Wenn du auf einen Link klickst und etwas kaufst, können wir eine kleine Provision erhalten. Zu unseren Richtlinien.

Zelda: The Twilight Princess

Endlich Erwachsen

Nach so viel Hobby-Psychologie werden sich viele Leser fragen, warum das eigentliche Spiel bisher etwas zu kurz gekommen ist. Die Erklärung ist einfach: Twillight Princess ist spielerisch nicht mehr und nicht weniger als ein erstklassiges Zelda-Spiel. Das bedeutet, dass es einerseits inhaltlich so ziemlich allem da draußen deutlich überlegen ist und man sich auf bis zu 45 Stunden intelligentes Gameplay freuen kann. Andererseits unterscheidet sich der Titel nicht massiv vom letzten Meilenstein Ocarina of Time.

Statt mit der Wiimote zu zielen, kann man Gegner auch per Z-Taste fixieren.

Mit Schwert, Schild, Schleuder, Bogen und Bumerang bewaffnet, jagt der Spieler durch die gleiche Mischung aus witzigen Minispielen, spannenden Kämpfen und knackigen Rätseln. Durch neue Items, wie magnetische Schuhe, einen Greifhaken zum Klettern und spezielle Kostüme zum Unterwasser-Atmen, wird die Bandbreite noch einmal deutlich erhöht - trotzdem unterscheidet sich der Gameplay-Kern kaum von seinen Vorgängern. In der Kombination mit den Fähigkeiten als Wolf, der zwar keine Gegenstände einsetzen darf, aber neben gewaltigen Sprungfähigkeiten vor allem über einen hervorragenden Geruchssinn verfügt – und damit versteckte Schätze und Geruchsspuren findet –, wird auch aus dem neusten Zelda-Teil ein episches Videospiel, dass die Spieler für viele Monate beschäftigen wird. Einzelne Mini-Games, wie zum Beispiel das Fischen, könnten sich meiner Meinung nach sogar als Vollpreistitel hervorragend verkaufen. So viel Perfektion nimmt schon fast erschreckende Ausmaße an.

Highlights sind natürlich auch diesmal die unterschiedlichen Dungeons, die neben vertrackten Rätseln mit wirklich gewaltigen Zwischen- und Endbossen aufwarten können. Allein um den Waldtempel zu überwinden, muss man sich gegen einen durchgeknallten Affenkönig und eine gewaltige Fleisch fressende Pflanze durchsetzen. Hierbei kommt es – typisch Zelda - auf eine Mischung aus Geschicklichkeit, Timing und Köpfchen an. Durch viel Humor wurde die Qualität der Dungeons gegenüber Wind Waker deutlich gesteigert. Der Anspruch pendelt dabei geschickt zwischen leicht genug und richtig fordernd, ohne Anfänger und Profis zu vergraulen. Die Nintendo-Truppe beweist wieder einmal, zu welch genialen Gameplay-Höhen sie fähig ist, wenn man ihr genug Zeit lässt. Fast jeder Moment und jedes Detail sind perfekt durchchoreographiert und entführen den Spieler für viele Stunden in diese wunderbare Welt von Hyrule. Nur die fehlende Sprachausgabe wirkt in dieser atmosphärisch so stimmigen Welt wie ein lästiger Makel, der einen bis zum Ende hin immer wieder die Stimmung verhagelt.

Der Bumerang – dein Freund und Helfer!

Leider gibt es auch bei der technischen Umsetzung ein paar Sachen zu bemängeln. Im Vergleich zur kompletten Launch-Konkurrenz besitzt Zelda mit Abstand die beste Grafik, doch gehobenes Gamecube-Niveau sollte eigentlich nicht das Ziel sein. Während man technisch keine Wunder erwarten darf, überzeugt das wirklich außergewöhnliche Art-Design, das an Werke der Anime-Legende Hayao Miyazaki (Chihiros Reise ins Zauberland, Prinzessin Mononoke) erinnert und viel zu der einmaligen Atmosphäre beisteuert. Gerade als Kontrapunkt zum protzig, prolligen Technik-Overkill anderer Spiele, ist die Präsentation von Twillight Princess wie eine Erholung fürs Auge, die selbst nach Dutzenden Stunden nicht langweilig wird. Jedes Detail wirkt wie aus einem Guss, obwohl sich der Eindruck etwas durch die recht pixelige Grafik und die schwachen Texturen schmälert. Nintendo kann leider auch bei Zelda nicht darüber hinweg täuschen, dass die Wii im Prinzip nur ein aufgemotzter Gamecube mit neuem Steuerungskonzept ist.

