Beaterator

Mehr als ein Spielzeug

Kaum zu glauben: Ende der Neunziger hatte ich mit Videospielen wenig am Hut. Meine PlayStation verstaubte im Schrank, mein Rechner hatte Museumswert und meinen Game Boy hatte ich an meinen Neffen verschenkt. Dabei habe ich zwar so manche Spieleperle verpasst, dafür aber auch jede Menge Spaß gehabt. Jedes Wochenende stand ich hinterm Tresen, dackelte anschließend in den Club E-Werk und arbeitete bei einer Musikzeitschrift namens TenDance – später dann mit meinen ersten Spieletests. Statt Highscores und Clan-Fights interessierte ich mich für Musikproduktion, tanzen und durchgemachte Nächte. Bis auch das nach ein paar Jahren langweilig wurde.

Studium, feste Freundin und Alter versetzten meiner Feier-Karriere dann den Todesstoß. Nun betrete ich Clubs nur noch alle paar Monate. Trotzdem ist meine Leidenschaft für elektronische Musik nicht vollkommen verschwunden. Immer wieder setze ich mich zu einem befreundeten DJ, sehe ihm dabei zu, wie er aus dem digitalen Nichts Emotionen zaubert. Dabei bekam ich zumindest die Grundlagen der Musikproduktion mit und wurde deshalb dazu auserkoren, Beaterator von den Rockstar-Jungs zu testen. Gemeinsam mit meinem Kollegen von crane ak, DJ Knigge, nahm ich ihr neuestes Meisterwerk unter die Lupe.

Neben dem unsäglichen Namen, der irgendwie an eine Mischung aus Terminator und schlechter Rave-Mode erinnert, konnte mich die Wahl von Timbaland als Marken-Botschafter nicht so recht überzeugen. Mal abgesehen von der Omnipräsenz des amerikanischen Hitproduzenten, der inzwischen gleich ein halbes Dutzend amerikanischer Stars mit einem eingängigen Allerweltssound versorgt, nervt bei Beaterator sein obercooles, digitales Konterfei. Mit seinem peinlichen Auftreten verwandelt er das eigentlich erstklassige Soundtool auf den ersten Blick in eine Musikspiel-Lachnummer.

Beaterator - Trailer

Seltsam wirkt vor allem der sogenannte Live-Play-Modus, in dem ihr auf acht mögliche Tonspuren des Tools einen Sound-Loop legen und ihn auf Knopfdruck an- beziehungsweise wieder ausschalten könnt. Zu dem oft kruden Geschehen bewegt sich eine skurrile Timbaland-Karikatur und soll damit wohl Einsteiger in ihren Bann ziehen. Das Endergebnis ist leider äußerst durchwachsen und wird selbst die einfachsten Bedürfnisse nur ungenügend befriedigen. Man kann das oft wirre Endergebnis zwar aufnehmen und weiterverarbeiten, doch es ist oft einfacher, das eigentliche Tool, den Sound-Crafter, direkt zu bedienen. Denn die Struktur eines Songs und die zugrundeliegende Dynamik lässt sich nur schwer nach Bauchgefühl bestimmen.

Der Sound-Crafter ist im Prinzip ein 8-Spur-Sequencer, der mit seiner einfachen grafischen Oberfläche und seinen insgesamt 3000 vorgefertigten Loops genug Material für ein halbes Dutzend LongPlayer liefert. „Ich war vollkommen überrascht, wie umfangreich die Bibliothek ist. Und auch die Einschränkung auf acht Spuren ist verschmerzbar. Es gibt von uns sogar Stücke mit nur sechs Spuren,“ erklärt mir mein Kollege nach einer halben Stunde rumprobieren. Ganz wie bei der professionellen Konkurrenz, zum Beispiel Logic, Reason oder Cubase, arrangiert ihr mit wenigen Knopfdrücken fette Beats, verdrehte Hihats und Snare-Drums auf einer Zeitleiste.

Ihr bestimmt, wie lange die Spur gespielt wird, wann sie aufhört und wieder einsetzt. Durch die Einteilung der Loops in zwei beziehungsweise vier Takte und die Nutzung gängiger 3/4- und 4/4-Voreinstellungen müsst ihr euch kaum um die Synchronisierung kümmern. Und über einen Drehregler lassen sich ganz einfach die Beats per Minute und damit praktisch die entsprechende Musikrichtung bestimmen. Einziges Manko: Die Geschwindigkeit ist über das gesamte Stück festgelegt. Tempowechsel fallen damit flach.

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