NBA 2K13 - Test

Konkurrenzlos und ein bisschen satt steht jetzt sogar Jay-Z auf der Packung. Dabei hätte es ihn gar nicht gebraucht.

Nach der Einstellung von EAs NBA Live 13 ist die NBA-2K-Reihe nun das dritte Jahr in Folge ohne Konkurrenz. Mittlerweile halte wohl nicht nur ich es für fraglich, ob EA Sports einen vierten Anlauf wagt. Drei Jahre investiert, ohne einen Pfennig zu sehen. Die nächsten drei Spiele müssten - Vorsicht, Milchjungenrechnung - doppelt verdienen, von dem, was sich der Hersteller vorstellte, um dieses Unterfangen noch zu einem profitablen zu machen. Und das, wo doch Visual Concepts Jahr um Jahr weiter Ruf und Marke ausbauen konnte.

Als machte 2K EA eine lange Nase, prangt auf der Packung des neuesten Teils Oklahoma Citys Kevin Durant, der eigentlich die Box des ersten NBA Elite zieren sollte. Ich unterstelle zwar lieber Ironie des Lebens als volle Absicht. Pikant ist es aber trotzdem irgendwie. Dennoch: So alleine unterm Korb zu stehen, macht auch schon mal nachlässig bei der Chancenverwertung. Ich weiß es aus eigener Erfahrung. Man fängt zu "daddeln", wähnt sich schon beim Interview, wie es denn war, die spielentscheidenden Punkte kurz vor dem Buzzer zu versenken und haut folglich auch schon mal daneben.

NBA 2K leistet sich zwar nicht ganz diese Sorte Klopper, aber als Spiel, das jedes Jahr aufs neue an seinem Vorgänger gemessen wird, merke ich erstmals seit langer Zeit, dass Visual Concepts nicht ganz so viele schlagende Argumente eingefallen sind wie sonst. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Das hier ist auch in diesem Jahr meiner bescheidenen Meinung nach die beste Sportsimulation, die es für Geld zu kaufen gibt. Technisch, spielerisch und rein von der Atmosphäre her wird sportartenübergreifend nirgends - auch nicht im virtuellen Fußball - Vergleichbares geboten. Aber nachdem man die überragende Jordan Challenge im letzten Jahr mit authentisch ausgestalteten klassischen NBA-Match-Ups ablöste, springen dieses Jahr die Dream-Teams von 1992 und 2012 mehr schlecht als recht in die Bresche. Es ist ein nettes Gimmick, aber die vollwertigen Spielmodi-Entsprechungen in beiden vorangegangenen Ausgaben waren deutlich stärker.

NBA 2K13 - Teaser

Dann wiederum gibt es in diesem Jahr erneut Probleme mit der Nutzerfreundlichkeit des Zwischendrins. Bevor ich auch nur ein Spiel machen konnte, Musste ich mir in einem In-Game-Dialog meinen persönlichen "myPlayer" auf den 2K-Servern anlegen. Mit Email-Adresseingabe, Passwort und jeweiliger Bestätigung. Alles mit dem Controller und ohne die Möglichkeit, diesen Vorgang abzubrechen und später vorzunehmen. Ich verstehe, warum 2K den virtuellen Spieler jedes NBA-2K-Fans an ein Account koppeln will, und auch in diesem Jahr ist es eine der einnehmendsten Sport-Erfahrungen, die man so haben kann, die Solo-Karriere eines einzelnen Rookies zu durchleben. Aber zwingend davor diesen bürokratischen Akt zu setzen, war kein feiner Zug. Zum Glück ist nach einem Mal Schluss.

Was hingegen das ganze Spiel hindurch bleibt, ist das einmal mehr extrem unübersichtliche und in der Bedienung fragwürdige Menü. Bis man findet, was man sucht, vergehen Ewigkeiten. Es ist die Sorte Test-Fußnote, an die man sich gewöhnt. Trotzdem verstehe ich nicht, warum 2K nicht langsam mal anfängt, sich hier einiges des unnötigen Ballasts zu entledigen und die Menüs etwas übersichtlicher gestaltet. Es ist schwer in einem so umfangreichen Spiel, aber es gibt nicht umsonst Leute, die sich auf so etwas spezialisieren.

Auf dem Platz herrscht hingegen eitel Sonnenschein. Es ist vielleicht nicht ganz der Augenöffner, der die Vorjahresupdates waren. Aber alleine schon die zuverlässiger ablaufenden Fast-Breaks, die dank des flotteren und etwas weniger fahrigen Passverhaltens nun deutlich häufiger befriedigend zu Ende geführt werden, sind für mich schon ein großer Bonus im allgemeinen Spielablauf dieser Simulation. Überhaupt kommen Zuspiele nun besser an als zuvor, selbst wenn man in seiner Karriere nicht unbedingt den begnadeten Ballverteiler gibt.

