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Samba de Amigo

Shake it, aber nimms nicht zu genau

Ich gehörte nicht zu den Glücklichen Samba de Dreamcast Amigos. Aber wie alle anderen auch wusste ich ja gar nicht, was ich verpasste. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob es Segas Offbeat-Affe überhaupt bis in unser Ländle schaffte, eine große Rolle spielte es 2001 auf dem Dreamcast jedenfalls nicht mehr. Die Massenmigration zu PS2 und Gamecube hatte längst begonnen. Und so erfuhren nur Eingeweihte vom sonnigsten Musikspiel überhaupt. Der Affe verschwand ungefeiert im Sonnenuntergang.

Aber alle Helden kehren zurück, wenn sie gebraucht werden. Und in den düsteren Tagen des Weltgeschehens kann es nie schaden, vom einem Primaten aufgeheitert zu werden, der nichts anderes im Kopf hat, als breit zu grinsen und die Maracas zu schütteln. Sonne im Herzen, die Rassel in der Pfote und eine potentielle Käuferschicht von mehr als 30 Millionen Wii-Eignern - alle begierig auf neues Material.

Und eine große Umgewöhnung braucht es diesmal gar nicht. Das Dreamcast-Samba wurde für relativ viel Geld mit Plastik-Maracas ausgeliefert, die Schüttelbewegungen und ihre Position erkennen konnten. Also ziemlich genau das, was auch die WiiMote macht. Kabellos gab es damals noch nicht und auch sonst machte das aufwendige Setup eine Menge Mühe. Jetzt nicht mehr. Es sollte für so ein Hightech-Gerät wie die WiiMote doch ein Leichtes sein, drei Höhenlagen und ein wenig Gewackel zu erkennen.

Samba de Amigo-Trailer

Oder eben auch nicht. Es funktioniert gut, aber alles andere als perfekt. Damit Ihr wisst, woran es scheitert, hier zunächst einmal der Spielaufbau. Ihr seht kreisförmig angeordnet sechs Trefferzonen auf dem Screen. Aus deren Mitte wandern Kugeln auf diese sechs Punkte zu und im richtigen Moment müsst Ihr die imaginäre Rassel richtig halten und dann shaken. Jeweils links und rechts gibt es die Positionen oben, unten und Mitte. Dazu kommen noch ein paar Armwedelmoves und Stellungen, die Ihr halten müsst. Oben mit beiden Rasseln im Takt winken oder mit beiden Armen nach links posen. Dinge in dieser Richtung. Im Großen und Ganzen ist dies der gesamte Ablauf durch die 40 sonnig-südlichen Songs und offenbart hinter dem Grinsen des Affen, was Samba de Amigo ist: Ein waschechtes, reinrassiges Musikspiel. Und zwar eines, das ein paar Probleme dabei hat, hundertprozentig zu wissen, was Ihr gerade macht. Bei der ersten Steuerungsvariante wird dies dramatisch deutlich und Ihr solltet sie auch nur in absoluten Notsituationen nutzen.

WiiMote und Nunchuck ergeben schon durch das Kabel ein unmögliches Rasselpaar. Besonders gleichzeitige Links-Rechts-Schüttler lassen Euch an der Leine zappeln. Habt Ihr mal „Flucht in Ketten“ gesehen? So ungefähr könnt Ihr Euch das vorstellen, nur mit weniger Bereitschaft zur Teamarbeit. Dazu kommt, dass die Erkennungsrate des Chucks noch weit unter der Mote liegt. Samba + Chuck + Mote? Lasst es einfach sein.

24-Bit bedeutet über 16 Millionen Farben. Die meisten davon sind auf diesem einem Bild zu finden.

Mit zwei Motes, eine in jeder Hand, verfliegt dieser unschöne Ersteindruck und es schüttelt sich schon weit besser. Sogar richtig gut. Aber alles andere als perfekt. Die Wii erkennt gut, auf welcher Höhe Ihr die Motes haltet und wann Ihr wie oft rasselt. Was sie nicht gut hinbekommt, sind dagegen schnelle Änderungen der Positionen. Bei einem fliegenden Wechsel zwischen oben-unten-oben vergehen wertvolle Sekundenbruchteile bis der Cursor zeigt, dass jetzt die richtige Stellung erreicht wurde. Lief die Note vorher durch, habt Ihr halt Pech gehabt, selbst wenn Eure Hand schon längst und vor allem rechtzeitig an Ort und Stelle verharrte. Der Mensch ist halt doch oftmals schneller als die Konsole.

Auf den leichten Schwierigkeitsgraden ist dies kein Problem. Auf Einfach und Mittel schaffen selbst eher langsame Zeitgenossen recht bequem 90-95 Prozent der Noten zu erwischen und erfreuen sich an A und B – Rankings. Hier glänzt der Samba-Stern am hellsten, denn Ihr lasst einfach die Rassel-Sau raus und rüttelt und schüttelt, als gäbe es kein Morgen mehr. Selbst wenn nicht jeder Schüttler ein Treffer wird, was soll's, es reicht immer noch für hohe Ratings und mehr Sommer-sonnigen Spaß als so mancher Club-Urlaub in einer ganzen Saison bietet.

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

Über den Autor

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Martin Woger

Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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