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Zombie Driver

Fahren wie ein Henker

Was ist dumm und geht meist in Gruppen auf die Menschheit los? Richtig, Popstars-Kandidaten. Und Zombies. Der folgende Test dreht sich um die angenehmere der beiden Spezies. Nach einem Chemieunfall wanken Zombie-Horden in einer fiktiven Kleinstadt durch die Straßen. Euer Held hat die Giftmüll-Explosion unbeschadet überstanden und stellt sein Taxi dem Gemeinwohl zur Verfügung. Sprich: Ihr heizt durch die Stadt, überfahrt Zombies und rettet Überlebende. Zombie Driver wirkt wie ein GTA 2 mit PhysX-Unterstützung und besseren Texturen. Eine Mordsgaudi für Spieler mit einem Faible für B-Movies. Oder?

Mit Bleifuß und angezogener Handbremse wendet ihr eure Karre. Das Gummi der Reifen schmiert dicke, schwarze Striemen auf den Asphalt. Vollgas geradeaus! Zurück in die stöhnende und grunzende Masse welker Zombie-Leiber, die den Evakuierungspunkt vor dem Krankenhaus besetzt hält. Links und rechts schrammen abgetrennte Arme, Beine und andere Körperteile an eurem Wagen vorbei – aus der Vogelperspektive des Spiels erahnt man diese Details mehr, als dass man sie bewusst registriert.

Je mehr faulige Gestalten ihr rammt, desto mehr verliert eure Abgasschleuder an Fahrt. Eine gefährliche Situation, denn der Rest der Brüder prügelt auf eure Karosse ein. Das kostet Energie. Zeit für den Nitro-Antrieb! Mit zwei Stichflammen aus den Auspuffrohren katapultiert ihr euch aus der Gefahrenzone. Die Straße sieht aus, als sei ein Tanklaster mit Tomatensaft verunglückt. Trotzdem wendet ihr erneut. 23 Zombies stehen noch auf eurer Abschussliste, bevor die Doktoren ihre sichere Butze verlassen und zu euch ins Auto steigen …

Mit dem Flammenwerfer heizt der Spieler dem Zombie-Pack ein.

Na, gefällt euch das Geschehen soweit? Das sollte es auch, denn in den 17 Levels ändert sich nicht viel daran. Es gilt bis auf die letzte Mission, ständig irgendwelche Überlebenden abzuholen und zu eurem Stützpunkt zu kutschieren. Dafür kassiert ihr Geld und zusätzliche Wagen. Die dürft ihr vor jeder Mission wählen und mit Maschinengewehren, Flammenwerfern, Raketen & Co. aufmotzen. Munition dafür findet sich in Form von Extras im Stadtgebiet.

Etwas Taktik gibt es auch: Mit dem Bus seid ihr zwar langsamer unterwegs als etwa mit dem Polizeiauto, dürft dafür aber auch bis zu 48 Überlebende pro Tour einladen.

Schafft ihr dabei noch zusätzlichen Ziele wie etwa ein Areal von Untoten zu säubern, eine gewisse Zeit zu unterbieten oder 200 Zombie-Hunde zu töten, winken Boni am Ende der Levels. Zombie Driver wirkt auf den ersten Blick wie ein erstklassiges Xbox-Live-Arcade-Konsolenspiel. Doch sobald es losgeht, fragt man sich, warum die polnischen Entwickler keine Gamepads unterstützen und man mit einer fummeligen Tastatur spielen soll. Zudem sind die ganzen Statistiken am Ende eines Abschnitts (höchste Kombo etc.) und die zwölf freispielbaren Erfolge („Bringen Sie 3.000 Zombies in einer Mission um die Ecke“) für die Katz, wenn man Levels nicht wiederholen darf. Wäre denn eine Missionsanwahl für bereits erledigte Missionen so schwer? Wenn nach einem halben Nachmittag der Abspann über den Bildschirm flimmert, bleibt derzeit als einzige Option der komplette Neustart. Rekordejagd? Gibt es nicht. Sehr schade, denn das wirkt amateurhaft.

Dass eine Stadtkarte nur zwischen den Missionen erscheint, ist ein Manko des Spiels.

Doch es gibt einen Silberstreif am Horizont: Mods! Hersteller Exor unterstützt die Gemeinde freischaffender Hobby-Entwickler tatkräftig und hat sogar eine Bastelanleitung für Modifikationen veröffentlicht. Das erste Ergebnis liegt bereits in Form eines Mods vor, der die Stadt in Dunkelheit hüllt und die Zombies durch das Scheinwerferlicht der Wagen wanken lässt. Das wirkt nicht nur gruseliger, sondern macht das Spiel auch bedeutend anspruchsvoller. Vielleicht veröffentlicht ja auch bald mal jemand einen Mod, der eine Karte implementiert. Sich nur an den Pfeilen zu orientieren, ist zwar okay, aber so anwenderfreundlich wie die Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn.

Zombie Driver kostet mit seinen neun Euro beim Download-Portal Steam zwar nicht gerade viel, mehr hätte es aber auch nicht sein dürfen. Dafür fehlt der abgespeckten Zombievariante von GTA 2 der Wiederspielwert und es nerven zu viele Kleinigkeiten: Wo versteckt sich die Pad-Steuerung, wo sind die Highscore-Listen, wieso gibt es keinen Stadtplan? Doch die rasende Jagd auf fauliges Fleisch sorgt zumindest bei eingeschworenen Zombie-Liebhabern für zeitweiliges Schmunzeln, denn das simple Grundprinzip des Spiels funktioniert. Ich hoffe auf einen deutlich umfangreicheren und verbesserten Nachfolger; mein Hunger nach Zombie Driver ist noch nicht gestillt.

Zombie Driver ist für PC über Steam erhältlich.

4 / 10

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