Special Forces: Team X - Test

Mindestens genauso generisch wie sein Name.

Irgendwie haben die meisten - wenn auch nicht alle - kleineren Multiplayer-Spiele, die auf Xbox Live Arcade und anderen Plattformen veröffentlicht werden, doch einiges gemeinsam: Ein paar gute Ideen sind immer wieder vorhanden, doch die gehen oftmals im restlichen Einheitsbrei des jeweiligen Spiels unter oder wurden nicht konsequent genug umgesetzt. Ob nun Hybrid, Nexuiz oder eben jetzt Special Forces: Team X, sie sind solide Titel, keine Frage, und können auch für ein paar Stunden unterhalten, aber irgendwie fehlt ihnen das besondere Etwas. Die Luft ist relativ schnell wieder raus und man sehnt sich nach mehr. Bei mir bedeutet das: Ich lande einfach wieder bei einem der Vollpreis-Titel, da diese einfach deutlich mehr zu bieten haben.

Level-Baukasten

Kurz zu den Basics: Bei Special Forces: Team X - ein „Warfare" hätte man im Namensgenerator doch auch noch unterbringen können - handelt es sich um einen Third-Person-Shooter, in dem mal zwei, mal drei oder gar vier Teams gegeneinander antreten. Das alles in einer an Borderlands erinnernden Cel-Shading-Optik, die aber zu keinem Zeitpunkt wirklich hervorsticht oder einen einzigartigen Charme versprüht.

Eine Besonderheit des Spiels ist ... nun, es heißt zwar „Dynamic Map Tile System", aber sagen wir einfach Level-Baukasten dazu. Im Grunde verhält es sich hier ähnlich zu einer Map-Wahl vor der nächsten Runde in anderen Spielen, nur das ihr hier nicht die eine Karte wählt, sondern aus neun vorhandenen Map-Teilen eine zusammenstellt. Insgesamt ergeben sich so über 100 verschiedene Kombinationen. Eine nette Idee, allerdings sind sich die endgültigen Resultate dann doch recht ähnlich. Mit dabei sind Lagerhäuser, Bürogebäude und Ähnliches, was man einem solch industriellen Bereich zuordnen kann. Letzten Endes ergibt das zumeist einen überwiegend grau-braunen Mix, dem etwas mehr Farbe und Exotik bei den Schauplätzen - auch in Anbetracht des gewählten Stils - ganz gut getan hätte.

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So stellt man sich einen kämpferischen Gesichtsausdruck vor.

Geordnetes Chaos

Das Problem ist auch, dass die so entstandenen Karten teilweise schon mal zu groß sind. Es kam vor, dass ich erst einmal über den Großteil der Map zu einem bestimmten Bereich laufen musste, um überhaupt auf die sich dort konzentrierenden Mitspieler zu treffen. Bei zwei Teams geht das noch, aber wenn dann mal vier Teams auf der Karte rumlaufen, wird das Ganze zu einem munteren Chaos, sofern man von seinen Mitstreitern getrennt spawnt und schnell in einen Hinterhalt läuft.

Nicht einfacher macht es der Level-Baukasten, da man sich die sonst üblichen Kniffe und Eigenheiten einer Map aufgrund der stets individuellen Zusammenstellung nicht merken kann, was wiederum oftmals einfach in Unübersichtlichkeit resultiert. Als nicht hilfreich erweist sich zudem die Tatsache, dass man Spieler nur anhand eines kleinen farblichen Symbols über ihrem Kopf wirklich unterscheiden kann, ansonsten sehen sich die militärischen Uniformen und Kleidungsstücke zu ähnlich. Besonders dann, wenn ein vermeintlicher Feind um die Ecke biegt und sich doch als Freund erweist, sorgt das mehr für Verwirrung, als dass es wirklich hilft.

Inmitten von all dem versucht man aber dennoch, euch stets zum Zusammenspielen zu bewegen. Nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten, denn wenn ihr gemeinsam vorgeht und Kameraden in der Nähe sind, habt ihr in Kämpfen Vorteile. Ebenso lassen sich vorübergehend Boosts aktivieren, von denen dann neben euch selbst auch die Kollegen profitieren. Und das funktioniert auch eigentlich ganz gut, zumindest ließ sich in den gespielten Partien beobachten, wie die Spieler überwiegend doch eher im Team vorgingen, anstatt sich alleine durchzuschlagen.

