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Resident Evil 2/3/7: Auf die PC-Upgrades verzichten wir derzeit lieber

Ihr nutzt kein Raytracing? Dann braucht ihr kein Upgrade.

Vor rund zwei Wochen gab es gute Nachrichten für Resident-Evil-Fans: Capcom veröffentlichte kostenlose Updates für Resident Evil 2 Remake, den Nachfolger und das Spiel, in dem die beeindruckende RE-Engine erstmals zum Einsatz kam: Resident Evil 7. Diese Upgrades brachten die vorhandenen Spiele durch die Einführung von Raytracing und 120-Hz-Unterstützung auf den gleichen Stand wie Resident Evil Village. Es wurden auch PC-Patches für dieses Trio veröffentlicht, aber man kann mit Sicherheit sagen, dass die Upgrades ein wenig zu wünschen übrig lassen. Und was vielleicht noch wichtiger ist: Nach den Qualitätsproblemen mit RE Village auf dem PC ist es enttäuschend, weitere glanzlose PC-Ports zu sehen. Ich habe einen Blick auf Resident Evil 2 Remake geworfen und der neue Code ist den älteren Versionen in vielerlei Hinsicht deutlich unterlegen. Angesichts anderer enttäuschender PC-Veröffentlichungen von Capcom wird klar, dass die technische Qualität dieser Spiele nicht dort ist, wo sie sein sollte. Die Spieler haben etwas Besseres verdient.

Tatsächlich erwies sich die Situation mit diesen PC-Upgrades als ein solches Problem für so viele User, dass Capcom schnell die älteren Versionen wieder zur Verfügung stellte, die über einen Steam-Beta-Branch zum Download angeboten werden. Einerseits ist es positiv, dass Capcom so schnell auf den Aufschrei der Community reagiert hat, aber es zeigt auch, dass das Update so fehlerhaft ist, dass sogar Capcom zustimmt, dass die früheren Versionen wiederhergestellt werden mussten. Die neuen Versionen werden auch weiterhin standardmäßig heruntergeladen, obwohl die große Mehrheit der PC-User mit den älteren Versionen besser bedient ist. Bei der Zusammenstellung meiner Kritik habe ich mich auf das anspruchsvollste Spiel der Reihe konzentriert - Resident Evil 2 Remake -, obwohl viele der angesprochenen Punkte auch für die anderen Titel gelten.

Alex Battaglia zeigt, wie der neue PC-Patch für Resident Evil 2 Remake aussieht und sich in Sachen Performance schlägt. Glücklich ist er nicht.

Ich habe nicht viel Positives zu sagen, aber es besteht kein Zweifel: Die Raytracing-Unterstützung bringt einen Qualitätssprung, besonders weil die RT-Reflexionen die schrecklichen Screen-Space-Reflexionen der älteren Version ersetzen. Raytracing Global Illumination ist ebenfalls ein guter Pluspunkt, denn sie ersetzt Screen-Space-Ambient-Occlusion durch viel genauere Umgebungsschatten und bietet sogar lokale Bounce-Beleuchtung zusätzlich zum statischen GI für dynamische Elemente. Allerdings ist das RT von geringer Auflösung und Qualität, ohne Skalierbarkeit nach oben für leistungsfähigere Hardware. Darüber hinaus ist die halb versteckte Interlacing-/Checkerboard-Option, die auf den Konsolen verwendet wird und jetzt auch auf dem PC gut funktioniert, eine gute Möglichkeit, die Leistung mit begrenzten Nachteilen (hauptsächlich bei der RT-Reflexionsqualität und den transparenten Effekten) zu steigern.

Und das war's auch schon. Wenn man die RT-Funktionen ausprobieren möchte, würde ich diesen Patch empfehlen. In allen anderen Szenarien ist das "Upgrade" jedoch schlecht und weder Zeit noch Mühe wert, was schon bei der Performance beginnt. Wenn man RT ausschaltet und mit der älteren Version des Spiels vergleicht, fällt auf, dass die Framerate bei exakt gleicher Bildqualität stark abnimmt. Dies scheint auf eine suboptimale Nutzung von DirectX 12 zurückzuführen zu sein, während die älteren Versionen mit dem alten DX11-API einfach viel schneller liefen. Auf einer GTX 1060 getestet, scheint die durchschnittliche Bildrate bei Resident Evil 2 Remake 25 bis 30 Prozent niedriger zu sein, ein erstaunliche Tatsache. Bei 1440p macht das den Unterschied zwischen einer relativ konstanten Bildwiederholrate von 60 fps und einer 40er Bildwiederholrate in der neuen Version aus. Dies ist ein vernichtendes Urteil über Capcoms DX12-Implementierung und es betrifft alle GPUs, nicht nur die GTX 1060, selbst Schwergewichte wie die RX 6800 XT und RTX 3080 sind betroffen.

Alte und neue Version zeigen die gleiche Grafikqualität. Ohne ersichtlichen Grund verlieren wir mit der GTX 1060 rund ein Drittel der Performance. Es gibt keinen vernünftigen Grund, mit einer Nicht-RT-fähigkeiten GPU auf die neue Version umzusteigen.

