen oder daran, dass sie mittlerweile wirklich besser geworden ist. Das ist sie schon und der Funktionsumfang ist heute größer, aber ich ziehe mit mehr Geräten natürlich auch größeren Profit aus ihrer Nutzung.

Jedenfalls macht der Equalizer einen ordentlichen Job, auch wenn ich das Gaming-Preset zum klanglich zum Vergessen finde. Natürlich hört man mit der Konzentration auf Mitten und Höhen Schrittgeräusche anderer Spieler deutlicher raus. Aber guter Sound ist etwas anderes. Schön hingegen ist die Möglichkeit, für Voice-Calls oder sehr Dialog-lastige Games den Fokus auf die Mitte des Lautsprechers legen zu können. Da wurde an das meiste wirklich gedacht.

Im Vergleich zur ersten Leviathan-Generation fehlen allerdings alle zusätzlichen Eingänge: Außer Bluetooth und USB (für den PC) findet an der V2 nichts weiter Anschluss und der Sound ist darauf ausgerichtet, dass sie auf dem Schreibtisch steht. Die Streichung von Klinken- und optischem Eingang ist heutzutage und für diesen Anwendungsbereich verständlich. Allerdings hätte ich einen kleinen USB-Hub eine nette Ergänzung gefunden. Wenn das Ding schon vor meiner Nase steht und einen meiner Slots belegt, wäre das eigentlich nur naheliegend.

Von hinten sieht sie so aus. Ganz klar: Vorne ist die Schokoladenseite.

Der Sound der Razer Leviathan V2

Da Razer vor einer Weile die Sound-Software-Firma THX gekauft hat, kommen auch mittlerweile so gut wie alle Audio-Produkte des Herstellers für Gaming-Peripherie mit dieser Lösung für virtuellen Raumklang daher. So auch die Leviathan. Schon klar: Für 250 Euro sollte man kein Hi-Fi erwarten. Dennoch bin ich vom Preis-Leistungs-Verhältnis mehr als angetan. Bisher habe ich das Aufstellen eines Subwoofers zwar immer als Herausforderung erlebt. Nach etwas Herumspielen sitzt der aber nun unter meinem Schreibtisch, mit genügend Luft zu den Seiten und nach hinten, um tatsächlich ziemlich präzise den Boden zum Beben zu bringen. Trotzdem wirkt das Klangbild kraftvoll und homogen, zumal auch die eigentliche Soundbar nicht gerade schwach auf der Brust ist (nach hinten gut Platz lassen, damit die passiven Radiatoren schwingen können) und die beiden Elemente dieses Systems nicht voneinander separiert wirken.

Allerdings muss man sie schon etwas aufdrehen, damit sie zur vollen Entfaltung kommt. In der Betriebsart, die ich “Radio neben der Arbeit” nenne, mit bis zu 20 Prozent Windows-Lautstärke wirkt das noch ein wenig gezügelt und alles andere als selbstbewusst. Ab 30 Prozent wirkt der Klang der Razer Leviathan aber bei Musik schön dynamisch und bleibt das auch bei hohen Lautstärken, zu denen das Set sehr wohl fähig ist. Ab 50 Prozent Windows-Lautstärke bittet sie dann bereits auf die Tanzfläche und man ist geneigt, die Einladung anzunehmen.

Im direkten Musikvergleich wirken schneiden meine aktiven Tischlautsprecher Edifier e25 Luna zwar in den Höhen eine Idee feiner ab, aber nach unten raus wirken sie insgesamt deutlich brummiger und insgesamt weniger klar. Das hat mich überrascht. Bisher mochte ich diese Boxen vor allem für Musik immer ganz gerne, für 180 Euro das Paar sind sie auch kriminell günstig. Was sie aber nicht können (und nie konnten): Mich im Spielbetrieb überzeugen, denn die Nähe zu der Stereo-Lösung am Schreibtisch lässt immer ein “Loch” in der Mitte, das mich störte. Resultat: In Games hatte ich grundsätzlich die Kopfhörer auf.

Die Blende habe ich übrigens nicht abbekommen. Mein Sohn hingegen schon, als er mir 'geholfen' hat, das Ding auszupacken. Ist so nicht vorgesehen, wie es scheint.

