Battleblock Theater - Test

Die Katzen drehen den Spieß um.

Nicht, dass es irgendetwas mit der tatsächlichen Geschichte von Battleblock Theater zu tun hätte. Aber in Zeiten, in denen Katzenvideos auf Youtube die gefühlte Hälfte des Internet-Traffics aller Industrienationen ausmachen, entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass man in The Behemoths neuem Spiel ein grausames, katzenköpfiges Publikum bei Laune halten muss, indem man ihren tödlichen Hindernisparcour durchläuft. Es klingt genau nach der Sorte krudem Humor, die man vom Castle-Crashers- und Alien-Hominid-Entwickler erwarten durfte.

In der Tat haben wir es hier sogar wohl mit dem lustigsten Spiel der Kalifornier zu tun. Das liegt nicht zuletzt an dem überdrehten Erzähler, der die Geschichte von Freundschaft, Zusammenhalt und explosivem Durchfall in den langen, mit virtuellen Stockpuppen realisierten Zwischensequenzen mit viel Energie (und Improvisation) vor euch ausbreitet. Sogar innerhalb der Level wird kurz kommentiert, auch wenn es hier eher generische Kommentare zu hören gibt, etwa, wenn ihr mal wieder nach einem falsch beurteilten Sprung in einer tödlichen Pfütze oder an einer Stachelfalle euer zwischenzeitliches Ende findet.

Spielgewordenes Anti-Depressivum

Es ist ein temporeiches, sammelfreudiges Jump and Run, vom Rhythmus her irgendwo zwischen Super Mario und Super Meat Boy. Spielt man zu zweit, kommen Koop-Aktionen wie das Werfen oder Hochziehen des Kollegen (und reichlich unbeabsichtigte Morde unter Freunden) hinzu, wobei das Layout der Stages sich gegenüber dem Einzelspieler-Erlebnis ein wenig anpasst, um diesen Moves auch eine Bühne zu geben. Diesen Aufwand weiß man durchaus zu schätzen, auch wenn Battleblock Theater im Alleingang mit kleinem Vorsprung das bessere, weil gradlinigere Spiel bleibt.

Genre-Enthusiasten wissen vor allem das blockbasierte, sehr ausgeklügelte Level-Design zu schätzen, auch wenn sich die Superfreunde vom Dienst nicht ganz so eingängig steuern lassen wie beide obengenannte Konkurrenten.

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Anstatt Bossfights zu bestreiten, geht es im letzten Stage eines Kapitels gegen die Uhr.

Genre-Enthusiasten wissen vor allem das blockbasierte, sehr ausgeklügelte Level-Design zu schätzen, auch wenn sich die Superfreunde vom Dienst nicht ganz so eingängig steuern lassen wie beide obengenannte Konkurrenten. Trotzdem entwickelt sich immer noch ein Spielgefühl der eindeutig oberen Güteklasse, während man mit dem mächtigen Doppelsprung enge speerbewehrte Passagen ohne Randberührung absolviert, sich auf eine Bodenplatte stellt, um seinem Kollegen eine Lichtbrücke zu bauen oder zusammen in ein Miniatur-Segelboot steigt, um tödliche Wasserbecken zu überwinden. Überhaupt beherrscht der Katzen-Entertainer diverse Fortbewegungsmittel. Das beginnt nur bei den glühenden Lava-Steinen, die einen bei Kontakt qualmend durch die Gegend schießen, nimmt mit Engelsflügeln, einem Jetpack oder einem Propeller am Rücken aber noch abstrusere Formen an.

Zudem ist es ein großzügiges Spiel, denn einen Lebenszähler gibt es nicht und der letzte Checkpoint befindet sich selten außerhalb des aktuell angezeigten Bildschirmausschnitts. Auf der Suche nach mindestens drei, maximal aber sieben grünen Juwelen und einem optionalen Wollknäuel pro Level entwickelt sich so ein ausgezeichneter Spielfluss, der immer nur dann ins Stolpern kommt, wenn das Spiel darauf besteht, euch einige Feinde in den Level zu werfen. Diese sind zwar immer niedlich bis witzig animiert, das Kampfsystem reagiert aber immer recht verzögert, sodass es gerade in Gebieten mit vielen tödlichen Zonen häufig chaotisch wird.

