Halo 4 - Test

Ein neues Team und ein neuer Anfang. Und es hätte kaum besser laufen können.

Es ist nicht selten, dass man zum Ende eines Konsolenzyklus - oder zumindest kurz vor der Veröffentlichung der nächsten Hardwaregeneration - auf einer altgedienten Konsole noch mal einen besonderen Titel vorgesetzt bekommt. Einen echten Hochkaräter, der gewissermaßen den Anfang vom Ende einleitet. Auf der PlayStation 2 waren das Spiele wie God of War 2 oder Okami, auf der Xbox 360 ist es, zumindest für mich, Halo 4. Einer der wenigen, wirklich großen Exklusivtitel, die man auf Microsofts Konsole noch findet.

Und dass Halo 4 das geworden ist, was es ist, war meines Erachtens keinesfalls eine Selbstverständlichkeit. Nach Halo: Reach übergab Bungie schließlich das Zepter an das extra für die Halo-Reihe gegründete Studio 343 Industries. Ein brandneuer Entwickler - natürlich auch mit einigen Halo-erfahrenen Leuten - kümmert sich um Microsofts unumstrittenes Xbox-Zugpferd Nummer 1. Da kann man schon mal ein bisschen skeptisch sein, ob das alles gleich von Beginn an so hinhaut, immerhin sind die Fußstapfen nicht gerade klein. Aber das war anscheinend vielmehr ein Ansporn für 343 Industries, denn nun, nachdem ich mit Halo 4 durch bin, kann ich 343 eigentlich kein größeres Lob aussprechen als dass es das bislang beste Halo ist. Mit Abstand.

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Technisch holt 343 nochmal einiges aus der Xbox 360 raus.

Das beginnt schon bei der Handlung. Empfand ich Halos Geschichte bislang zwar als durchaus gut, wenn auch in einigen Bereichen noch verbesserungswürdig, schöpft 343 Industries hier gleich aus dem Vollen. In puncto Tempo, Dramatik, Emotionen, Inszenierung, Charakterdarstellung und -entwicklung wirkt Halo 4 einfacher detaillierter, erwachsener und gereifter. Dazu tragen diesmal auch die guten Synchronsprecher ihren Teil bei. Ja, da habt ihr richtig gehört. Gute deutsche Synchronsprecher. In einem Halo. Dass wir das noch erleben dürfen! Auch wenn ich beim Spielen nun ständig an Commander Shepard (Cortana) und den Arishok aus Dragon Age 2 beziehungsweise Bill Compton aus True Blood (Master Chief) denken muss. Nichtsdestotrotz machen sie alle, die großen und die kleinen Rollen - abgesehen vielleicht von einigen 08/15-Soldaten, die auf dem Schlachtfeld mal irgendeinen Satz vor sich hin brüllen - , ihre Sache gut und bringen die Charaktere, ihre Persönlichkeiten und Gefühle glaubhaft rüber.

Ein neuer Anfang beginnt mit einem Absturz

Begleitet wird das von einer fantastischen Inszenierung, die euch nicht nur in den phänomenalen CGI-Filmen den Atem raubt. Gleich zu Anfang seid ihr voll im Geschehen, als Cortana den Master Chief aus dem Kälteschlaf an Bord eines durch den Weltraum treibenden, langsam auseinanderfallenden UNSC-Schiffes holt. Partikel stieben umher, während ein Wettlauf gegen die Zeit und das immer schneller in sich zusammenstürzende Schiff gewonnen werden muss. Nicht nur dieses Schiff, sondern auch eine Reihe von Allianz-Raumern geraten in den Sog einer Gravitationsquelle und ihr Sturz auf den nahen Planeten ist nicht mehr aufzuhalten. Der Chief selbst treibt noch eine kurze Unendlichkeit durch das All, bevor auch er in die Anziehung des Ortes Requiem gerät und sein unvermeidlicher und immer schnellerer Abstieg zelebriert wird. Untermalt wird das alles von einem wie immer ganz eigenen, erstklassigen Soundtrack und einer brachialen Soundkulisse.