Dieses Problem löst die Leviathan V2 tatsächlich mit Bravour, was mich nicht überraschen sollte. Die Überraschung liegt eher darin, dass sie trotz der kompakten Bauform den Klang bestens im Raum vor sich verteilt und nicht das gedrungene Röhren vieler anderer Soundbars an den Tag legt. Vielleicht kennt ihr die Sorte Sound, die euch wie durch eine Tröte direkt ins Gesicht geblasen wird. Nein, die Razer Leviathan V2 gefällt mir als Allrounder auf meinem Schreibtisch deutlich besser als meine chinesischen Preisbrecher von Edifier.

Also zum Musikparkour: Childish Gambinos This is America ist im Grunde perfektes Testmaterial für ein System wie dieses: dicht, dynamisch, auf allen Ebenen präsent. Organisch klingende, akustische Gitarren, Bässe aus der unteren Etage der Trap-Hölle, Chorgesang und fein pointierte Becken, Zischen, Zirpen an allen Ecken und Enden. Das Stück ist ein amerikanischer Albtraum, den einem der Sub ohne Gnade in die Schläfen einmassiert, bis er Teil von einem ist. Eine Rocknummer wie Wolf Like Me von TV on the Radio schrubbert danach den Gehörgang ordentlich aus, während der Bass mir auch durch meine Birkenstocks noch die Füße kribbelig macht. Trotzdem dringt Tunde Adebimpes nasales, hohes Organ noch glasklar durch den Teppich aus verzerrten Gitarren und Autobahn-Keyboards.

Metal-Stücken geht bei der Konstellation Soundbar/Sub oft ein wenig die Kraft ab, aber das liegt vielleicht am Direktvergleich mit der vollen Produktionspackung von eben. Vor allem zeigt sich hier, dass das Musik-Preset für stark verzerrte Gitarren eventuell ein wenig zu forsch in die hohen Mitten und Hohen geht. Das THX-Preset klingt hier deutlich besser. Cobalt kriegen mich auf Hunt the Buffalo mit etwas aufgedrehter Lautstärke dann doch noch in Tanzlaune und Vennarts Silhouette beweist, dass die Leviathan auch Gitarrenteppich verlegen können. Ist nicht ihre Stärke, aber wer außer mir hört schon noch solche Musik?

Und nochmal für die Kamera!

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Aufseiten der Spiele stellte Razer von vorneherein klar, dass man die Leviathan trotz virtuellen Surround-Sounds nicht als Multiplayer-Treiber sieht. Dieses Set ist eher für Solo-Titel und Blockbuster-Games gedacht, in denen die metergenaue Ortung von Gegner-Sounds nicht die größte Rolle spielt. Und da machen sie exzellente Arbeit. Natürlich kommt der Klang in erster Linie von vorne, aber das THX-Setting fächert die Stage weiter auf, als eigentlich möglich sein sollte und erlaubt tatsächlich einige Räumlichkeit, die ich nicht erwartet hätte. Zudem ist sie in Sachen Kraft mehr als ausreichend aufgestellt, um Explosionen, Schüsse, Motorengeräusche oder Sportarenen gleichermaßen ohrenbetäubend abzubilden.

Razer Leviathan V2 Gaming-Soundbar Test – Fazit

Gut, der Anwendungsbereich ist klar auf den Schreibtisch definiert. Aber hier macht sich die Leviathan V2 umso besser und macht sowohl bei Musik als auch bei Spielen für die verlangten 250 Euro einen ausgezeichneten Job. Ich bin nicht sicher, ob ich das so auf dem Zettel hatte und muss wirklich sagen, dass die Abwesenheit des "Stereo-Lochs" meine Hörgewohnheiten tatsächlich verändert hat. Das passiert bei einem neuen Testmuster nicht allzu häufig. In meinem Fall fühlt es sich einfach richtiger an, wenn der Sound und die Effekte ihren Ausgangspunkt mittig unter dem Bild haben, als nur links und rechts davon.

Die Kopfhörer bleiben seit ein paar Wochen jedenfalls grundsätzlich erst mal hängen. Das Leviathan-Set ist gut verarbeitet, ordentlich in der Bedienung und klingt zu dem Preispunkt, den Razer dafür verlangt, mehr als nur kompetent. Schreibtischspieler werden hiermit sehr zufrieden sein.

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

Über den Autor

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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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