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Retro auf Raten - Wii Virtual Console

Fäuste, Äxte und ein gieriger Elf

Eine besonders finstere Nacht legte sich gerade über das Dorf, als der breitschultrige Alte sich der Schänke näherte, über deren Tür als Schild eine Goldmünze mit der Inschrift „VC“ im Wind hin- und herschwang. Durch die Bleiglasfenster schien ein warmes Licht und der Alte beugte sich vor, um einen Blick in das Innere werfen zu können.

Nur ein Tisch war im ansonsten verwaisten Schankraum besetzt, an dem sich vier ebenfalls in die Jahre gekommene Gestalten lautstark und fröhlich über vergangene Tage unterhielten. Der Alte wandte sich vom Fenster ab und trat durch die Tür. Die Vier blickten zu dem Neuankömmling auf und ihr Gespräch verstummte. Einer von Ihnen erhob sich und ging auf den Alten zu. Er musterte ihn kurz und legte dann mit einem Lächeln kameradschaftlich die Hand auf die Schulter des Alten: „Willkommen, NeoGeo.“

Nach Super Nintendo, NES, Mega Drive und TurboGrafx bekommt die Palette der Virtual Console ab sofort Zuwachs in Form der wohl aufwendigsten 16-Bit Spiele, die es je gab, den NeoGeo-Modulen. Jeder wollte Anfang der 90er ein NeoGeo, denn wo sonst bekam man eine Konsole, für die es ausschließlich Spielhallentitel in Originalform und ohne Kompromisse gab. Dass allerdings kaum jemand die auf Prügler und Shoot´em´Up spezialisierte SNK-Konsole neben seinem Fernseher stehen hatte, lag nicht nur am stolzen Preis von 1000 DM, sondern noch mehr an den Spielen, die mit satten 400 DM und mehr zu Buche schlugen. Von dieser Warte gesehen sind die 900 Punkte, die Nintendo ab sofort für die NeoGeo-Titel berechnet, ein echtes Schnäppchen.

Fatal Fury

  • Plattform: NeoGeo
  • Entwickler: SNK
  • Erschienen: 1991
  • Kostenfaktor: 900 Punkte
  • PAL-Optimierung: Kein PAL-Titel
  • Wii-Mote Unterstützung: Ja

Wir bettelten. Wir quengelten. Wir warfen uns auf die Knie und flehten. Es half alles nichts. Der Chef des örtlichen Videospielladens rückte das monströse schwarze Joyboard nicht raus, mit dem wir die Fatal Fury-Demo abbrechen und das Game hätten spielen können. Offensichtlich glaubte er einfach nicht, dass uns unsere Eltern ein NeoGeo mit Fatal Fury kaufen würden. Er hatte wohl recht.

Jetzt, viele Jahre später, sieht man alles etwas nüchterner und damit auch, dass der erste Teil der Fatal Fury–Prügelrunde dem kurz zuvor erschienen Street Fighter II in keiner Weise ebenbürtig war. Am besten schneidet NeoGeo-typisch die Optik ab, schließlich hatte man stolze 55 Mbit Platz für Details und farbenfrohe Hintergründe; dies kann jedoch nicht über die karge Auswahl von gerade mal drei spielbaren Charakteren und die eher hakelige Steuerung hinwegtäuschen.

Jede großartige Serie muss irgendwo beginnen, aber wirklich gut wurde die Fatal Fury–Reihe erst mit der zweiten Auflage der Geschichte und den Bogart-Brüdern. Teil 1 bietet solide Durschnittsprügelei mit wenigen Höhepunkten und geringem Umfang. Für diese Konsole gibt es weit bessere Genrevertreter, und solltet Ihr Euch nicht gerade zu dem harten Kern der Fatal Fury-Fans zählen, wartet Ihr besser, was für NeoGeo in den nächsten Wochen erscheint.

Goldmünzen: 2/5

Neben dem NeoGeo-Debüt warten auf Euch obendrein noch vier neue, alte Sega Mega Drive-Titel.

Landstalker

  • Plattform: Sega Mega Drive
  • Entwickler: Climax
  • Erschienen: 1993
  • Kostenfaktor: 800 Punkte
  • PAL-Optimierung: Nein
  • Wii-Mote Unterstützung: Ja

Nehmt Euch für Landstalker Zeit. Viel Zeit. Die gelungene Mischung aus Plattform-Action und zahlreichen RPG-Elementen glänzt neben einer Vielzahl anderer Qualitäten mit einem geradezu absurden Umfang. Solltet Ihr Euch mit dem sehr kreativ ausgearbeitetem Helden der Geschichte, einem für die Gattung untypisch Gold gierigen Elfen, erst einmal auf die Reise gemacht haben, kann es schon einige Wochen dauern, bevor Ihr endlich den Abspann bewundern dürft.

In dieser Zeit werden Euch nicht nur eine Vielzahl von Feinden bei Laune halten, sondern auch die mitunter ausgesucht kniffeligen und doch immer fairen Raumrätsel der riesigen Dungeons in die Verzweiflung treiben. Lediglich die schwache Story und die gelegentlich auftretenden Probleme mit der isometrischen Perspektive verwehren Landstalker höhere Weihen. Sofern aber ein Classic-Controller zur Hand ist, lässt es sich gut über solche Kleinigkeiten hinwegsehen und für eine ganze Weile in die Tiefen der Höhlensysteme abtauchen.

Goldmünzen: 4/5

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

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Über den Autor

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Martin Woger

Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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