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Nette Idee: Vierbeiner kämpfen mit.

Alles in allem ist Special Forces: Team X so etwas wie eine Mischung aus Gears of War (Gameplay, Deckungsshooter) und Borderlands (Optik), wenn es auch keines seiner Vorbilder wirklich erreicht. Sich einfach nur hinter einem Hindernis zu verkriechen - interessanterweise funktioniert das bei manchen Objekten nicht - und draufzuhalten, ist dabei nicht immer die beste Lösung. Die Waffen haben bei Dauerfeuer nämlich eine recht hohe Streuung, daher helfen euch kleine und gezielte Feuerstöße eher weiter, als einfach das gesamte Magazin schnell mit durchgedrücktem Trigger in Richtung des Feindes zu entladen. Außerdem geht ihr leider oftmals unfreiwillig in Deckung, wenn ihr gerade durch die Gegend sprintet.

Kampfhunde und Standardkost

Ebenfalls in die Kategorie „nette Idee" fallen die Kampfhunde, von denen jeder gleich zwei Stück auf seine Feinde hetzen kann. Wie das mitunter aussehen kann, wenn das jeder gleichzeitig tut, könnt ihr euch sicher vorstellen. Auch die Vierbeiner agieren jedoch nicht problemlos, können schon mal wie der Spieler selbst auch beim Sprinten an Kanten hängenbleiben oder stehen in anderen Fällen lediglich ein wenig dumm in der Gegend herum.

Ansonsten hat das Spiel das zu bieten, was man mittlerweile eigentlich weitestgehend als Standard in vielen Multiplayer-Spielen betrachten kann. Ihr könnt euren Kämpfer wie auch die Waffe anpassen und mit neuen Teilen ausstatten. Das alles erfordert aber natürlich eine vorherige Freischaltung durch Aufstiege im Rang. Von Pistolen über Shotguns bis hin zu Sturmgewehren ist das übliche Arsenal vorhanden, zusätzlich spawnen immer wieder schwere Waffen in Munitionskisten während der Matches, die euch einen weiteren kleinen Vorteil verschaffen können.

Die seltsamsten, dämlichsten und schlechtesten (und meist alles auf einmal) Simulatoren Ufo, U-Bahn, Sex, Chirurgie und sogar Simulatoren. Die seltsamsten, dämlichsten und schlechtesten (und meist alles auf einmal) Simulatoren

Gespielt wird in bekannten Spielmodi, darunter Standardkost wie Team Deathmatch, Capture the Flag oder Control Points. Hot Zone funktioniert ähnlich wie Letzteres, allerdings wechseln hier die Zonen, die ihr unter Kontrolle bringen müsst und dafür Punkte bekommt. In der Variante High Value Target muss schließlich ein auserwählter Spieler vom gegnerischen Team schnellstmöglich ins Jenseits befördert werden.

Sollte man Spiele anhand ihres Namens beurteilen? In dem Fall hier steckt hinter dem mehr als generischen Namen jedenfalls auch nur ein weitestgehend generischer Multiplayer-Shooter mit einigen netten Ideen, der in seiner Umsetzung aber mal wieder echte Top-Qualität vermissen lässt wie so viele ähnliche Titel in Download-Form. Sofern ihr nicht einfach nur einen neuen Online-Titel braucht und zumindest ein paar durchaus unterhaltsame Stunden verbringen wollt - was ihr euch anhand des Preises von 1.200 Microsoft Punkten aber eher zweimal überlegenen solltet -, könnt ihr Special Forces: Team X getrost ignorieren. Es gibt in diesem Genre deutlich bessere Alternativen, die euch obendrein länger unterhalten werden.

5 / 10

Unsere Wertungsphilosophie Special Forces: Team X - Test Benjamin Jakobs Mindestens genauso generisch wie sein Name. 2013-02-12T09:00:00+01:00 5 10

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