Aion: The Tower of Eternity

Grind it, Baby!

World of WarCraft, oder genauer gesagt das erstklassige Addon Wrath of the Lich King, hat mich verdorben. Einst gestählt durch stundenlanges Level-Grinden in Everquest, Dark Age of Camelot oder Star Wars: Galaxies, packt mich bei Quest-Lücken und Level-Stillstand nun die Langweile. Ich brauche am laufenden Band epische Missionen, packende Geschichten und ein nahezu perfektes PvE-System. Ich möchte mich vor allem als Held fühlen und nicht als einfacher Laufbursche. Nur so kann mich ein MMO monatelang fesseln. Deshalb war und ist der Weg in WoW von Level 70 zu 80, mit seinen genialen Instanzen, umwerfenden Charakteren und erstklassigen Gebieten, für meinen bescheidenen Geschmack noch immer das Nonplusultra des MMORPG-Genres.

Aion tut sich hier deutlich schwerer. Viele Quests stammen aus der MMORPG-Hölle. Monster töten, Felle einsammeln und Nachrichten überbringen. Genau der übliche Krampf, den man im Jahre 2009 eigentlich nicht mehr ertragen möchte. Doch dann mit Level 6 das erste Highlight: Ihr bekommt als junger Abenteurer eure Zukunft gezeigt, fliegt mit euren mächtigen Schwingen durch die beeindruckende PvPvE-Welt des Abyss und ergattert damit einen Vorgeschmack auf das gelungene Endgame. Es macht Hoffnung.

Die ersten 18 Level gibt es immer wieder solche einmaligen Momente. Ihr folgt interessant gestalteten Kampagnen-Quests, verdient euch eure ersten Flügel oder wagt euch erstmals mit einer Gruppe in ein beinhartes Elitegebiet. Das ist gelungene, zum Teil großartige MMORPG-Unterhaltung. Doch danach ist der Weg mit einigen wirklich nervtötenden Frustmomenten gepflastert. Immer wieder fällt man in ein Quest-Loch, in dem das Grinding-Monster schnell jede Motivation auffrisst.

Vor allem die Schritte bis zum Level-25-PvP-Gebiet ziehen sich mittels exorbitanter Erfahrungspunkte-Barrieren und mageren Quest-Belohnungen ewig in die Länge. Und auch später bekommt man ohne viel Durchhaltevermögen und eine eigene Gilde, hier Legion genannt, kaum etwas von den wirklich interessanten Spielinhalten zu sehen. Im Endgame mit seinen Instanzen, gewaltigen Festungs-Belagerungen und Worldbossen steckt jede Menge Potential, doch reicht das, um auch einen „normalen“ MMORPG-Spieler, wie mich, zu überzeugen?

Aion - Trailer

Um zu verstehen, wie Aion funktioniert und es zu solchen Problemen kommt, braucht ihr noch ein paar Hintergrund-Informationen. Die einmalige Kulisse der Elyos und Asmodier erblickte vor ca. einem Jahr in Korea als waschechter Asia-Grinder – Synonym für Quest-arme MMOs, die vor allem das Monster-Töten zelebrieren – das Licht der Welt. Angetrieben von der CryEngine 1 lieferte NCSOft eine unverbrauchte und vor allem bildschöne Fantasy-Welt ab, die sich zum Glück deutlich von dem westlichen Herr-der-Ringe-Einerlei unterscheidet. Es wird die Geschichte eines gespaltenen Volkes erzählt, das auf den beiden Hälften der ebenso gespaltenen Welt Atreia lebt. Während die Elyos die Sonne ihres zerklüfteten Planeten genießen, müssen die Asmodier auf der Schattenseite zurechtkommen.

In der Mitte, dem sogenannten Abyss, bestreiten die beiden engelsgleichen Völker auf schwebenden Felsformationen einen endlosen Kampf um die Vorherrschaft. Als weiterer Katalysator für diese Auseinandersetzung dienen die Balaur. Ein drachenähnliches Volk, das mit seinen riesigen Festungen und futuristischen Raumschiffen für Tod und Zerstörung sorgt. Gleich zu Beginn müsst ihr euch für eine Seite entscheiden und am Ende in die Auseinandersetzung eingreifen. Um diese brachialen PvP-Gefechte fair zu gestalten, darf es nur 2% mehr Elyos als Asmodier oder umgekehrt geben. Ist diese Zahl erreicht, müsst ihr euch entweder für das andere Volk entscheiden oder einen anderen Server wählen.

Nach der Generierung eures Charakters stehen euch vier archetypische Klassen zur Auswahl: Krieger, Magier, Priester und Späher. Bis Level 10 schnetzelt ihr euch dann in einem relativ linearen Gebiet durch das übliche Kleinvieh, versorgt Händler mit Pelzen oder sucht nach verschwundenen Kindern. Aion liefert hier über weite Strecken 08/15-MMO-Kost. Ein wenig Grinding, Ressourcen sammeln, viel Gelaufe und ein nettes Quest-Helper-System, das gesuchte Monster, Zielpersonen und Locations anzeigt. Am spannendsten sind noch die Kampagnen-Missionen. Diese Serie von Aufträgen wird meist mit kurzen Zwischensequenzen eingeleitet und bietet besondere Belohnungen und eine große Portion Geschichte.

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