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Disney Infinity 3.0 - Test

Die Macht ist mit ihnen.

Disney Infinity 2.0 war für mich das erste „Toys-to-life"-Spiel. Zuvor gingen Skylanders und Co. noch an mir vorbei, aber einige der Figuren - vor allem die Guardians of the Galaxy - waren einfach zu reizvoll und so kam Ende des letzten Jahres mein Spontankauf zustande. Das Spiel hat mich, um es freundlich auszudrücken, doch eher enttäuscht. Ich mag zwar das eigentliche Konzept dieser Art von Spielen und auch die Figuren machen sich toll im Regal, aber 2.0 hinterließ letztlich doch einen fast schon lieblosen Eindruck - vor allem auf den Current-Gen-Konsolen.

Gespielt hatte ich die Marvel- und Guardians-of-the-Galaxy-Playsets, die sich jedoch eher wie eine Art Offline-MMO anfühlten. So, als ob man sie schnell zusammengewürfelt, ein paar kleine Welten erstellt und hier und da eine Quest verteilt hat. Es gibt wesentlich Spannenderes. Entsprechend skeptisch war ich erst mal im Hinblick auf 3.0, obwohl als Star-Wars-Fan natürlich ein gewisses Grundinteresse vorhanden war. Unsere eigenen Vorschauen machten mich wieder neugierig und mittlerweile kann ich wirklich sagen, dass Disney ganz offensichtlich dazugelernt hat.

Infinity 3.0 beweist gleich von Beginn an, dass es gegenüber 2.0 das überlegene Produkt ist. Längst nicht perfekt, aber eben doch eine gewaltige Steigerung. Alleine die Kampagne ist wahrscheinlich abwechslungsreicher als alle Playsets von 2.0 zusammen. Sie führt euch über mehrere Planeten hinweg, zum nach Beispiel nach Geonosis, Tatooine oder Coruscant. Ebenso ist der Weltraum um diese Welten herum zugänglich. Abseits der Hauptstory mit ihren eingestreuten Zwischensequenzen gibt es hier noch diverse Nebenquests zu erfüllen und Dinge zu sammeln. Die Spielzeit richtet sich daher danach, was ihr alles tut. Konzentriert ihr euch ausschließlich auf die Hauptstory, sind vielleicht fünf, sechs Stunden drin - mit den Herausforderungen und Nebenmissionen lässt sich das noch etwas steigern.

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Für verschiedene Gegnertypen oder Bossgegner wie General Grievous braucht ihr unterschiedliche Vorgehensweisen.

Man merkt dem Spiel deutlich an, wie die Entwickler versucht haben, neben dem normalen Zu-Fuß-Gameplay regelmäßig für spielerische Abwechslung zu sorgen. So kämpft ihr zwischendurch mal im Orbit über Geonosis gegen Vulture-Droiden der Separatisten (wenn auch leider nicht in Rogue-Squadron-Qualität), absolviert ein kurzes Pod-Rennen auf Tatooine oder eine Speeder-Verfolgungsjagd auf Coruscant, bei der ihr Schüssen, Minen und dem Gegenverkehr ausweichen müsst. Hinzu kommen die wunderbar funktionierenden und flüssigen Kämpfe, die man der Expertise von Ninja Theory zu verdanken hat.

Es gibt ein paar grundlegende Skills, aber ebenso charakterspezifische Fähigkeiten, die ihr nutzen beziehungsweise freischalten könnt. Kurz gesagt: Es macht einfach Spaß, sich als Ahsoka, Anakin, Yoda oder Obi-Wan Kenobi mit dem Lichtschwert in Gegnergruppen zu stürzen. Während Ahsoka etwa ihre Lichtschwerter werfen kann, zieht Anakin dank der Macht Schilde einfach von Gegnern weg, während Yoda wie ein Flummi durch die Gegend hüpft. Und es ist wirklich befriedigend mitanzusehen, wenn ihr verschiedene Skills aneinanderreiht, zum Beispiel erst mal ein paar Gegner per Machtstoß wegschleudert, eure Lichtschwerter werft und den noch stehenden Feind in die Luft befördert, um ihm dort mit euren Lichtschwertattacken zuzusetzen.

Bei all dem solltet ihr allerdings auch nicht vergessen, dass sich Disney Infinity 3.0 doch primär an ein jüngeres Publikum richtet. Es gibt zwar durchaus einige Kombos und unterschiedliche Gegnertypen erfordern verschiedene Vorgehensweisen im Gefecht, aber erwartet nun kein über alle Maßen komplexes Kampfsystem. Ähnliches gilt für die Story. Sie ist gut inszeniert und nett erzählt, größere moralische Themen oder vergleichbare Dinge spielen hier jedoch keine Rolle. Was aber im Umkehrschluss nicht heißen soll, dass man als Erwachsener damit nicht seinen Spaß haben kann. Seid euch nur über eure Ansprüche an das Spiel im Klaren.

