Rayman Origins - Test

Die Wurst Gottes

Ich wusste, dass es mich früher oder später kriegt. Irgendwann würde er garantiert kommen. Der Punkt, an dem aus einem ständigen Schmunzeln zuerst ein schiefes Grinsen und schließlich ein lautes, befreiendes Lachen wird. Humor ist ja eine Disziplin, an der sich kaum ein Videospiel versucht und die meisten letzten Endes doch gnadenlos scheitern. Hier ist es anders. Von der ersten Minute an beginnen die Mundwinkel unwillkürlich nach oben zu wandern.

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Spätestens seit Donkey Kong Country Returns gehören solche Gegenlicht-Szenen bei 2D-Hüpfern zum guten Ton.

Da ist der herrlichst animierte schnarchende Globox. Die grantige Chefin der Toten, die vor Wut schäumt, weil Raymans Rasselbande da oben selbst beim Schönheitsschlaf noch so einen Lärm fabriziert. Der entrückt grinsende Guru mit dem langen Bart... und es wird witziger. Wenn der unförmige Globox mit der flachen Hand derbe Watschen verteilt, ein missmutiger Gegner mit Hut geplättet an der Wand hängt oder ein zu groß geratener, mies gelaunter Broiler euch gegenüber steht, dann wird es schon manchmal grenzwertig.

Aber am Ende war es die grinsende Wurst, die meinen letzten Widerstand gebrochen hat. Ich traf sie im Küchen-Level, sie hüpfte mit herrlich debilem Gesichtsausdruck in einer heißen Pfanne umher und konnte es gar nicht erwarten, dass ich sie als Plattform missbrauche. Dazu kam es aber nicht: Der Anblick der schrägen Gestalt in der Pelle war dann doch zu viel - ich musste erst einmal den Controller bei Seite legen und mir diesen wunderbar durchgeknallten Zeitgenossen genau ansehen.

Wie die Wurst da hüpft, wie sie sich durchbiegt... dazu dieser Blick. Keine Frage, dieses kleine Sprite hat meine Stimme zum besten Spielecharakter des Jahres 2011. Die Wurst hat keinen Namen, keine Geschichte, keine Motivation. Trotzdem möchte ich einen Fanclub gründen und ihr huldigen. Gepriesen seist du, oh hüpfende Grinsewurst!

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Der blaue Grinsemann in der Mitte schwingt euch quer durch die Levels.

Gut, nachdem diese Sache nun vom Tisch ist, widmen wir uns doch den Feinheiten von Rayman Origins, dem lang erwarteten Comeback von Ubisofts (ehemaligem?) Maskottchen, das seine Karriere auf Ataris glücklosem Jaguar begann, aber bald auf PSone, Saturn und PC mit einem herrlichen 2D-Jump'n'Run die Herzen der Spieler eroberte und seinen Status als Held von Welt mit dem exzellenten 3D-Hüpfer Rayman 2 auf N64 und Dreamcast zementierte.

"Oft wirkt das Geschehen auf dem Bildschirm etwas hektischer als beim Kollegen Klempner."

Raymans Rückkehr ignoriert die 3D-Ausflüge und besinnt sich ganz auf die Qualitäten des zweidimensionalen Erstlings. Natürlich haben wir dieses Comeback nicht nur dem Ehrgeiz des Rayman-Erfinders Michel Ancel, sondern auch dem Mut von Shigeru Miyamoto und seinem Team zu verdanken. Vor etlichen Monaten zeigten die doch mit dem herausragend guten New Super Mario Bros. Wii, dass gute 2D-Spiele auch heute noch lange kein Fall für das Download-Ghetto sind und bei entsprechender Qualität millionenfach Absatz finden können. Grund genug also für den guten Rayman, es auch einmal wieder zu versuchen.

Dabei orientiert er sich tatsächlich an Marios erfolgreichem Wii-Ausflug und bringt einen Trupp Freunde mit: Sein Kumpel Globox ist genauso mit von der Partie wie die eigensinnigen Kleinlinge und ihr König. So turnt ihr dann gerne mal zu viert durch die komplexen Levels und kämpft nicht nur gegen eure Gegner, sondern auch das allgemeine Chaos auf dem Bildschirm. Im Gegensatz zu New Super Mario Bros. Wii ist die Interaktion untereinander hier eingeschränkter. Es gibt keine Rempeleien auf engen Plattformen, was zunächst dem Spielfluss zu Gute kommt und die Zahl der unnötigen Tode reduziert, gleichzeitig bringt das aber auch einen Hauch von Beliebigkeit ins Spiel, eure Aktionen haben hier für eure Mitspieler weniger Konsequenzen und oft wirkt das Geschehen auf dem Bildschirm etwas hektischer als beim Kollegen Klempner.

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