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Test – Atrio: The Dark Wild ist nicht das Cyberpunk-Factorio, das ihr vielleicht erwartet

Aber es hat dreieinhalb Wassermelonen!

Gelungenes Automatisierungs-Spiel mit witzigen Dialogen, aber etwas unhandlicher Steuerung und überschaubaren Möglichkeiten beim Bauen.

Die Entwickler von Atrio: The Dark Wild mögen Survival- und Automatisierungsspiele. So steht es zumindest in der Beschreibung ihres Spiels. Und das passt ja auch. Immerhin wurde dieses Erstellen vollautomatischer Produktionswege, auf denen Rohstoffe gefördert, veredelt und verarbeitet werden, schon mit Minecraft populär, in dem es ebenfalls ums Überleben geht, bevor man irgendwann nur noch aus Spaß an der Freud immer weiter baut.

Das ist also ein alter Schuh, dem Atrio einen neuen Anstrich verpasst, weil es das Überleben und Bauen in ein technokratisches Szenario verlegt. Als Android ist man dort unterwegs, um eine stillgelegte Basis wieder in Schwung zu bringen. Vom zynischen Zentralcomputer erfährt man allerdings herzlich wenig über die Hintergründe des „Project H.U.M.A.N.“. Stattdessen findet man die zerstörten Körper anderer Androiden sowie eine riesige Statue, an der die Geschicke des Alter Ego in neue Bahnen gelenkt werden…

Cyberpunk-Automatisierung: Die Maschinen stellen (metallene) Pilze her, Ressourcen dafür kommen aus den Anlagen rechts davon sowie von Bienen, die die Sporen der Pilze sammeln und wieder in die Maschinen legen. Die Kröte sammelt die Pilze schließlich ein, damit neue wachsen können.

Auch wenn die Geschichte hier freilich keine entscheidende Rolle ist: Ich mag die kurzen Intermezzi, wenn man hin und wieder in einen neuen Körper versetzt wird und der Zentrale dabei in kurzen Multiple-Choice-Dialogen frech Paroli bieten oder sich extra blöde stellen kann. Wenn ich die Wahl zwischen einer gescheiten Antwort und „dreieinhalb Wassermelonen“ habe, weiß ich jedenfalls, was es wird.

Atrio: The Dark Wild hat damit auf sympathische Weise Witz und macht dadurch neugierig auf die Auflösung dessen, was anfangs noch verborgen liegt. Wobei man dafür entweder Englisch, Französisch, Japanisch, Koreanisch, Russisch oder Chinesisch verstehen sollte, denn Deutsch wird zumindest im Moment leider nicht unterstützt. Auf Nachfrage erklären die Entwickler, dass sie zunächst die Verkaufszahlen abwarten wollen, um damit womöglich weitere Lokalisierungen zu finanzieren. Zunächst hatten andere Sprachen deshalb Vorrang, weil mehr deutsche Spieler Englisch sprechen als die anderer Länder.

Wie dem auch sei: Im Kern dreht sich selbstverständlich alles um den freien Aufbau des Lagers, der auch nur selten unterbrochen wird und bei dem man zunächst Treibstoff für die gewünschten Maschinen bereitstellen muss. Je mehr man dabei in den Ofen wirft, desto mehr Energie steht zur Verfügung – wobei man die Geräte nicht einzeln an den Strom stöpselt. Man setzt vielmehr Glühbirnen in die Landschaft und alles, was sich in deren Leuchtkreis befindet, ist voll funktionsfähig.

Auf Steam Deck läuft Atrio grundsätzlich ordentlich, allerdings schafft die Bildrate recht schnell keine 60 Bilder pro Sekunde mehr. Die 40 hält es meiner Erfahrung nach aber zuverlässig.

Später übergibt man dann Robotern das Pflücken und baut Laufbänder, welche den Treibstoff gen Ofen schieben. Man lässt außerdem weitere Ressourcen abbauen, um sie zu Fabriken zu transportieren, wo die jeweils benötigten Zwischen- beziehungsweise Endprodukte entstehen und daraufhin in Kisten gelagert werden.

Hat man erst mal ein paar solcher Elemente mit immer komplexer werdenden Abläufen in die Landschaft gepflanzt, macht es großen Spaß, dem automatischen Treiben zuzuschauen. Zumal man mit etwas Fantasie ein paar furchtbar faszinierende mechanische Kunstwerke erschaffen kann. Schaut euch auf jeden Fall die Türen sowie die Sprungbretter an, die jeden auf sie gelangenden Gegenstand an einen vordefinierten Punkt schnipsen.


Atrio: The Dark Wild ist sowohl auf PC bei Steam (16,79€) als auch im Epic Game Store (15,99€) erhältlich sowie bei Microsoft (17,99€) für die aktuellen Xbox-Konsolen.


