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Retro auf Raten - Wii Virtual Console

Lords of Thunder, Phantasy Star 2, Eternal Champions, Adventure Island, Street Gangs

Hey was, geht denn da? Fünf neue Spiele auf der Virtual Console in den letzten Wochen und vier von ihnen sind Qualitätsware der Art, wie ich sie ein wenig zu vermissen begann. Zeichen und Wunder, sie geschehen doch.

Lords of Thunder

Plattform: Turbo Grafx CD
Entwickler: Hudson Red
Erschienen: 1993
Kostenfaktor: 800 Punkte
Wii-Mote Unterstützung: Ja

Ich oute mich jetzt mal. Und zwar als Heavy Metal–Fan. Heute immer noch ein wenig, mit 17 war ich es mit Herz und Seele. Wann sonst, wenn nicht in den Wirrungen der Pubertät, sind Bands cool, die über harte Männer und Fantasykrams singen und Typen mit Äxten und Breitschwertern auf ihre Cover packen?

Und als die Shooter-Götter von Hudson Red ein Ballergame unters Volk brachten, das alles vereinte - nämlich Metal, Fantasy, harte Männer, Äxte und Breitschwerter –, war meine Welt in bester Ordnung. Ein Action Metal Shoot Shangri-La. Klingt bescheuert, ich weiß, aber so lässt sich meine Gefühlswelt gegenüber Lords of Thunder am Besten beschreiben.

Jetzt zieh ich mal die ganze Verwirrung und leichte Begeisterungsfähigkeit meiner Jugendjahre ab und übrig bleibt – ein immer noch verdammt gutes und ausnahmsweise mal nicht unschaffbar hartes Shoot´em´Up. Vier Welten aus Feuer, Wasser und Eis müssen mit einem gepanzerten Krieger bewältigt werden, bevor es in Level 5 zur finalen Schlacht um irgendwas geht, was so uninteressant ist, dass ich es schon wieder vergessen hab. Wahrscheinlich eine Welt-Rettung oder so.

Damit Ihr es bis dahin schafft, spendierte Hudson eine recht großzügige Energieleiste, effektive und vielseitig aufrüstbare Extrawaffen und einen Shop, in dem Euch eine holde Maid gegen hartes Geld mit allem, was tapfere Krieger so brauchen, versorgt. Rüstung, Waffen und Lebensenergie. Und damit auch ein Schuss Taktik nicht fehlt, gibt es vier Krieger zur Auswahl, jeder mit speziellen Fähigkeiten, die sich in machen der Level besser machen als in anderen.

Optisch braucht sich der 8-Bit Turbografx-Titel vor nichts, wirklich gar nichts verstecken, was die späteren 16-Bitter zeigten und mit einen so fulminanten, Mid-80s Judas Priest inspirierten Instrumental Speedmetal-Soundtrack konnte mangels CD-Rom niemand anderes aufwarten. Dazu noch die gewohnt gute Spielbarkeit der Red-Routiniers, die Euch bei den knackigen Boss nicht verzweifeln lässt und fertig ist eines der besten Shoot´em´Ups aller Zeiten. That´s Metal, Baby!

Goldmünzen: 5/5

Phantasy Star 2

Plattform: Mega Drive
Entwickler: Sega
Erschienen: 1989
Kostenfaktor: 800 Punkte
Wii-Mote Unterstützung: Ja

Manche Spiele behalte ich schon allein wegen des Preises im Hinterkopf, den es zu seiner Zeit zu berappen galt. Fast 200 DM sollten meine Eltern locker machen, schließlich gehörte ich selber 1990 noch nicht zu den Großverdienern. Als dann das Importpäckchen kam, waren sie mächtig erstaunt, wie wenig Material man für so viel Geld bekommt. Wenig nur in Bezug auf die physische Plastik-Hülle, für mich enthielt das unscheinbare Paket eine Parallelwelt, die mich fast zwei Monate meines Lebens in der schnöden Realität kostete. Aber nach solchen Maßstäben rechen Eltern ja nicht…

Und eigentlich wollte ich jetzt hier ohne zu zögern die fünf Punkte ziehen, Euch erzählen, dass Phantasy Star 2 heute noch sein Rollenspiel steht und fertig. Nach der ersten Spielrunde seit 15 Jahren bin ich mir nicht mehr ganz so sicher. Das Game war für seine Zeit revolutionär, größer und schöner als alles, was es bis dahin gab, nur damit kann es heute nicht mehr punkten.

Gelegenheitsspieler und alle, die nur mal für ein paar Minuten in Nostalgie schwelgen wollen, werden schon im ersten Dungeon absterben. Schon dieses im Vergleich zum Rest kleinere Verließ streckt sich über vier gewaltige, verzweigte Etagen voller Monster – Zufallkämpfe fanden in der RPG-Geschichte nur selten häufiger statt als hier -, die Euch alle mit Nachdruck ans Leder wollen. Ohne ausreichendes Hochleveln habt Ihr eigentlich nirgendwo eine echte Chance. Wenigstens nimmt der Kampf Euch durch die Auto-Funktion dabei viel Arbeit ab. Ihr stellt ein, was die Truppe machen soll und bis sie siegt oder tot im Staub liegt wird sie Euch gehorchen.

Sollte es doch ernst werden, könnt Ihr eingreifen und manuell draufhauen oder einem großem Fundus aus Zaubern wählen. Und viel Glück dabei auszuknobeln, was die Sprüche mit solch enigmatischen Namen wie GIFOI, NASAG oder SHINB wohl anrichten könnten. Ohne eine FAQ aus dem Netz steht Ihr bei den kruden Spruchnamen sicher recht ratlos da. Für solche Mühen, die monströsen Dungeons und die Myriaden von Zufallsbegegnungen entlohnt Euch Phantasy Star 2 mit wahrlich epischer Handlung und Umfang. Tragische Wendungen, Charakterschicksale und ein viel diskutiertes, sicher jedoch denkwürdiges Ende werden Euch in der dunklen Nacht der Dungeons bei Laune halten.

Doch nur solange Ihr das hier nicht als Kurzausflug auffasst, sondern Euch wirklich für eine ganze Weile in das komplexe Universum stürzt. Irgendetwas zwischen 50 und 100 Stunden werdet Ihr hier zubringen, mit Stift und Papier Karten zeichnen und irgendwann schlicht vergessen, dass weder Sound noch Optik vor langer Zeit schon nicht mehr Up-to-Date waren. Drückt dann noch bei der schlicht erschlagenden Masse der Monster ein Auge zu und Ihr erlebt ein phantastisches Abenteuer, an das Ihr Euch den Rest Eures Lebens erinnern werdet. Trotzdem: Eine für jeden Rollenspieler unerlässliche Pflicht war das Ganze nur vor 18 Jahren.

Am Rande sei noch angemerkt, dass Ihr das Vergnügen dieses Rollis auch anders haben könnt, zumindest mit einer PSP oder PS2 im Haus. Dort gibt es die recht preiswerten Sega Mega Drive Collections, die neben Teil 3 und 4 – dem Besten der Serie – noch diverse Sonics, Vertormans und Golden Axes enthalten. Gameboy Advanceler finden auf ihrer Collection neben Teil 2 und 3 noch das allererste Sega Master Phantasy Star.

Goldmünzen: 4/5

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

Über den Autor
Martin Woger Avatar

Martin Woger

Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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