Im Ablauf ist NBA 2K13 einmal mehr hochdynamisch, nachvollziehbar und mit den vielleicht besten Animationen dieses Business gesegnet. Schnell erkennt man Manierismen großer Stars und vor allem stimmt deren Rollenverhalten auf dem Platz, sodass die Matches immer authentisch bleiben. Man merkt sofort den Unterschied, wenn man als Verteidiger Dwayne Wade oder LeBron James vor der Nase hat und muss im Duell mit derartigem Kaliber wirklich beißen, um das direkte Match-Up nicht zu verlieren. Auch viele der prominenteren Role-Player sind in Aussehen und Verhalten lebensnahe Entsprechungen ihrer Echtwelt-Vorlagen.

Darüber hinaus ist nun auch die Identifikation mit seinem eigenen Spieler etwas größer. Denn mit der neuen Spielwährung "VC" sammelt man modiübergreifend nun deutlich schneller neben oberflächlichem Bling auch die so dringend benötigten Skillpunkte an. So macht man aus seinem zahnlosen Bankdrücker eine Reboundmaschine oder ein echtes Dunkmonster und ist nicht mehr vollends den teilweise sehr schwierigen Drills ausgeliefert. In den Vorgängern war man lange Zeit doch sehr auf den Spielertypus festgelegt, den man bei der Erstellung seines Charakters wählte. Hier formt man nun flotter seinen Wunsch-Athleten. Dabei spielen vor allem auch die neuen Signature Skills mit hinein, besonders auffällige Spieler-Charakteristika und sozusagen Perks, die sogar das komplette Team kurz anstacheln können, wenn ihr etwa als "Highlight-Film"-Dunker das Netz rauchen lasst. Alles in allem ist die zentrale Einzelspielerkarriere dadurch ein deutlich befriedigenderes Erlebnis, das unmittelbarer sichtbare Erträge abwirft.

Neu ist auch, dass der Shot-Stick nun auch als Trick-Initiator herhalten muss. Für alle, die sich bereits an den linken Stick gewöhnt hatten, natürlich eine herbe Umstellung, aber schon nach wenigen Matches weiß man die Entkopplung von Bewegungsrichtung und Trickserei sehr zu schätzen, auch wenn man dafür anfangs einige kuriose Ballverluste hinnehmen muss. Ich mag es und eine Testrunde mit dem Vorgänger bestätigt den Eindruck, hier doch eine kleine, aber sehr feine Optimierung der Spielbarkeit erhalten zu haben.

Als ich auf der Promo-Packung "Executive Produced by Jay-Z" las, ahnte ich schon Böses, denn oft soll externe Star-Power da die Käufer ranholen, wo das Spiel es alleine nicht schafft. Nach mehreren packenden Abenden mit dem neuen NBA 2K stellt sich diese Sorge als unbegründet heraus. Das Spiel wäre auch ohne seinen namhaften Unterstützer eine unbedingte Kaufempfehlung. Die fällt zwar im Vergleich zum Vorjahr nicht mehr ganz so lichterloh flammend aus, weil Visual Concepts Ergänzung der Dream Teams die historischen Battles des Vorgängers nicht ganz ersetzen kann. Und so langsam macht sich bemerkbar, dass die Reihe schon vor einer Weile das Authentizitäts-Maximum aus dieser Konsolengeneration herausgeholt hat. Trotzdem hat 2K13 auch in diesem Jahr mit seinem exzellenten Spielgefühl und Verbesserungen im gebotenen Umfang wieder einen festen Platz in meiner Lieblingsspiele-Liste gebucht.

Ich bin gespannt, wie es aussieht, wenn Visual Concepts im nächsten Jahr die Fesseln dieser Generation abstreift und wieder neue Türen aufstößt. Mit ein bisschen Glück - und langem Atem von EA - gibt es dann auch wieder einen Konkurrenten, der die Kalifornier zu immer neuen Höchstleistungen anpeitscht.

9 / 10

Unsere Wertungsphilosophie NBA 2K13 - Test Alexander Bohn Konkurrenzlos und ein bisschen satt steht jetzt sogar Jay-Z auf der Packung. Dabei hätte es ihn gar nicht gebraucht. 2012-10-11T12:00:00+02:00 9 10

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