Crysis 2

Aufs Wesentliche reduziert

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Unglaublich, Crysis 2 hinkt technisch in manchen Bereichen seinem Vorgänger hinterher, präsentiert sich auch spielerisch reduziert und trotzdem ist es das spannendste und abwechslungsreichste Shooter-Erlebnis des noch jungen Jahres 2011. Satte zehn Stunden lang, voller guter Ideen und viel Freiheit ist es endlich mal wieder eine Singleplayer-Erfahrung, an deren Ende man weiterspielen möchte. Gesegnet mit intelligenten Gegnern, einer hervorragenden Grafik und einer frischen Vertikalität zeigt es abseits von Schlauchleveln, Rail-Shooter-Sequenzen und Hardcore-Skripten, dass es da draußen noch was anderes gibt als immer die gleiche, bereits durchgekaute Call-of-Duty-Leier.

Allein die Story bewegt sich auf gewohnt mittelprächtigem Niveau. Crysis 2 macht dort weiter, wo der erste Teil aufgehört hat. Die Alien-Invasion schreitet voran. Diesmal in einem mit Zivilisten überfüllten New York. Eigentlich ein spannender Aufhänger, um das Spiel menschlicher zu machen. Doch deren Leiden bekommt man nur am Rande mit. Ja, die durch einen Alien-Virus infizierten Opfer sind bemitleidenswert, krümmen sich vor Schmerzen, schreien und weinen. Aber ohne dass ihr sie näher kennenlernt, bleiben sie einfach nur Staffage.

Auch euer Held selbst ist ein wortloser Einzelgänger. Eine Figur, die am Anfang unter seltsamen Bedingungen seinen Anzug bekommt und sich ohne Partner, wirklich interessante Charaktere oder vernünftige Dialoge auf eine relativ emotionslose Reise begibt. Psycho aus Crysis: Warhead zeigte da deutlich mehr Profil. Doch immerhin wird damit eine simple, aber brachiale Botschaft transportiert: Hier geht es um das nackte Überleben der Menschheit. Kein Platz für schlechte Witze und banale Nettigkeiten, aber eben auch nicht für menschliche Dramen und Schicksale.

Der Auftrag des neuen Helden ist dabei zu Beginn recht einfach: Den Wissenschaftler Dr. Nathan Gould finden, ihm den Anzug bringen und anschließend beschützen. Im Laufe der Story treten natürlich noch weitere Charaktere auf. Ihr müsst euch mit der Armee, sturen Generälen und gierigen Konzernen herumschlagen. Die Aliens bleiben zwar die größte Gefahr, doch es sind Menschen, die euren Job so kompliziert machen. Crysis 2 feiert hierbei die übliche Mischung aus Verschwörung, Verrat und heldenhaftem Mut ab, liefert brachiale Kämpfe und gut in Szene gesetzte Katastrophen. Echte Überraschungen sind aber Mangelware. Zumindest storytechnisch bewegt sich Crytek auf Popcorn-Niveau.

Zum Glück fegt das hervorragende, weiter verbesserte Gameplay diese Kritikpunkte mit einem Schlag hinweg. Die erste und wohl wichtigste Änderung: Crytek hat die Kontrollen des Anzugs entschlackt. Musste man im ersten Teil mit fünf unterschiedlichen Modi jonglieren, wurden diese auf drei heruntergedampft. Die Standard-Einstellung kombiniert Geschwindigkeit und Kraft. Ihr springt weite Sätze, hetzt blitzschnell von Deckung zu Deckung und kickt Autos durch die Gegend. Jede dieser Aktionen verbraucht Anzug-Energie. Normales Sprinten wie beim Vorgänger gibt es nicht mehr und ihr könnt nicht mehr mit Fäusten riesige Jeeps wie Spielzeugautos durch die Luft schleudern oder wackelige Bambus-Hütten plattwalzen.

Warum? Naja, zum einen gibt es in New York keine wackeligen Bambus-Hütten und zum anderen hat sich Crytek aus Performance-Gründen dafür entschieden, die Physik etwas zurückzuschrauben. Die Konsolen haben einfach nicht genug Kraft, um das komplexe Physik-Modell des Vorgängers verlustfrei zu simulieren. Erfreulicherweise sind die Auswirkungen auf das Gameplay überschaubar, trotzdem wirkt das Spiel für PC-Besitzer in diesem Bereich etwas kastriert. Und auch einige Physik-Bugs, etwa im Boden steckende Gegner und Laternen, die sich auch von Panzern nicht umfahren lassen, schmälern den sonst so hervorragenden Eindruck.

Doch Crysis 2 hat noch zwei Asse im Ärmel, die dieses Manko locker wieder wettmachen: Den Tarn- und den Panzerungs-Modus. Aktiviert auf Knopfdruck, ermöglichen diese beiden Alternativen in praktisch jeder Situation zwei vollkommen verschiedene Taktiken. Mit etwas Geschick könnt ihr über weite Strecken dank der partiellen Unsichtbarkeit die Kampfhandlungen auf das Mindeste reduzieren. Einfach von Deckung zu Deckung schleichen, im Notfall eine Wache per Stealth-Kill ausschalten und sich so immer weiter nach vorne schleichen. Alternativ werdet ihr mit dem Panzer-Modus zu einem laufenden Tank. Ihr könnt locker das Fünffache einstecken, verliert dabei aber klar an Geschwindigkeit und steht ohne Energie relativ schutzlos da. Und ihr könnt die beiden Varianten natürlich auch wild kombinieren.

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