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Auch im Weltraum treibt ihr euch herum.

Wie in den Vorgängern sind die Playsets allerdings nur ein Teil der gesamten Infinity-Erfahrung. Abseits dessen wartet erneut die Toy Box auf euch, sozusagen eure eigene große Spielwiese. Auch hier hat man zahlreiche Verbesserungen in den verschiedensten Bereichen vorgenommen. Der Toy-Box-Hub als zentrale Anlaufstelle ist ein umfangreiches Tutorial, das euch die verschiedenen Aspekte und Modi dieses Baukastens näherbringt. Und die Tutorials sind wirklich sehr umfangreich, ihr könnt euch so ziemlich alles erklären lassen, was alleine schon eine Weile dauert.

Durch erfüllte Quests in den Playsets und andere Aktivitäten schaltet ihr Stück für Stück neue Bauteile, Figuren und solche Dinge für die Toy Box frei, im Shop lassen sich durch gesammelte Punkte diverse weitere Sachen hinzukaufen. Das alles könnt ihr dann wiederum nach Lust und Laune kombinieren - ob nun klassisches Disney, Star Wars, Marvel, Tron oder was auch immer. Ihr seid der Architekt und bestimmt, was schlussendlich in eurer Toy Box auf dem Bildschirm passiert.

Trotzdem solltet ihr nicht denken, dass das alles dann ein Kinderspiel wäre. Klar, irgendwas zusammenbasteln kann jeder, aber die wirklich anspruchsvollen, originellen Kreationen erfordern nach wie vor viel Zeit von euch und verlangen, dass ihr euch richtig in die Toy Box und ihre Funktionsweise reinfuchst. Aber das ist bei anderen Spielen wie LittleBigPlanet ja nicht anders. Die meisten von euch dürften wohl eher mit Spannung auf das warten, was ein Teil der Community erstellt - oder auch das Infinity-Team selbst, beispielsweise Squid Wars, das Nintendo-Fans doch ziemlich bekannt vorkommen dürfte.

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Die Welten wirken lebendig und wurden stimmungsvoll umgesetzt.

Neu ist hier außerdem das Sidekick-System. Ihr bekommt kleine Begleiter, die ihr etwa im Farmbereich des Spiels arbeiten lassen könnt. So beschaffen sie einerseits Nahrung, mit der sie im Level aufsteigen, aber auch zusätzliche Items, die sie benutzen können. Gleichermaßen unterstützen euch die Sidekicks in Toy-Box-Kämpfen und bieten weitere verschiedene Vorteile. Sie können beispielsweise eure Gesundheitsenergie wieder auffüllen, wenn ihr sie aufnehmt. Das macht sie zu ganz nützlichen Begleitern, bei denen es lohnenswert ist, sich um sie zu kümmern.

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Die Wahl der im Starter-Set enthaltenen Figuren ist hingegen ein wenig... sagen wir unglücklich beziehungsweise nicht ganz so durchdacht. Einerseits sind es hier mit Ahsoka und Anakin nur noch zwei Figuren und beide sind obendrein noch Lichtschwertkämpfer. Das Starter-Set von 2.0 bot da mit Black Widow, Iron Man und Thor etwas mehr spielerische Variation und ließ euch sowohl mit Nah- als auch mit Fernkämpfern spielen, während die beiden Jedi eben nur in den Nahkampf gehen. Wollt ihr rumballern, müsst ihr also erst mal ein weiteres Playset oder eine zusätzliche Figur kaufen.

Nach dem für mich doch eher enttäuschenden Disney Infinity 2.0 - außer die Figuren, die sind toll - stellt Version 3.0 einen deutlichen Schritt nach vorne und vor allem in die richtige Richtung dar. Das ganze Starter-Set hinterlässt durch die Bank weg qualitativ einen hochwertigeren Eindruck als die letztjährige Version. Hinzu kommt die bessere Inszenierung der Story, bei der man nun endlich das Gefühl verspürt, dass sich die Entwickler ein paar Gedanken gemacht und wirklich Mühe dabei gegeben haben. Dementsprechend macht das Ganze sehr viel mehr Spaß und die Toy Box lädt anschließend zum munteren Experimentieren ein - oder aber ihr wartet auf die tollen Community-Level, die sicherlich noch kommen werden.

Disney Infinity 3.0 - Test Benjamin Jakobs Die Macht ist mit ihnen. 2015-09-15T09:00:00+02:00 4 5
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