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Trauernde Mutter trifft in VR auf ihre verstorbene Tochter

"Ich glaube, davon habe ich immer geträumt."

Vorab: Das Video zu schauen, ist schon ziemlich harter Tobak. Überlegt's euch gut.

Ich denke, wir haben ihn erreicht - den Scheideweg, an dem Technologie droht, mehr als nur ein bisschen unheimlich zu werden. Die Geschichte der Südkoreanierin Jang Ji-sung, deren Tochter Nayeon 2016 an einer unheilbaren Krankheit verstarb, ist unfassbar berührend und der Gedanke, wenn auch nur für einen Moment wieder mit einem verstorbenen Lieben vereint zu sein, spendet nicht erst seit der Ankunft von VR Trost. Ich bin aber nicht sicher, ob ich diese spezielle Gelegenheit wahrnehmen wollen würde oder die Kraft dazu hätte.

Was war passiert? Eine Fernsehsendung hat das Zusammentreffen der Mutter mit einer VR-Version ihrer verstorbenen Siebenjährigen dokumentiert. Die Mutter trägt eine Vive Pro und haptischen Handschuhen und trifft auf einer Wiese auf einen Avatar ihres Kindes, von nicht nur das Aussehen, sondern auch die Stimme ihren Weg in das Programm fand.

Das etwa zehnminütiuge Video unten ist erwartetermaßen extrem schwierig anzuschauen. Die TV-Sendung "I Met You", in deren Rahmen das Treffen möglich wurde, dokumentierte die achtmonatige Entwicklung der Software und kulminierte schließlich in den Szenen unten (via, PC Gamer), in denen die Mutter am Geburtstag ihrer verstorbenen Tochter das Headset aufsetzt.

Jang Ji-sung beschrieb das Treffen mit erbaulichen Worten: "Vielleicht ist es ein echtes Paradies. Ich traf Nayeon, die mich mit einem Lächeln rief, nur kurz. Aber es waren sehr glückliche Momente. Ich glaube, davon habe ich immer geträumt", so die Mutter im Interview mit dem zuständigen TV-Sender, ABD.

"Ich hoffe, viele Menschen erinnern sich an Nayeon, nachdem sie sich die Sendung angeschaut haben", schrieb die Mutter später in ihrem Blog, der mittlerweile geschlossen wurde.

Es freut mich für die Frau, und ich bin kein Psychologe, der darüber urteilen möchte, ob das nun "gesund" ist oder nicht. Aber komme aber nicht umhin, dass mich diese Bilder ein wenig gruseln. Auch, weil die Vorstellung, dass die Liebkosungen in Richtung des Avatars letztlich unverstanden und nicht empfunden in die Leere gehen. Vor allem aber der Gedanke, dass jemand auf die Idee kommen könnte, um die Technologie herum ein lukratives Geschäftsmodell aufzubauen, ekelt mich nicht zu knapp.

Hier, wie gesagt das Video, das man sich vielleicht besser spart. Aber ich denke, wir sollten hiervon zumindest als Moment kurz Notiz nehmen und uns - jeder für sich - die Frage stellen, was wir davon halten.


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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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