Für einige Leser wird es nun erst so richtig spannend. Nach den Worten zum eigentlichen Inhalt, gibt es nun noch eine Zusammenfassung der wichtigsten Unterschiede zur Gamecube- Version, sowie eine Kritik zum Steuerungssystem. Zunächst die optischen Differenzen, die sich mit 480p-Unterstützung und zusätzlichen Grafikeffekten zusammenfassen lassen. Mit dem Komponentenkabel ist das Bild selbst auf LCD-Fernsehern erträglich. Zusätzlich sorgen neue Effekte, wie Tiefen- und Bewegungsunschärfe für eine Extraportion Atmosphäre, die die Optik gehörig aufwerten. Wer im Vergleich dazu einen Blick auf die AV-Variante des Gamecube wirft, beschwert sich nicht über fehlende HD-Unterstützung. Aufgepixelt, unscharf und verschwommen bis einem die Augen tränen. Schlimmer geht es einfach nicht.

Nicht mehr ganz so „niedlich“ wie sonst.

Und nun zu dem viel gepriesenen Steuerungskonzept, das ja erst nachträglich hinzugefügt wurde. Zuerst die gute Nachricht, das Spiel funktioniert auch mit Wiimote und Nunchuk hervorragend. Mit dem Analog-Stick des Nunchuks befördert Ihr Link und Epona durch die Gegend, während Ihr mit einer Schlenker-Bewegung einen Schlag und mit einmal Nunchuck-Wackeln eine Wirbelattack ausführt. Sonst wird das neue Steuerungskonzept nur bei den Minispielen und beim Zielen mit Schleuder, Bogen und Boomerang sinnvoll eingesetzt. Für den kompletten Rest müssen wie gehabt Buttons herhalten. Klar, gehen einige Elemente, wie das Bogenschiessen (mit Wii-Mote zielen, Button drücken zum Spannen, Schuss beim loslassen) und das Angeln (realitätsgetreu auswerfen und bei Vibration nach oben rucken) auf der Wii besser von der Hand, trotzdem hat man nie das Gefühl das neue Steuerungskonzept wirklich zu benötigen. Nach ein paar Dutzend Stunden würde es mangels Komplexität eigentlich auch ein Knopf tun. Kurzum: Bei einem solch komplexen Game, wie Twillight Princess, ist die Wii-Steuerung einfach nur ein nettes Add-On, das erst im Bezug auf die integrierten „Minispiele“ eine wichtige Rolle einnimmt.

Das Spiel beweist eindrucksvoll, wie viel Genie bei Nintendo hinter jedem Blockbuster steckt. Zu Recht warten Fans gespannt auf diese Meisterwerke, um Tage, Wochen oder sogar Monate in diesen nahezu perfekten Spielewelten zu verschwinden. Die dabei entstehenden Erwartungen werden von den Entwicklern bis auf das letzte Pixel erfüllt und machen für Fans jeden Zelda-Teil zu solch einem einmaligen Spielerlebnis. Gleichzeitig sind es aber gerade diese selbst auferlegten Restriktionen, die Zelda diesmal knapp die 10 Punkte kosten. Zum einen ist es die nicht immer perfekte Steuerungs-Anpassung, die zwar ein detailverliebtes Angeln ermöglicht, aber zum Antreiben von Epona statt einer Schlagbewegung einen schnöden Knopfdruck verlangt. Zum anderen erwarte ich 2006 bei solch einem Mammutprojekt Sprachausgabe und einen zeitgemäßen Soundtrack, der nicht nach 16Bit Gedudel klingt. Echte Zelda-Liebhaber werden über solch kleingeistige Schelte lachen und sich mit glänzenden Augen in das wirklich epische Abenteuer stürzen. Und auch ich werde mir von solchen Details nicht den Spaß verderben lassen. Trotzdem sollte Nintendo beim nächsten Zelda den Schritt ins 21. Jahrhundert wagen.

9 / 10

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

Kommentare