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Star Wars Obi-Wan Folge 4: Es gibt kein Problem, das sich nicht mit der Dummheit der anderen lösen ließe

Darauf ist immer Verlass!

Ich denke, wir sind an der Stelle angekommen, an dem wir uns über ganz Grundsätzliches unterhalten müssen. Ich weiß, dass Star-Wars-Drehbücher schon immer recht liberal auf Zufälle, Glück und Deus-Ex-Machinas setzten. Aber ich bin ziemlich sicher, dass diese Disney-Serien dieses… nennen wir es mal "Stilmittel" entschieden überstrapazieren. Wer nun sagt, wegen der Präzedenzfälle in den Filmen sei es hier in Ordnung oder weniger störend… vielleicht stimmt das für den einen oder anderen. Mir ist mittlerweile meine Zeit zu schade.

Das Dumme: Ich hänge an diesem Universum, diesen Figuren, wie man eben daran hängt, wenn man sie seit den frühen Achtzigern im Herzen trägt. Ich wünsche mir, dass sich Star Wars entwickelt, seinen Klischees entwächst – oder sie voll und ganz umarmt und annimmt. Was wir aktuell bekommen, sitzt dermaßen zwischen den Stühlen, dass ich es weder als großes Sci-Fantasy-Drama noch als temporeichen Sternenkrieg-Spaß annehmen kann.

Folge vier macht einmal mehr deutlich, wie sehr Obi-Wans (und andere Star-Wars-)Geschichten rückwärts geschrieben scheinen. Start- und Endpunkt sind bekannt, die Ereignisse dazwischen biegt man so hin, dass es eine verbindende Linie gibt. Diese Schule Erzähl-"Kunst" setzt nun mal einfach auf Zufälle, und Pläne, die auf Zufälle oder zumindest die Unfähigkeit, das Unwissen oder die Rückgratlosigkeit der Gegenseite setzen, damit sie funktionieren.

Manchmal wünschte ich, er wäre alleine in der Wüste geblieben.

Da sollen wir eine Hochsicherheitsfestung infiltrieren, die keine Schilde braucht, weil niemand dumm genug wäre, sie anzugreifen. Und alles, was es braucht, ist eine schmallippige Einschüchterung eines Wachoffiziers, die genauso gut daneben hätte gehen können, und die Taste für den Stealth-Kill zu drücken, wenn zwei, drei Mal jemand Lunte riecht und die Tarnung eigentlich schon aufgeflogen war. Was man hier sieht, ist unterhaltsam in Szene gesetzt. Aber man hat zu keiner Zeit den Eindruck, als hätte irgendjemand diese Befreiungsaktion für irgend etwas anderes halten können, als eine Himmelfahrtsmission.

Ohne die ach so verlässliche Dummheit der anderen wären Tala und Obi-Wan keine fünf Meter in diese Basis gekommen. Hätte man keinen coolen Heist mit einem Plan inszenieren können, der zumindest so aussieht, als würde ihn jemand wagen wollen? Keine Spur von Cleverness hier. Dass am Ende – nach einer geradezu Slapstick-artigen, aber furztrocken inszenierten "Versteck' dich unter meinem Mantel, Leia"-Szene – dann noch zwei Mini-Speeder angeflogen kommen und mal eben die komplette Garnison der ach so schlimmen Inquisitorenfeste abfackeln, wirkt maximal einfältig. Keine Schilde? Ok! Aber wenigstens Abfangjäger oder feuerbereite Abwehrgeschütze, nachdem minutenlang bereits roter Alarm in der Basis herrschte? Wie wäre es mit einer Tür oder einem Kraftfeld, das die Flucht verhindert? Alles Fehlanzeige. Denn herrschte hier Logik, kämen unsere Helden nicht weg von hier. Was sie aber müssen, denn sonst ginge die Geschichte ja nicht weiter.

Sicher, Reva erklärt es damit, dass sie Obi und Leia entkommen lassen wollte, wegen eines versteckten Peilsenders, der das Imperium zur Basis der Widerständler führen könnte. Aber diese Wanze kommt mir eher wie ein Notfall-Plan vor, der ihr am Ende vor Vader den Hals rettet. Reva konnte sich zu keiner Zeit sicher sein, dass nicht irgendein dahergelaufener Stormtrooper vielleicht doch den entscheidenden Glückstreffer landet und den Angriff der Speeder hatte sie auch nicht auf dem Zettel.

Der Konflikt zwischen den Inquisitoren beschränkt sich weiter auf Lippenbekenntnisse und böse Blicke. Schade.

Nichts hier hat wirklich Gewicht, weil man mittlerweile davon ausgehen kann, welches Ende das hier nimmt. Die Autoren müssen ja sogar mal wieder Dummheiten der Hauptfiguren einbauen, um dem Imperium zumindest für ein, zwei Szenen eine Chance zu geben und künstlich Spannung zu erzeugen. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass sowohl Tala als auch Obi-Wan vergessen, ihr Walkie-Talkie in brenzligen Situationen auf lautlos zu stellen. Und selbst diese Probleme löst man dann mit den Mitteln des gängigen Videospielprotagonisten: Obi/Tala sind die Hauptcharaktere, haben all die Moves, mehr Lebensenergie und einen voll bestückten Skilltree. Der Rest sind NPCs mit zwei Manövern, die die Zeit bis zur nächsten Cutscene mit einer Kampfsequenz strecken.

Es tut mir wirklich leid, auch ich hatte ein wenig Hoffnung, dass mir diese Serie besser gefallen würde als der letzte Output Disneys zum Thema Star Wars. Mir liegt es fern, anderen den Spaß daran zu verderben, aber ich habe auch das Gefühl, dass dieser Stoff so viel mehr hergäbe, wenn man nur die richtigen Leute dransetzen würde. Nun gut, mit einer dramaturgisch guten Doppelfolge und einem eleganten Ende könnte emotional zwischen Obi-Wan und Vader noch etwas rausspringen, das sich lohnt, geschaut zu haben. Ist das zu viel verlangt?

Über den Autor

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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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