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Animal Crossing - Let's go to the City

Okay!

Wer noch nie Animal Crossing gespielt hat, hat wirklich was verpasst. Anfangs (lies: "Immer") mag die Idee dahinter etwas krude wirken, doch es hat wirklich etwas besonderes, in eine virtuelle Stadt voller überzogen niedlicher Tierchen einzuziehen und Tag und Nacht, über Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter, an deren virtuellen Leben teilzuhaben. Was man macht? Eigentlich nichts. Und doch eine ganze Menge. Man kauft ein Haus, richtet es ein, macht sich den Rücken krumm, um den Kredit beim Halsabschneider Tom Nook abzubezahlen. Und wenn es soweit ist, stellt der einem gleich eine größere, noch teurere Hütte hin. Zum Neu-Einrichten und Folgekredit-Abbezahlen. Wie im richtigen Leben.

Dazwischen pflanzt und gießt man Blumen, schüttelt Bäumen das Obst aus den Ästen, gräbt nach Fossilien, fängt Insekten, angelt Fische, designt Kleidung, malt Bilder oder quasselt einfach nur mit den sympathisch meshuggenen Nachbarn, die es immer wieder schaffen, dass man mit zusammengepressten Lippen ein bisschen in sich selbst hineinlacht. Natürlich kann man auch Briefe schreiben und empfangen, Parties veranstalten, an Flohmärkten teilnehmen und sich allgemein dem totalen Sammel- und Personalisierungswahn hingeben, während alles Leben im Dorf nach der inneren Uhr der Konsole tickt. Seid Ihr am Samstag Abend um 20 Uhr zu Lupo eingeladen und vergesst den Termin, wartet am Sonntag unter Garantie ein Schmähbrief von ihm in dem kleinen, roten Briefkästchen vor Eurem Haus.

In Kurzform: Animal Crossing ist ein Spiel, in dem man Freundschaften unterhält, Dinge sammelt und das Stadtbild pflegt. Und seine beruhigende Wirkung ist wirklich ganz beachtlich. Die simplistische, aber stilsichere Grafik, die relaxte Musik und die ganz bewusst spannungs- und stressbefreiten Tätigkeitsfelder tun alles dafür, dass man abschalten kann.

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Keine dieser Pfeifen wird etwas fangen, solange sich nicht der Schatten eines Fisches unter der Oberfläche abzeichnet.

Wenn es einen gepackt hat, schaut man jeden Tag auf's Neue in seinem Dorf vorbei, um die Wohnung umzudekorieren, das eine oder andere Unkraut auszureißen oder ein bisschen traurig festzustellen, dass Euer Lieblingsnachbar beschlossen hat, in eine andere Stadt umzuziehen.

Das wusstet Ihr nicht? Dann holt Euch gefälligst Animal Crossing: Let's go to the City! Im Ernst: Es ist ja nicht so, dass Eure/Euer Wii gerade besonders viel zu tun hätte. Alle anderen - also Besitzer der DS oder Gamecube-Vorgänger - können prinzipiell aber darauf verzichten, sich das mehr oder weniger gleiche Spiel noch einmal zu geben. Natürlich finden sich zusätzliche Events, Aktivitäten, Gegenstände und sogar eine Reihe frischer Dialoge ein. Auch zeigt sich das Verhalten der putzigen Bewohner weitaus variabler, orientiert sich oftmals der Situation entsprechend. Unterm Strich erlebt Ihr aber einfach zu viel vom bekannten Ganzen und zu wenig Neues, könntet also fast genauso gut ein neues Spiel in einer der alten Ausgaben beginnen.

Eine der wenigen großen Neuerungen ist die "Großstadt", die von der Bushaltestelle Eures Dorfes aus jederzeit zu erreichen ist. Hier trefft Ihr zum Beispiel einige andere Tiere. Insgesamt ist die vermeintliche Metropole jedoch lediglich ein überschaubarer Plaza, den eine Reihe von Geschäften säumt.

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Wetter und Jahreszeiten ändern sich entsprechend der inneren Uhr.

Da wäre zum einen der halbseidene Hinterhof-Händler Reiner, zu dem Ihr nur mit einem Empfehlungsschreiben hineingelangt. Im Auktionshaus bietet Ihr zu gewissen, festgelegten Zeiten auf neue und oft rare Gegenstände. Und im Frisörsalon Shampudel legt Ihr Euch eine Frisur zu oder zieht dank der "Typveränderung" einfach das Gesicht Eures Mii über.

Ansonsten gibt's hier mit "Grazias Grazie" noch eine sündhaft teure Mode- und Einrichtungsboutique, eine Wahrsagerin, die "Zentrale der Akademie des schönen Hauses" und das Theater. In Letzterem gibt Dr. Samselt kleine "Stücke" zum Besten, bei denen es sich um die verschiedenen Gefühlsregungen handelt, die die Animal Crossing-Bewohner zeigen können. Habt Ihr Euch eine der kurzen Shows einverleibt, könnt auch Ihr diese behämmerten bis süßen Emoticons nutzen. Alles in allem hat Nintendo mit dem Titelzusatz "Let's go to the City" aber doch ein bisschen viel versprochen, da man damit einige Funktionen und Charaktere lediglich in die "Großstadt" ausgelagert hat (anstatt sie wie zuvor zu einer bestimmten Zeit zuhause anzutreffen) und eigentlich nichts bietet, das nicht auch im eigenen Dorf möglich gewesen wäre.

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