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Final Fantasy XII: Revenant Wings

Hops, hops, hops

Eine kleine Bitte: Nehmt einmal Stift und Papier zur Hand. Alles da? Super! Jetzt schreibt in der oberen Region des Blattes die Zahlen 1 bis 10 nebeneinander auf, jeweils in einem Abstand von ca. zwei Zentimetern. Fertig? Klasse. Zieht anschließend eine durchgängige, waagerechte Linie ein gutes Stück unterhalb der Ziffern – Mitte des Blattes reicht –, und zwar exakt von Numero 1 bis Numero 7. Ja, genau so.

Bei der 7 macht Ihr einen Strich gerade nach oben, ungefähr zwei oder drei cm lang. Danach geht es wieder horizontal zur 8; eine Art Stufe sollte zu sehen sein. Und bei der 8 dürft Ihr Eure Linie wie eine Rakete schnurstracks in die Höhe schießen lassen. Ob über die 8 hinaus oder darunter, ist vollkommen egal. Am Ende dieser Linie verlängert Ihr sie dann waagerecht bis zur 10. Damit wäre unser gemeinsames Kunstwerk fast vollendet, fehlt nur noch die dicke 0, die Ihr ganz links auf das Papier kritzelt, gleich beim Anfangspunkt des Strichs.

Wenn Ihr die Anweisungen richtig befolgt habt beziehungsweise meine Ausführungen nicht allzu verwirrend klangen, dürftet Ihr nun das hier vor Euch auf dem Tisch erblicken. Und das ist nichts Geringeres, als eine nahezu detailgetreue Darstellung des Anspruchs, der Euch in den zehn Kapiteln von Final Fantasy XII: Revenant Wings erwartet.

In Worten ausgedrückt: Rund zwei Drittel der über den Daumen gepeilt 22stündigen Reise verbringt Ihr damit, die wohl denkbar einfachste Taktik in den Missionen anzuwenden, die das Echtzeitstrategie-Genre hervorbrachte. Nämlich alle verfügbaren Einheiten um Euch zu scharen und in einem großen Pulk über die Gegner herzufallen.

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Die kleinen rosa Quadrate oben auf der Karte stellen Beschwörungsportale dar, mit denen Ihr Eure Einheiten aufstockt.

Spezielle Schlachtpläne ausarbeiten, in Wellen vorstoßen, die Truppen an unterschiedlichen Orten positionieren? Durchaus machbar, bis Kapitel 7 aber relativ unnötig. Ihr müsst noch nicht einmal die Schwächen und Resistenzen der Gegenseite herausfinden; die serviert Euch ein Aufstellungs-Bildschirm gut einsehbar vor jeder Mission.

Was es ausschließlich, und besonders dank letzterem, zu beachten gilt, ist, die richtige Mannschaft ins Feld zu schicken. Also die kräftigsten Hauptprotagonisten auszuwählen, die Ihr bis dato vorweisen könnt – anfänglich Vaan, Penelope und vier weniger bekannte Akteure, später auch Balthier, Fran, Basch und Ashe. Sowie Euer Beschwörungsdeck (drei zur Auswahl) gemäß den Gegner-Schwächen mit entsprechend effizienten Einheiten, namentlich Esper, auszustatten.

Tummeln sich im Missionsgebiet zum Beispiel überwiegend Widersacher, die ein ernsthaftes Problem mit Feuer, Wasser, Blitz oder Stein haben – oder gar Heilung, falls Untote vor Ort sind –, zückt Ihr ein Deck aus jenen Esper, die sich in dem Element räkeln. Zusätzlich kommt das Stein, Schere und Papier-Prinzip zum Zuge: Nahkämpfer straucheln bei Flug-Wesen, Flieger müssen sich vor Geschossen aus der Ferne in Acht nehmen und Distanz-Streiter sehen wiederum kein Land beim Zusammenstoß mit den Frontalisten. Angesichts der „Alles drauf, was da ist“-Methode geht das Prinzip in der Masse jedoch regelrecht unter und findet nur in den Scharmützeln zu Beginn (weil wenig Einheiten) und gegen Ende (weil erhöhter Schwierigkeitsgrad) wirklich Verwendung.

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Gesprochen wird nie, dafür gibts Text ohne Ende und Musik aus FFXII.

Und dann, so bei dem zweiten oder dritten Einsatz in Kapitel 7, vollzieht Revenant Wings einen Wandel. Derart abrupt, dass man meinen könnte, Square Enix sei aufgefallen, wie ungemein simpel, wie sehr auf Einsteiger getrimmt doch der Verlauf bislang war und dass man tunlichst etwas daran ändern sollte.

Plötzlich reicht es nicht mehr aus, dass Ihr die stärkste Truppen-Zusammensetzung auf die Karte bugsiert und seelenruhig dabei zuseht, wie Eure Helden via Gambits (ähnlich FFXII, aber nur eine Technik automatisierbar) und mit den Viechern im Rücken im Gänsemarsch vor sich hinwüten. Nein, Ihr müsst mitunter die Gruppen aufsplitten, separate Stellungen beziehen und wichtige Punkte einnehmen, während die feindliche Meute aus allen Himmelsrichtungen auf Euch einströmt. Von 0 auf 50 im Anspruchspegel. Der Preis: Ab hier heißt es, einige Missionen mehrmals in Angriff nehmen, bis Ihr eine erfolgreiche Vorgehensweise ausgetüftelt habt – was zuvor eher sporadisch auftrat.

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