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Ron Gilbert macht ein neues Monkey Island! – Pass auf, was du dir wünschst...

Gefallene Designer, die von damals träumten, gibt es so viele wie Affen auf Monkey Island.

Träume gehen in Erfüllung. Während die Welt im Hintergrund untergeht, kehren wir am Bildschirm in die goldenen Tage unserer Kindheit zurück, als wir im warmen Schein des Röhrenmonitors mit Guybrush Threepwood auf Abenteuerfahrt gingen und Piraten in die Kapitulation quatschten. Und das kommt jetzt alles zurück. Der Meister selbst macht ein neues Monkey Island und Ron Gilbert tut dies sogar unter dem legendären Lucasfilm-Games-Label. Was kann da schon schiefgehen?

Gute alte Zeiten? Sicher. Was kann schon schiefgehen, wenn man die wieder aufleben lassen will.

Nun, alles. Mittlerweile bin ich sehr vorsichtig geworden, wenn es darum geht, mich zu freuen, wenn ein Saurier der 90er es noch mal richtig krachen lassen will. Gerade in den letzten Jahren kam da nichts Sinnvolles mehr raus. Beispiele? Gern. Wie viel Zeit habt ihr. Fangen wir mit meinem Helden, Mr. Spaceman persönlich an, Sir Richard Garriott. Der hatte nicht nur Ultima, mit Tabula Rasa hatte er ein brauchbares Spiel nach der Hochzeit. Aber als er mit Shroud of the Avatar es noch mal wissen wollte, krachte es gewaltig.

Shroud of the Avatar war alles, wofür man als Game-Designer nicht bekannt sein möchte.

Sein alter Origin-Buddy Warren Spector blamierte sich ebenfalls. Nein, sicher nicht mit Deus Ex, Thief und auch nicht mit den Epic Mickeys. Von Legende bis immer noch gutes Spiel war da alles dabei. Nein, es ging erst den Bach runter, als er mit Underworld Ascendant noch mal zurück in die warme Origin-Zeiten-Höhle wollte, zwar nicht als alleiniger Designer, aber sein Name steht schon groß auf dem Ding drauf. Vielleicht hätte er sich mit seinem alten Boss zusammentun sollen. Dann hätte das grottige Shroud noch ein ebenso schrottiges Dungeon-System in petto gehabt.

Entscheidungen und Konsequenzen: Warren Spector entschied sich ein Spiel wie früher zu machen und muss nun mit den Konsequenzen leben. Hauptsächlich, dass Ascendant Schrott ist.

Und Peter Molyneux? Man kann die Arbeit des Mannes lieben oder hassen, aber für die längste Zeit hatte ich immer Respekt für das, was er tat, selbst wenn es mal nicht so klappte, wie er es ankündigte. Was eigentlich auf jedes seiner Projekte zutraf. Schwamm drüber, Black & White war ein seltsames Spiel, aber ein sehr spannendes Abenteuer. The Movies war Spaß, so auch praktisch alles aus der Fable-Reihe. Auch er hatte eine Karriere nach den goldenen Bullfrog-90ern und keine kleine.

Peter Molyneux ist zu Recht eine Legende. Daran konnte nicht mal sein Schwanengesang Godus was ändern. Aber diese verklärte Designer-Nostalgie ist eigentlich nicht, womit so ein Mann abtreten sollte.

Erst als er zuletzt mit Godus noch mal zurück in diese Ära wollte, die von Populous, seinem ersten großen Hit, endete seine Karriere mit einem komplletten, im ewigen Early-Access-Limbo geendeten Desaster. Ein Wort, das man für kein anderes seiner Projekte genutzt hätte. Nicht mal das gescheiterte Fable-Kinect-Experiment war eine solche Katastrophe. Es war kein gutes Spiel, sicher, aber es hatte wenigstens die Aufgabe erfüllt, endgültig zu zeigen, dass die Technik nicht ausgereift war. Das ist mehr Qualität, als man der unfertigen, nostalgisch verklärten Schlaftablette Godus attestieren kann.

Die Liste der Designer ließe sich fortsetzen, aber das Muster müsste klar sein. Legenden der DOS-Amiga-Ära, hatten eine valide Karriere und gute Spiele danach, ging den Bach runter, als sie sich an die goldigen CRT-Zeiten erinnerten. Da ist also einer, bei dem der letzte Schritt noch fehlt. Ron Gilbert. Legende DOS/Amiga-Zeiten, mit Total Annihilation, DeathSpank und The Cave eine kleinere, aber doch valide Karriere seitdem und hey, was ist das… Mit Thimbleweed Park hat er den Schritt doch schon gemacht! Wo andere scheitern, hat er ein gutes Spiel wie früher gemacht! Martin, was willst du eigentlich, er ist ein Gott, er hat den Zirkel des Scheiterns durchbrochen!

Mit Thimbleweed Park wurde bewiesen, dass man ein Spiel genau wie früher für die Fans von früher machen kann. Nichts, was man zu diesem Zeitpunkt nicht geahnt hätte.

Nein, hat er nicht. Ja, Gilbert hat mit Thimbleweed ein gutes Spiel gemacht und eins wie früher. Und zwar exakt wie früher. Das auch kaum jemand gespielt hat, der das "Früher" nicht auf die eine oder andere Weise vermisste. Die anderen sind immer dann gescheitert, wenn sie versuchten, das Früher in das Jetzt zu holen und zu modernisieren. Monkey Island hat das mit dem vierten Teil schon mal probiert und beendete die Reihe für ein Weilchen. Telltale tat, was Telltale tat und machte 2009 ihr Ding. Nettes Spiel, Monkey Island war zurück, aber Gilbert hatte damit auch nicht viel zu tun.

Ich wünsche mir so sehr, dass es klappt. Und rüste mich für die Enttäuschung.

Dass er jetzt wieder an Bord ist, dass kompetente und finanziell gesicherte Studios im Hintergrund stehen, all das erfüllt mit großer Freude und großen Erwartungen für das neue Monkey Island. Sicher. Aber Herzen wurden über die letzten Jahre schon ein wenig zu oft gebrochen, um nicht gleichzeitig sehr, sehr skeptisch auf das Projekt zu blicken. Ich wünsche mir und Ron Gilbert noch viel mehr, dass dieses Monkey Island alles wird, was wir uns seit dem zweiten Teil erhofften und gleichzeitig nie wussten, dass wir es haben wollten. Aber ich bin innerlich auch bereit für ein weiteres Shroud of the Avatar.

Über den Autor
Martin Woger Avatar

Martin Woger

Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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