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Tony Tough 2

Spielen verboten?

Tony Tough 2 ist ein so intensives Adventure, dass die Rätsel schon beginnen, bevor das Intro über den Bildschirm flackert. Der Kopierschutz ist die erste echte Hürde, die der Spieler überwinden muss. Der Titel schreibt Euch nämlich vor, welche Programme auf Eurer Festplatte installiert sein dürfen und welche nicht. Wer hin und wieder CDs brennt, hat schlechte Karten, Tony Tough 2 auf seinem PC überhaupt spielen zu können. Und auch wer weder CD-Brenner noch Brenn-Software besitzt, kann auf Probleme stoßen. Ein derartiger Kopierschutz ist natürlich nicht neu - aber so einen Aufwand wie hier hatten wir noch nie, um ein Spiel zum Laufen zu bringen. Auf dem dritten Rechner durften wir nach stundenlangem Herumprobieren letztlich loslegen.

Und es geht so weiter: Tony Tough 2 hat Bugs, die reproduzierbar zu Abstürzen führen, und wirkt in vielerlei Hinsicht ganz einfach „unfertig“. Seien es unübersetzte Texte oder das Fehlen einer Funktion, die lange Laufwege abkürzt. Anders ausgedrückt: Der erste Eindruck von Tony Tough 2 ist wirklich schlecht. Dabei hatte Anaconda den Release schon unzählige Male und um mehr als anderthalb Jahre verschoben.

Jung - und dumm?

Viele Hintergründe sind nur zum Durchrennen gedacht: Zu tun gibt’s nix.

Gut, worum geht es? Tony Tough 2 spielt in den Jugendjahren des kleinen Privatdetektivs, in denen er seinen ersten Fall löst. Tony geht noch zur Schule, muss sich mit gemeinen Lehrern, langweiligen Klassenkameraden und den Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens herumschlagen. Vor allem aber sind es seine lebhafte Phantasie und sein großes Mundwerk, die ihn immer wieder in Fettnäpfchen treten lassen. Er ist eben ein kleiner Besserwisser. Manche mögen das sympathisch finden und über seine recht derben Witzchen lachen - andere werden sich genervt oder vielleicht sogar angewidert abwenden, wenn Tony zu einem Monolog über seine Körperfunktionen ausholt. Geschmackssache.

Auch für die Geschichte und den Erzählstil von Tony Tough 2 fällt mir keine treffendere Umschreibung ein, weil Ihr die schrullige Präsentation entweder lieben oder hassen werdet. Das Spiel tischt Euch die Ereignisse der Story nicht etwa linear auf, sondern bietet Euch in den zahlreichen Zwischensequenzen jeweils lediglich kleine Häppchen an. Genauer gesagt: Ihr seht mehrere Szenen immer wieder, nur folgt die Kamera dann am Ende einem anderen Charakter als zuvor oder bleibt einfach länger drauf, um ein paar Sätze mehr preis zugeben. Interessant könnte man das nennen, innovativ. Oder auch: Langatmig und verwirrend. Mir wäre in dem Fall ausnahmsweise eine klassischere Erzählweise lieber gewesen.

Verständlich!

Überhaupt sieht alles sehr, sehr leer aus. Okay, die Stadt hat auch nur um die 20 Einwohner.

Aber am wichtigsten sind ja ohnehin die Rätsel und in dem Punkt ist Tony Tough 2 gar nicht so schlecht. Denn trotz der obskuren Geschichte und Figuren gibt es so etwas wie Logik: Ihr wollt ins Gefängnis kommen? Dann begeht doch bitte ein Verbrechen! Ihr müsst ein kaputtes Rad reparieren? Dann besorgt Euch halt einen neuen Reifen! Gelungen ist insbesondere, dass Ihr die Rätsel nicht alle in einer genau vorgeschriebenen Reihenfolge lösen müsst, sondern auch an anderer Stelle etwas ausprobieren könnt, wenn Ihr an einer gerade nicht weiterkommt: Tony durchstreift nach den ersten beiden einführenden Kapiteln fast vollkommen frei seine Heimatstadt. „Fast“, da es hin und wieder nicht ganz nachvollziehbare Einschränkungen gibt; einige Aktionen erst möglich sind, wenn eine andere ausgeführt wurde, die im Grunde gar nichts damit zu tun hat.

Umso deutlicher kommen hier die fehlenden Abkürzungen zum Tragen, da Tony wirklich jeden einzelnen Hintergrund komplett durchlaufen muss. Der Weg vom einen zum anderen Ende der Stadt dauert deshalb lange - zumal die Orientierung anfangs recht schwer fällt, weil doch irgendwie jede Ecke gleich aussieht. Dass Ihr in der zweiten Spielhälfte häufig nicht so genau wisst, was Ihr gerade eigentlich tun sollt, zählt ebenfalls nicht zu den Pluspunkten des Spiels.

Ein guter Ansatz

Wenn man über Tonys Monologe hinwegsehen kann (oder sie möglicherweise sogar mag), dann machen aber immerhin die Dialoge durchaus Spaß. Anders als bei den meisten Adventures wählt Ihr in Tony Tough 2 nicht nur einen Einstiegssatz aus, sondern dürft auch auf die Worte Eures Gegenübers auf verschiedene Arten reagieren. Das Ergebnis ist zwar in der Regel dasselbe, aber die Gespräche wirken durch die Interaktivität wesentlich natürlicher und lebendiger, als man es gewohnt ist.

Über Grafik und Synchronstimmen kann man hingegen wieder geteilter Meinung sein: Ein wenig zu eintönig und verwaschen wirken die Hintergründe, ein bisschen zu gestelzt die Sprüche von Tony und seinen Freunden. Die Liebe zum Detail ist es, die fehlt. Und natürlich der letzte Feinschliff.

"Rätsel, Dialoge, Humor - fast alles macht einen richtig guten Eindruck", habe ich vor rund einem Monat in meiner Vorschau zu Tony Tough 2 geschrieben. Wahrscheinlich hatte ich da noch zu sehr das originale Tony Tough vor Augen. Im Vergleich zu dem bedeutet Tony Tough 2 nämlich wirklich in jeder Hinsicht eine deutliche Steigerung. Aber der richtig gute Eindruck ist leider verflogen: Weil Tony Tough 2 nach einem ordentlichen Start in der zweiten Spielhälfte nachlässt, Bugs und Bedienungsmängel aufweist, gegenüber einem Ankh oder Sam & Max einfach alt aussieht - und weil von Verbesserungen gegenüber der Preview-Version nichts zu sehen ist.

6 / 10

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