Nichts davon in CGI und auf diese und ähnliche Art und Weise zeigt 343 Industries, was noch alles in der nun schon sieben Jahre alten Xbox 360 steckt. Allen voran in puncto Lichteffekte überzeugt der jüngste Teil der Reihe, aber auch hinsichtlich der allgemeinen Grafikqualität gibt es nicht wirklich etwas zu Meckern - und alles läuft stets butterweich. Keine Ruckler, keine Slowdowns, nur purer Spielspaß. Es lässt mich auch mit einer gewissen Vorfreude zurück, denn wenn 343 Industries das hier aus dieser alten Hardware herausholen kann, wie dürfte dann erst ein Halo 5 aussehen, das für die nächste Xbox erscheint? Ich werde angesichts des hier Gezeigten jetzt schon unruhig bei dem Gedanken.

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Ein alter Bekannter.

Halo 4 als Auftakt zu einer neuen Trilogie startet jedenfalls mit einem Donnerhall, der woanders vermutlich eher den Schlussakt eines Dreiteilers markieren würde. Oder anders gesagt: Alleine in Halo 4 passiert so viel, dass andere Entwickler daraus vermutlich drei einzelne Spiele machen würden. Ohne jetzt allzu sehr ins Detail zu gehen - ich möchte schließlich niemandem das Spielerlebnis verderben -, kann ich sagen, dass dieser Auftakt sich wunderbar in die Halo-Geschichte einfügt und auf den bisherigen Ereignissen aufbaut, sie weiterspinnt, euch neue Leckerbissen vor die Nase hält, gleichzeitig aber auch neue Fragen aufwirft und ebenso eine neue Bedrohung in Form der Prometheaner aufzeigt. Die Blutsväter-Welt Requiem bildet den perfekten Hintergrund für eine neue, das Universum umspannende Bedrohung und alle hängen sie mit drin - neue und alte Feinde und natürlich auch Freunde oder solche, die ihr dafür haltet. Nur die nervige Flood scheint endgültig besiegt. Alleine dafür sollte es eigentlich schon Pluspunkte geben.

Genau richtig und besser als je zuvor- Tempo, Intensität und Action

Ein kleiner Wermutstropfen für den ein oder anderen könnte die Spielzeit sein. Auf „Normal“ war ich in knapp unter sieben Stunden durch, aber auch dort geht es teilweise schon recht heftig zur Sache, so dass man in jedem Fall taktisch klug und vorsichtig vorgehen muss. Die Spartaner mögen zwar Supersoldaten sein, unverwundbar sind sie aber noch längst nicht. Auf den höheren Schwierigkeitsgraden - allen voran „Legendär“ - dürftet ihr daher noch um einiges länger beschäftigt sein. Und obendrein gibt es ja noch die Halo-typisch mal mehr, mal weniger gut versteckten Terminals mit zusätzlichen Videosequenzen und Hintergrundinformationen zu entdecken.

Damit denke ich, dass die Kampagne in die "nicht zu lang, aber auch nicht zu kurz, sondern genau richtig"-Kategorie fällt. Das Tempo passt wie die Faust aufs Auge, es geht Schlag auf Schlag und jeder einzelne Level für sich endet im Grunde mit einem kleineren oder größeren Showdown. So angelt ihr euch von Höhepunkt zu Höhepunkt, während die Geschehnisse um euch herum ihren Lauf nehmen und man immer ein wenig dieses Gefühl von Hilflosigkeit angesichts der Ereignisse verspürt, die man aufzuhalten versucht. Es ist eine imposante Reise, eindrucksvoll, spektakulär ... epische Science-Fiction, genau wie ich sie liebe.

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Eure treue Begleiterin steht euch auch diesmal hilfreich zur Seite.

