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Return to Monkey Island schön und gut – aber auf Old Skies freue ich mich noch mehr

Neues von den Meistern des modernen Point-and-Click.

Dem Point-and-Click-Adventure ging es die letzten Jahre hindurch erfreulich gut. Das ist nicht erst seit der anstehenden Rückkehr von Monkey Island so. Vor allem der Boom der Indie-Szene hat uns in der letzten Dekade ein paar moderne Klassiker in diesem Bereich beschert. Kleinere Teams machten Spiele wie Gemini Rue, Technobabylon, Whispers of a Machine oder zuletzt Norco und begeistern mit spannenden, erwachsenen Geschichten. Und ein Name taucht immer wieder auf: Wadjet Eye, die sowohl als Publisher, aber auch als Entwickler einiger der besten Spiele dieser Art auf dem Kerbholz haben.

Nur eine Handvoll Leute um Gründer Dave Gilbert verantwortete so Perlen wie die wundervolle Blackwell-Reihe oder das fantastische Unavowed. Alles Spiele, die zwar mechanisch den Werten des Point-and-Click treu blieben, aber in ihrer Erzählweise reifer wurden und nicht Gags über die Logik und Handlung stellten. Alles, was man in einem Wadjet-Adventure tut, bringt die Geschichte oder Charakterentwicklung voran. Und jetzt kommt – leider erst 2023 – Old Skies heraus, ein Abenteuer, in dem man Fia Quinn von einer Zeitreise-Agentur verkörpert.

Optisch... nun ja, ich bin nicht gerade ein Fan. Das ist aber auch schon das gemeinste, was ich über dieses Spiel bisher sagen kann. Unavowed hat mir gestalterisch deutlich besser gefallen.

Ich durfte die Demo, die demnächst auf dem Steam-Next-Fest erscheint, bereits vorab spielen und bin (wenig überraschend) hin und weg angesichts der Aussicht, das hier nächstes Jahr spielen zu dürfen. Denn schon jetzt ist mal wieder klar, dass diese in erster Linie zum Urlaubsvergnügen von Fia und ihrem Kollegen Nozzo ausgerichteten kommerziellen Ausflüge in verschiedene Zeitperioden selten so ablaufen, wie man sich das vorstellt. Von der Prohibition bis zum Morgen des 11. September 2001 steuert ihr aus etwa 40 Jahren in der Zukunft insgesamt sieben Szenarien an.

Während dieser Trips schenkt ihr etwa einem sterbenskranken Wissenschaftler noch einmal einen Blick zurück auf seine Jugend – oder führt der Gute doch anderes im Schilde? Ich muss sagen, am Ende dieser ersten Episode musste ich gut schlucken und haderte mit den Antwortmöglichkeiten der abschließenden Konfrontation, auch wenn der Verlauf der Geschichte sich wohl kaum mit meinem Input ändert. Ich kann mich allerdings auch irren, die Vollversion wird Klarheit bringen. Wadjet Eye spricht immerhin schon davon, dass Fia auch sterben können wird. Man kann es dann zwar noch einmal versuchen – Zeitreisen, ihr versteht? –, aber das könnte dafür sorgen, dass man sich zweimal überlegt, was man tut oder doch lieber lässt.

Wadjet beweist mal wieder gutes Händchen bei Charakterzeichnung und Dialogführung. Man interessiert sich direkt für diese Figuren und fühlt mit ihnen. Freut man sich zunächst noch über den Fortschritt bei den clever und organisch arrangierten, aber nicht zu schweren Puzzles – es soll ein guter Spielfluss aufkommen – hinterfragt man schon mal ein paar Meter weiter, warum man das eigentlich gemacht hat? Nur, weil das hier ein Spiel ist und man anders nicht weiterkommt!? Mir war zu dem Zeitpunkt nicht einmal klar, welche Folgen mein Einschreiten haben würde, Old Skies konfrontierte mich dann aber nicht zu knapp mit meinen Taten und wollte sehen, wie ich verarbeitete, was es mir spiegelte.

Das Spiel geht ein gutes Tempo und verliert seine eigentliche Handlung nicht aus den Augen.

Für mich ist die Qualität eines Adventures mittlerweile daran messbar: Je öfter ich den Impuls verspüre, jeden Inventargegenstand an jedem anderen zu reiben, desto schlechter das Spiel. Old Skies nötigte mich bisher nicht einmal dazu. Alle Fragestellungen folgen aus der Situation und den Charakterkonstellationen, die Mittel, die ihr habt – ein Zukunftsarchiv, in dem ihr Namen und Begriffe auf Hinweise ablopfen könnt, die telepathische Verbindung mit Nozzo – legen euch logische Handlungswege offen, oft erstmal Hintergrundrecherche, die mich wiederum tiefer in die Geschichte eintauchen ließ. Ich mag sehr, wie das aufgezogen ist.

Das einzige, worüber ich nicht Feuer und Flamme bin, ist der Grafikstil der Figuren. Das haben Return to Monkey Island und Old Skies jetzt schon gemeinsam. Die Akteure sind zwar recht gut animiert, aber dieser spezielle Mix vereint irgendwie das Schwächste von Pixel-Art und Zeichentrick. Aber ich bin sicher, so spannend, wie das Szenario ist, und so gut, wie die Charaktere geschrieben sind, werde ich mich daran schnell gewöhnen. Ich schlage also vor, ihr setzt euch Old Skies auf die Wunschliste, spielt auf dem Steam-Next-Fest die Demo und stochert dann mal im Katalog der tollen, tollen Wadjet-Eye-Adventures, um die Wartezeit totzuschlagen.

Über den Autor
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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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