Gleichzeitig fehlt mir aber sowohl in der Kampagne als auch im freien Spiel oder Kreativmodus der Anreiz wirklich aufwändige Systeme zu erstellen. Allzu viele Ressourcen und Technologien gibt es nämlich nicht, sodass die Möglichkeiten dieses kreativen Bauens im Vergleich doch stark begrenzt sind. Das Potential von Dauerbrennern wie Factorio, Satisfactory oder Minecraft hat Atrio jedenfalls nicht.

Die Charaktereentwicklung ist leider wenig motivierend. Im Wesentlichen erhält man darüber nur ein paar notwendige passive Verbesserungen.

Das liegt auch an ein paar Kleinigkeiten, die mitunter den Spielfluss stören. So ist es zum Beispiel recht fummelig, liegen gebliebene Materialien aus Fabriken herauszuholen, um deren Produktionsablauf zu verändern. Und während alle neuen Lampen automatisch über die ihnen nächste ans Energienetz angeschlossen werden, passiert das nicht, wenn man diese Reihenschaltung verändert, indem man eine Glühbirne entfernt – selbst dann nicht, wenn danach noch alle Lampen in ausreichend kurzer Entfernung zueinander stehen.

Hinzu kommt eine unbequeme Gamepad-Steuerung: Zum einen ist die Menüführung per Controller relativ umständlich und zum anderen fällt das Anvisieren von Maschinen, Ressourcen und anderen Objekten so schwer, dass man ständig das falsche erwischt oder den Androiden mehrmals neu positionieren muss, bis die Markierung endlich das gewünschte Ziel erfasst.

In der Kampagne mochte ich zudem das Kämpfen nicht. Dabei ist es eigentlich sogar eine gute Idee, dass man die Fauna nicht direkt bekämpft, sondern durch Fallen ruhigstellt, um sie anschließend einzufangen. Wenn man aber in Arenakämpfen ständig Fallen auswirft und auslöst, um gleichzeitig Angreifern auszuweichen, macht mir das in dieser Form keinen Spaß. Dass die Basis in den ersten Stunden nicht ständig attackiert wird, kommt dem entspannten Aufbaugedanken zugute. Dass man für den Storymodus diese Arenakämpfe erledigen muss, ist jedoch ein ärgerliches Übel.

Interessanter als das Verbessern des Alter Ego ist das Hinzukommen neuer Technologien und Maschinen beim Erreichen vorgegebener Meilensteine, oft das Herstellen eines bestimmten Erzeugnisses.

Test zu Atrio: The Dark Wild – Fazit

Nun hat der überschaubare Inhalt durchaus sein Gutes, denn dadurch kann man vielleicht 20 Stunden lang das Dasein als industrieller Architekt genießen und hat im Anschluss nicht das Gefühl das eigentliche Spiel zu verpassen. Die geheimnisvolle und angenehm amüsante Geschichte macht die Kampagne zu einem unterhaltsamen Abenteuer und das schicke Artdesign gefällt mir besser als das vergleichbarer Titel. Aber damit erschöpft sich Atrio eben auch schon. So richtig komplexe Abläufe erstellt man nicht und tatsächlich ist die Anzahl der Maschinen und Ressourcen auch so begrenzt, dass die erstellten Anlagen sich im Grunde alle gleichen. Dazu eine mitunter hakelige Steuerung… Wer eine Art Einstieg in die Welt der Automatisierung sucht, ist bei Atrio: The Dark Wild gut aufgehoben. Erfahrene Baumeister dürften hier allerdings kaum fündig werden.

Atrio: The Dark Wild – Wertung: 6/10

Pro und Contra

Pros:

  • Sehr amüsante Geschichte
  • Kampagne, Freies Spiel und Kreativmodus
  • Relativ große Freiheit beim Aufbau der Basis…

Contras:

  • … Aber sehr geradlinige Forschung/Entwicklung
  • Steuerung besonders per Gamepad ungenau und etwas umständlich
  • Nicht besonders unterhaltsame (Arena-)Kämpfe
  • Einige zunächst schlecht erklärte Zusammenhänge

Entwickler: Isto Inc. - Publisher: Isto Inc. - Plattformen: PC, Xbox Series X/S, Xbox One - Release: 10.01.2023 - Genre: Aufbaustrategie - Preis (UVP): 15,99€ (Epic), 16,79€ (Steam), 17,99€ (Xbox)

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

Über den Autor
Benjamin Schmädig Avatar

Benjamin Schmädig

Redakteur

Für ihn ist WipEout 2097 der Grund, aus dem es Videospiele gibt – aber auch Indiesachen, Shooter sowie fast alles, das mit Weltraum zu tun hat. Sucht gute Storys, knackige Herausforderungen und freut sich, wenn die grauen Zellen nicht unterfordert werden.

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