In Anbetracht der Tatsache, dass sowohl Alien Hominid als auch Castle Crashers in Nah- und Fernkampf deutlich Eingängigeres boten, geradezu unverständlich. Einige der verschiedenen Waffen, die man mit gefundenen Wollknäueln ersteht, helfen zwar, aber auch hier leiden viele einfach unter einer Verzögerung, die den Kampf zum unattraktivsten Aspekt dieses ansonsten über jeden größeren Zweifel erhabenen Titels macht. Zum Glück gibt es genügen Level, in denen das gar nicht erst zum Problem wird, denn viel gekämpft, wird unterm Strich nicht.

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Die Suche nach den Hunderten Köpfen erzeugt einen beachtlichen Sog.

Die gesammelten Juwelen tauscht man im "Geschenkeladen" der Katzen gegen die Freilassung der mehreren Hundert gefangenen Freunde aus. Auf diese Weise schaltet man nämlich die unterschiedlichen Köpfe der einfarbigen Knilche frei, die sich jederzeit wechseln lassen. Ihr wählt zunächst zwischen der Form des Schädels, dann ein Gesicht, justiert die Farbe und greift noch in den Waffenschrank und schon geht es weiter. Viele der Visagen sind zum Brüllen komisch, und dass man sie in einem genialen Schachzug mit einem Mitspieler hin und her tauschen darf, erzeugt einen ordentlichen Suchteffekt. Der sorgt im Umkehrschluss natürlich dafür, dass man die Level noch genauer nach allen versteckten Goodies absucht. Geltungsbedürftige Naturen freut zudem das Bewertungssystem, das euch im besten Fall ein A++ beschert.

Alles nur Theater

Als wäre das Spiel mit all seinen Kapiteln und dem hohen Wiederspielwert nicht schon umfangreich genug, bietet es auch noch eine Reihe an Mehrspieler-Modi, von denen der eine oder andere aufgrund des Fokus auf Keilereien zwar eher weniger Zug entwickelt. Ein paar schöne Ablenkungen zum Zeit-Totschlagen zwischendurch sind aber allemal dabei. Das Einfärben der Welt etwa macht eine Weile durchaus viel Laune, die Basketball-Abwandlung ist chaotisch, aber lustig und einem fliegenden Wal Goldbarren abzujagen, um sie dann in einem ebenfalls fliegenden Safe zu platzieren, war für viele nervöse Lacher gut. Es ist nichts, was Ende des Jahres noch große Menschenmengen auf Xbox LIVE anlocken würde, aber für die nächsten zwei drei Wochen muss ich in meiner Online-Rotation definitiv ein bisschen Platz machen, auch wenn man diesem Modus wohl am besten zu mehreren auf derselben Couch angeht.

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Battleblock Theater - Trailer

Mit gut vier Jahren Entwicklungszeit stecken in Battleblock Theater unglaublich viele Arbeitsstunden und obwohl die leichtherzige Schabernack-Attitüde das Katzentheater für alle sichtbar als betont infantilen Quatsch ausweist, merkt man jeden Handgriff. Die Level versprühen einen Grad an Politur, wie man sie sonst von den Meistern des Genres gewohnt ist. Sie sind überschaubar, aber zugleich verschachtelt genug, um den Entdeckertrieb anzuregen und fließen ausgezeichnet vor sich hin - wenn man es nicht gerade mit Feinden zu tun hat.

Ob ihr den Stil und diese Marke überzuckertem, überkoffeiniertem Samstagmorgen-Cartoon-Humor vertragt, das ist eure Entscheidung. Dass Battleblock Theater The Behemoths drittes mit Bravour gemeistertes Genre im dritten Spiel darstellt und eure Xbox-LIVE-Freunde jetzt eine ganze Weile wenig anderes Spielen werden, daran könnt ihr nichts ändern.

8 / 10

Unsere Wertungsphilosophie Battleblock Theater - Test Alexander Bohn Die Katzen drehen den Spieß um. 2013-04-09T12:00:00+02:00 8 10

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