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XBLA-Roundup

Discs of Tron, Chessmaster, Poker Smash, Commanders: Attack, N+

Darf ich einen neuen Geheimbund vorstellen? „Der Orden der Anbeter schlechter Umsetzung uralter Automaten, die fast alle schon vergessen hatten“. Nie war es mir vergönnt, ihre Ordenshallen zu durchschreiten und nie musste ich den Eid ablegen: „Ich gelobe, alles Emulierte zu ehren, egal wie inkompetent umgesetzt es sein mag. Jede Steuerung werde ich durchleiden und jede Optik würdigen, egal wie sehr sie droht, mein Augenlicht zu schänden. So betreten wir das neue Zeitalter alter Spiele.“ So sprach der erste Amalgut des 5800ten Zirkels der Eklipse de CDianer.

Vielleicht darf ich ja beitreten, wenn ich lange genug den ersten der heutigen Titel aushalte. Oder ich spiele einfach einen der anderen Neuzugänge der letzten XBLA-Wochen und werde eine gute Zeit haben. Macht wohl mehr Sinn.

Discs of Tron

Entwickler: Disney Interactive Studios
Kostenfaktor: 400 Punkte (4,80 Euro)
Spielerzahl: 1 bis 2
USK: Ab 6 Jahren
Downloadgröße: 49 MB

Das sollte eigentlich eine sichere Nummer sein und 1983 war es das auch. In einem riesigen Arcadekabinett mit 80s-Neonröhren, Schwarzlicht und einer bedrohlichen Stimme direkt aus dem Tron-Film war ich als Kind komplett aus dem Häuschen. Zumal das Spiel, Air-Hockey ohne Tisch und mit mehr Hin- und Herlaufen, todsicher war und nur eine Grundvoraussetzung mit sich brachte: Eine perfekte, präzise Steuerung.

Und genau hier scheitert wieder mal der Port zum Analogstick des Xbox-Pads. Ist es denn nicht möglich, einen Trackball mit einem kleinen Daumenstick zu emulieren? Falls doch, solltet Ihr die Entwickler anrufen und ihnen das Geheimnis verraten, bevor sie auf diese Weise noch einen ihrer Klassiker in den Sand setzen. Schon das XBLA-Tron, erschienen vor ein paar Wochen, scheiterte daran und die schwammigen Discs-Manöver ruinieren auch jetzt wieder das normalerweise grundsolide Gameplay.

Ein weiteres Rätsel gibt der Multiplayermodus auf: Wenn es in einem Spiel darum geht, dass genau zwei Kontrahenten gegeneinander antreten, dann sollte man sie eigentlich und normalerweise nicht getrennte Spiele spielen lassen. Genau das passiert hier aber und in keinem der vier Modi spielt Ihr wirklich gegeneinander. Seltsam. Statt dessen sammelt Ihr gemeinsam Punkte oder vergleicht Highscores von gerade getrennt gespielten Runden oder macht andere, noch uninteressante Dinge.

Außer dem Multiplayer gibt es, von einem leicht aufgehübschten Grafikmodus mal abgesehen, kaum Neuerungen in dem 25 Jahre alten Game und so bleibt es bei einer missratenen Steuerung und keine Gründe darüber hinwegzusehen sind in Sicht. Danke, der nächste bitte.

Wertung: 1 / 5

Chessmaster Live

Entwickler: Ubisoft
Kostenfaktor: 800 Punkte (9,60 Euro)
Spielerzahl: 1 bis 2
USK: Keine Altersbeschränkung
Downloadgröße: 75 MB

Ihr seid keine Schachspieler? Super, Ihr lest wahrscheinlich nicht einmal diese Zeile und seid schon einen Test weiter. Solltet Ihr dagegen immer noch hier sein: Offensichtlich kennt Ihr das Spiel der Könige und seine Regeln, gehen wird also gleich dazu über, was Chessmaster Live für Euch Pros so anzubieten hat.

Offensichtlich Live. Online könnt Ihr gegen Spieler aus der ganzen Welt antreten. Jippieh, das bietet seit der Erfindung des Internets fast jedes andere Schachprogramm auch. Die Möglichkeit, per Kamera Bilder des Kontrahenten zu sehen, reißt nicht viel, schließlich rekrutieren sich Schachspieler selten aus den Reihen der Supermodels.

Wo Chessmaster für den Profi wirklich zu glänzen vermag, sind sind zum einen die beachtliche Spielstärke, die auch Profis in Bedrängnis bringen kann, und die Auswahl aus einer Vielzahl von individuellen KI-Gegnern mit bestimmten Spielcharakteristika: Miguel wertet Bauern hoch, Kryceks Stärken liegen in der Eröffnung und im Endspiel, Laceys Spiel ist schnell und offen, Charles sucht die Gambits.

Mit meinen eher mittelprächtigen Schach-Fertigkeiten konnte ich zwar nicht immer auf die entsprechenden Situationen hinarbeiten, doch im Test mit Miguel und Lacey lies es sich schon feststellen, dass die Charakterisierungen zuzutreffen scheinen. Die Profis unter Euch werden aus dem Wissen um solche Schwächen und Stärken viel Gewinn ziehen können.

Und sollte Euch das alles nichts sagen, Ihr aber Euch schon immer mal für das Spiel interessieren, bringt Euch der Chessmaster Schach und seine Strategien bei. In einem Tutorial, das sich auf Lektionen verteilt über Stunden hinzieht und wohl weder Fragen zu Spiel noch Strategie offen lässt. Ein gelungenes, grundsolides Schachprogramm ohne Schwächen, aber auch ohne zu viele Extras, die Euch vor Begeisterung vom Sessel springen lassen.

Wertung: 4 / 5

Poker Smash

Entwickler: Void Star Creations
Kostenfaktor: 800 Punkte (9,60 Euro)
Spielerzahl: 1 bis 4, Off- und Online
USK: Keine Altersbeschränkung
Downloadgröße: 100 MB

Karten gibt es in Void Stars Poker Smash auch, aber sie rutschen von unten nach oben über den rechteckigen Tisch und verwandeln sich bei der richtigen Kombination in einen Regen aus wertvollen Casinochips – oder vielmehr Punkten, denn das hier ist allen Kartenspielanleihen zum Trotz ein Tetris-Ableger mit Highscore-Liste.

Absolut minimale Ahnung von den Regeln des traditionellen Pokers solltet Ihr aber schon haben – oder im Tutorial erlangen -, damit Ihr wisst, wie Dreier, Vierer, Flush oder Full House sich zusammensetzen. Die Interpretation dabei wurde aber frei gehalten und auch Kombis, für die man Euch im Saloon erschießen würde – fünf Asse auf der Hand hat man halt nicht –, sind bei Poker Smash erlaubt.

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

Über den Autor

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Martin Woger

Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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