Die ältere Version des Spiels läuft nicht nur standardmäßig schlechter, sondern bietet in einigen Szenarien auch ein besseres grafisches Erlebnis. Wenn ihr ohne RT spielt, ist das weniger als beeindruckende SSAO die einzige Option. Bizarrerweise wurde Nvidias überlegenes HBAO+ aus dem älteren Build in den neu gepatchten Versionen entfernt. Ebenso funktioniert der Super-Sampling-Schieberegler im neuen Code nicht. Egal, wie er eingestellt ist, das Spiel läuft und sieht gleich aus. In der älteren Version funktioniert es problemlos. Screen-Space-Reflexionen - obwohl sie im älteren Code kaum beeindruckend waren - funktionierten in der früheren Version korrekt, aber das ist in der neuen Version nicht mehr der Fall. SSR verschwindet auch komplett, wenn man mit der Waffe zielt, was in der älteren Version nicht der Fall war (und das passiert dem PS5-Build nach zu urteilen auch auf den Konsolen).

Wo wir gerade bei kaputten Features sind, muss Capcom einfach seine temporale Anti-Aliasing-Lösung in den Griff kriegen. Auf Konsolen funktioniert sie einwandfrei, auf dem PC aber nicht, da sie je nach Spiel in unterschiedlichem Maße versagt. Im aktuellen Monster Hunter Rise zum Beispiel funktioniert TAA überhaupt nicht. In Resident Evil Village scheint es einen gewissen Grad an Wirkung zu erzielen, aber es ist weit entfernt von der Qualität des Effekts in den Konsolenversionen. Die mangelnde Effektivität der Anti-Aliasing-Lösung wird noch dadurch verstärkt, dass ein Schärfefilter eingebaut wurde, auf den der User keinen Einfluss hat, was die Qualität der Darstellung im Vergleich zu den allgemein guten Konsolenversionen weiter mindert.

Die neuen Versionen bringen Bugs mit sich. In der gepatchten Version verschwinden die Screen-Space-Reflexionen beim Zielen, im Original sind sie weiterhin vorhanden. Es ist nur einer von mehreren Bugs, die wir beim Testen entdecken.

Wenn ihr also kein Raytracing nutzen möchtet (oder könnt), rate ich euch, euch von den neuen Patches fernzuhalten. Es ist schade, dass das RT keine höhere Qualität bietet, aber es gibt eine Möglichkeit, einen verbesserten Effekt zu erzielen, wenn ihr eine Nvidia-GPU habt. Ich habe die DLDSR-Supersampling-Option verwendet, um von 5120x2880 auf 3840x2160 herunterzuskalieren. Gleichzeitig habe ich aber auch AMD FidelityFX Super Resolution im Qualitätsmodus verwendet. Damit wird im Wesentlichen von knapp unter 4K auf 5K hochskaliert, dann verwenden wir die Nvidia Super-Sampling-Technik, um wieder auf Ultra HD herunterzuskalieren. Es scheint die RT-Qualität zu verbessern und sogar die Kanten scheinen einen Hauch besser zu sein.

Zusammenfassend bin ich froh, dass Raytracing den Sprung geschafft hat, besonders, weil RT alleine keinen großen Performance-Nachteil bedeutet (auch wenn der Wechsel zu DX12 das tut!), aber unterm Strich ist selbst der einzige positive Punkt des Upgrades eine kleine Enttäuschung. Es hätte besser sein können, ein Gefühl, das sich auf dieses gesamte Unterfangen erstreckt. Capcom fügte zwar Raytracing hinzu, tat aber nichts, um die Probleme des vorhandenen Spiels zu verbessern, wie zum Beispiel die reduzierten Animationsraten bei den Zombies, die bei Gegnern in größerer Distanz zu einer Diashow werden. Das war ein Kritikpunkt, den ich damals schon hatte und den man leicht hätte beheben können, aber es ist immer noch im gepatchten Spiel vorhanden. Es ist rätselhaft, warum einige Features hinzugefügt werden, während gleichzeitig vorhandene Probleme nicht behoben werden und andere Features fehlerhaft sind. Hinzu kommen die großen Einschnitte bei der Bildrate.

Nach dem Drama rund um Resident Evil Village denke ich ehrlich gesagt, dass es für Capcom an der Zeit ist, seine Herangehensweise an seine PC-Versionen zu überdenken. Es gibt keinen Zweifel an der Qualität der Titel selbst, aber ein neuer und verbesserter Fokus auf den technischen Feinschliff ist erforderlich. Angesichts der anhaltenden Kontroversen kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Capcoms PC-Produkten nicht die gleiche Sorgfalt und Aufmerksamkeit zuteil wird wie den Konsolenversionen. Um es ganz klar zu sagen: PC-User verdienen es nicht, wie Spieler zweiter Klasse behandelt zu werden.


Im englischen Original von Alex Battaglia, Video Producer, Digital Foundry

Über den Autor

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Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Benjamin Jakobs ist Leitender Redakteur und seit 2006 bei Eurogamer.de. Er schreibt News, Reviews, Meinungen, Artikel und Tipps. Benjamin spielt Videospiele hauptsächlich auf Konsolen. Seine Expertengebiete sind breit gefächert, von Shootern und Action-Adventures über RPGs bis hin zu Sportspielen und Rennspielen. Zu seinen Hobbys gehören Lego, Science Fiction, Bücher, Filme und Serien sowie Star Wars und Star Trek.

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