Spielerisch betrachtet war Halo für mich immer schon das perfekte Beispiel dafür, wie sich ein Konsolen-Shooter zu spielen hat - einfach angenehm zu spielen und man hat stets alles unter Kontrolle. Schlicht perfekt. Auch wenn sich das der eine oder andere PC-Spieler vermutlich nicht vorstellen kann, aber es ist einfach so. Halo 4 macht da keine Ausnahme und auch durch den Entwicklerwechsel hat sich an diesem Punkt absolut gar nichts geändert. Wenn man nicht wüsste, dass Bungie hierfür nicht mehr verantwortlich ist, könnte man glatt meinen, es wäre alles beim Alten geblieben. Der Master Chief läuft, springt und tut auch alles andere so, wie man es von ihm gewohnt ist. Halo 4 spielt sich so, wie sich so wie sich ein Halo spielen soll und muss.

Das wäre wahrscheinlich auch die Antwort, wenn man einen Halo-Fan fragen würde, was er sich erwartet, wenn er Halo 4 kauft? "Na, ein Halo eben". Das heißt auch, dass sicherlich der eine oder andere 343 Industries vielleicht vorwerfen wird, dass man zumindest spielerisch Risiken und Experimente scheute. Nur: Die braucht diese Serie nicht unbedingt. Klar, die neuen Spielzeuge in Form von Waffen, Ausrüstungsteilen und Co. und dass man in der Kampagne wie auch im Multiplayer mal einen Mech steuert hilft sicher auch ein wenig, aber ansonsten ist das bekannte Halo-Spielgefühl gleich von der ersten Sekunde an wieder da und man liebt jede einzelne davon.

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Halo 4 - Gameplay-Trailer

Ihr seid oftmals zu Fuß unterwegs, erkundet in ruhigen wie actionreichen Momenten den Planeten, dreht dann mal eine Runde im guten, alten Warthog oder begleitet einen riesigen Mammoth der UNSC Infinity durch ein wüstenartiges Gebiet. Währenddessen markiert ihr für das enorme Railgun-Geschütz des Mammoth gewaltige, schwebende Verteidigungskanonen der Prometheaner als Ziel, die das Stahlbiest locker mit einem einzigen Schuss in einen riesigen, gleißenden Feuerball verwandelt. Und zugleich müsst ihr euch noch die Allianz vom Leib halten, indem ihr den Koloss verlasst, euch an eines der kleineren Geschütze begebt oder per Jetpack von ihm gleitet. Auch diese wunderbar zu mildem Größenwahnsinn verleitenden Momente finden sich in Halo 4.

Andernorts steuert ihr einen Pelikan durch die Lüfte oder klaut euch kurzerhand ein Fahrzeug der Allianz - die Prometheaner verfügen bisher über keine Vehikel - , um sie mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. All das ist nach wie vor möglich und das Spiel bietet euch in vielen Szenen genügend Freiraum, mehrere Möglichkeiten beziehungsweise Wege, um euer Ziel zu erreichen. Und es ist einfach immer wieder eine Freude, wenn man, untermalt vom lauten Dröhnen des Motors, mit dem Warthog über Stock und Stein rast, durch die Luft fliegt oder der mitten durch Feindgruppen hindurch brettert und dabei noch einen Grunt auf der Motorhaube mitnimmt, während der Kollege am Geschütz konstant Kugeln auf die Aliens regnen lässt. Warum also sollte man etwas dermaßen Bewährtes und Beliebtes, das perfekt funktioniert, ändern? Es ist schlicht (noch) nicht nötig. Alles harmoniert bestens miteinander und bereitet euch zu keinem Zeitpunkt Ärgernisse, weil irgendetwas nicht gescheit klappen würde. Es ist das Resultat jahrelangen, fast schon chirurgisch präzisen Feintunings und konstanter Verbesserungen, die hier ihren vorläufigen Höhepunkt erreichen.

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