Wenn du auf einen Link klickst und etwas kaufst, können wir eine kleine Provision erhalten. Zu unseren Richtlinien.

Wenn sich Interstellar und FTL in der Arcade treffen, spielen sie Power Of Ten – und ihr solltet mitgehen!

Das Jahr startet mit einem ersten Bewerber für den Indie-Liebling des Jahres.

Das erste Mal spielte ich Power Of Ten vor eineinhalb Jahren als Demo auf dem Steam Next Fest. Die hatte mir schon ausgezeichnet gefallen und plötzlich ist das Spiel auf einmal draußen. Gestern erschien es, mit einem satten 40-Prozent-Rabatt für die Startwoche und ich habe impulshaft zugschlagen – und fühle mich bisher dort extrem gut aufgehoben.

Ich fand den Mix aus Weltraumerkundung und Ballern aus der Draufsicht in einem spärlichen, aber evokativen Pixel-Style allein spielerisch schon ansprechend, aber die Einleitung erinnerte mich an einige der emotionaleren Momente aus Christopher Nolans Interstellar: Auch wenn es hier vordergründig um Aliens, Laser und Ressourcenmanagement in Roguelite-Survival-Stil-Manier geht, setzt Entwickler Pew Times Three den Einsatz dieses auf Wiederspielbarkeit ausgelegten Actionspiels menschelnd hoch an. Ich will gar nicht verraten, was hier passiert, aber es motivierte mich direkt sehr, mich auf diese gefährliche Reise zurück nach Hause zu begeben.

Die Projektile mit den Totenköpfen sind das orbitale Bombardement. Ihr könnt sie abfangen, wenn ihr gut genug zielt.

In der Struktur dürft ihr euch Power Of Ten grob wie FTL: Faster Than Light vorstellen, wenn das um einen von oben inszenierten Ballertitel ohne Crewmanagement gestaltet worden wäre. Ihr fliegt euer Schiff durch einen Sonnensystem mit mehreren Planeten, zerballert Asteroiden für Gase und Mineralien und setzt diese ein, um die Schilde generierenden Satelliten zu aktivieren, damit die periodisch angreifenden Außerirdischen die Planeten nicht dezimieren können. Ist ein System sicher, erscheint ein Warp-Tor zum nächsten System. Habt ihr so eine festgelegte Menge Menschenleben gerettet (und nicht zu viele verloren), könnt ihr in den nächsten Sektor vordringen.

Unterwegs kreuzt ihr den Weg von Handelsschiffen, die Credits oder Rohstoffe gegen Upgrades oder Reparaturdienste tauschen, manchmal eine Hilfsleistung von euch erwarten, und entdeckt immer coolere Waffensysteme und gelegentlich auch Schiffe, in die ihr umsteigen könnt. Eine schöne Machtspirale. Was erstmal wahnsinnig mechanisch klingt, ist aber dank eines fantastischen Soundtracks, der mal die Weite des Raumes mit elegischen Gitarren und Synth-Loops untermalt, mal mit Trommeln und Orgeln brutal einbläut, wie verschwindend unbedeutend wir Menschen eigentlich sind, atmosphärisch und spannend.

Gut die Hälfte eines Planeten sind durch Tore verbunden, die euch hin und herschießen. Sieht extrem cool aus. Das Spiel merkt sich übrigens alles, was hier herumfliegt: Ist euer Inventar voll, könnt ihr Ressourcen oder Upgrades liegenlassen und später holen.

Es liegt nur ein Hauch von Hoffnung über diesem Sternenkrieg, der einen umso verzweifelter um die Rettung der Menschen und die eigene Heimkehr kämpfen lässt. Ist man auf seinem Trefferpunkt angelangt, bekommt man schon reichlich schwitzige Finger. Denn, darum kommt man nicht herum, irgendwann erwischt es einen eben doch und ihr könnt es mit neu ausgewürfelte Karte und einem frisch freigeschalteten anderen Flieger noch einmal versuchen.

Mir gefällt es bislang wirklich gut, auch wenn ich mir vorstellen kann, dass der eine oder andere eher aus Pflichtbewusstsein zurückgelegte Weg zwischen zwei Planeten, die vielleicht gerade mal nicht mit einem Schnellreisetor verbunden waren, ein bisschen viel Downtime erzeugt. Aber was, wenn ausgerechnet um den ein Handelsschiff kreist, das ein besonders coole Upgrade in petto hat? Möglich also, dass diese Wege irgendwann alt werden und das Spiel sukzessive an Reiz einbüßt.

Notiz an Steam-Deck-User: Zwar darf man das Interface skalieren und prinzipiell läuft es auf dem Handheld ziemlich gut. Kleine Objekte, Resourcen und Projektile sowie schnelles Scrolling sind keine optimale Kombination.

Bis hierhin, nach gut vier Stunden, hatte ich jedenfalls eine Menge Spaß mit Power Of Ten, das seine aktuell 7,49 Euro mehr als wert ist. Alleine der Score ist bis hierhin schon eine Freude gewesen und der Mix aus Space-Verlorenheit und Wagemut im Angesichts einer nicht enden wollenden Übermacht, drückt ohnehin bei mir immer die richtigen Knöpfe. Zudem hat der Entwickler bereits bestätigt, dass das Spiel zwar prinzipiell komplett, aber wahrscheinlich noch nicht fertig sei, was darauf hindeutet, dass Pew Times Three es weiter hegen und pflegen will. Ich finde, ein schöner Start ins neue Jahr.

Power of Ten ist zwar brandneu, aber noch bis zum 18. Januar um 40 Prozent günstiger zu haben. Klingt der Titel gut für euch und wollt ihr das kleine Studio unterstützen, holt euch Power of Ten für 7,49 Euro auf Steam oder auf gog.com.

Über den Autor
Alexander Bohn-Elias Avatar

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

Kommentare